Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 26.08.2015

BLUES PILLS , VREID , SKINDRED , BLACK LABEL SOCIETY , BEHEMOTH , CROWBAR , DEVIN TOWNSEND PROJECT , ARCH ENEMY , MOONSPELL , SEPULTURA , DIABLO BLVD , UNEARTH , ELUVEITIE , NOCTIFERIA , KATAKLYSM , AUDREY HORNE , DEATH ANGEL , CARCASS , YEAR OF NO LIGHT , HATEBREED , STRIKER , FEAR FACTORY , AVATAR , HARDCORE SUPERSTAR , SAXON , DEADLOCK , ACCEPT , QUEENSRYCHE , SACRED STEEL , DREAM THEATER - Sonne, Strand & Schwermetall

Wo sich im Ersten Weltkrieg Italien und Österreich-Ungarn die Köpfe einschlugen, schwingen heute, rund 100 Jahre später, Metalheads aus diesen Landstrichen und Resteuropa einträchtig die Matten und planschen, lediglich bewaffnet mit quietschbunten Gummitieren und Wasserpistolen, direkt am Festivalgelände einträchtig im Gebirgsfluss Soca. Mittendrin statt nur dabei: Team Rock Hard, nach 16-stündiger Autofahrt bereit für Sonne, Strand und Schwermetall.

Rund 3.800 Einwohner zählt das kleine Städtchen Tolmin, das eine Woche im Jahr Gastgeber für 12.000 Besucher mit Hang zu harten Tönen ist und diese herzlich empfängt. Ein buntes Wirrwarr aus Slowenisch, Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch vermischt sich in den verwinkelten Gassen und auf dem Festivalgelände zur „Lingua Metallica“, und im nahegelegenen Nationalpark Triglav, dem wir bei lauschigen 38 Grad einen Besuch abstatten, gibt es für Metaldays-Besucher ermäßigten Eintritt. Wem das nicht genügt, der kann direkt auf dem Gelände Fallschirmspringen, Paragliding, Rafting oder „nur“ eine Kanu-Tour buchen. Apropos „Gelände“: Ausschließlich wegen der Musik kommen nur Narren zu den Metaldays. Jeder Dritte trägt hier Badebekleidung, was dem Festival ein sehr lockeres Ambiente verschafft. Von der Hauptbühne aus läuft man schnurstracks eine Viertelstunde durch die üppige Botanik zum Hauptstrand. Auf einer Freifläche zur Rechten erstreckt sich ein gigantischer Zeltplatz mit Blick aufs Alpenpanorama, während eine Händlermeile mit regionalen Produkten für Slowenien-Flair sorgt. Ganz Mücken-Mutige campen in den wenigen Lücken im Busch. Gleich daneben befindet sich eine Gedenkstätte der deutschen Wehrmacht, die von den Veranstaltern rigoros abgesperrt wird. Der überwiegende Teil der Besucher nimmt Rücksicht auf die Natur, sammelt den Müll und genießt einfach die malerische Szenerie. Am Strand liest man Bücher, spielt Ball, relaxt im Campingstuhl und kühlt Bierdosen im Wasser. Metaldays-Profis haben natürlich Badeschlappen mit und lassen sich flussabwärts an das Zusammentreffen von Tolminka und Soca treiben, wo der Veranstalter ein DJ-Zelt mit Bar und Grill errichtet hat. Ein traumhafter Platz zum Quatschen und Chillen. Von dort sind es nur fünf Minuten zur Nebenbühne unter Bäumen. Vegetarisches Essen ist hier eine Normalität, da der Veranstalter selbst fleischlos konsumiert. Bezahlt wird ganz modern mit einer Pre-Paid-Card. Das Preisniveau ist leider annähernd wie in Westeuropa, die Qualität absolut in Ordnung. Vor allem gilt das für das slowenische Bier, das mit dem kristallklaren Wasser der Berge gebraut wird.     
Ansonsten zeigt sich dieser Teil Sloweniens als touristisch noch wenig erschlossen. Trotz Hauptsaison sitzen wir zur Mittagszeit in einer Imbissbude am Bilderbuch-Stausee so gut wie alleine. Die teils malerischen Dörfer sind noch nicht von Hotelburgen und Skiliften verschandelt, und das Preisniveau abseits des Festivals ist äußerst moderat. Urlaub bei Freunden sozusagen – und der Soundtrack stimmt auch. Immerhin schaffen es die Veranstalter, diverse Hochkaräter auf der Durchreise von Süden nach Norden (Wacken) abzugreifen. (am/hs)

MONTAG

Den Auftakt der Woche geben TOTAL ANNIHILATION, deren US-mäßigem Thrash man genauso wie der Performance der Baseler anmerkt, dass sie nicht erst seit gestern dabei sind. Das erste richtige Glanzlicht auf dem Hauptplatz steht jedoch erst mit den Düsseldorfern SLOMIND an. Deren Sänger Pat macht ordentlich Radau zu den aussagekräftigen Stücken der ersten EP und LP, die sich recht eigenständig im Fahrwasser von Down bewegen. Einen Tick derber sind kurz darauf die Sludge-Briten KROKODIL, deren Frontmann Simon Wright zu den aktivsten des Tages zählt und den kleinen Hype, den man auf der Insel um die Band veranstaltet, ein Stück weit rechtfertigt. ANVIL wiederum zehren nach wie vor zu Recht von ihrer medialen Präsenz in jüngerer Zeit, denn live sind Lips und Robb auch mit dem neuen Bassisten Chris Robertson eine sichere Bank, die bei aller Routine immer noch Spielfreude vermittelt.
Die erste aufsehenerregende Band auf der Nebenbühne sind DIVIDED MULTITUDE, die ihren zwar konservativen, aber energisch dargebotenen Prog Metal Marke neunziger Jahre leider vor lichten Reihen zocken, weil sie zeitgleich mit dem wie immer herzlichen DEVIN TOWNSEND PROJECT auftreten. Dessen Setlist ist die gleiche wie jene der noch laufenden Tournee, doch dafür haben sich die Kanadier fesche Sonnenbrillen aufgesetzt. Überraschend spannend wird es hinterher im Doppelpack auf der Nebenbühne: Zuerst veranstalten die serbischen Post-Rocker CONSECRATION mittelgroßes Kopfkino, dann begeistern die österreichischen Blackies BLUTMOND mit Saxofon und unverkrampfter Scheißegal-Attitüde. (as)
QUEENSRŸCHE, in Balingen wegen Passproblemen noch ohne Bassist Eddie Jackson, sind in Tolmin vollzählig angetreten und liefern eine famose Show ab. Die Sonne macht jetzt endlich Feierabend, und so zeigt sich zum ersten Mal die fette Lightshow, die die slowenischen Festivalmacher aufgefahren haben. MALEVOLENCE haben mit ihrem Metalcore-Deathmetal-Crossover die Meute vor der zweiten Bühne blitzschnell im Griff und werden mit dem allerersten Moshpit des Festivals belohnt, was die Herrschaften aus Sheffield sichtlich ergriffen zur Kenntnis nehmen. Auf der Main Stage hat FEAR FACTORYs Burton einen guten Tag, die Clean-Vocals gelingen ihm verhältnismäßig gut, die Instrumentenfraktion ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Der atmosphärische Black Metal von DARK FORTRESS passt hervorragend zur bewaldeten Kulisse. Zwar haben sich die hochsommerlichen Temperaturen bisher kaum abgekühlt, den frostigen Werken der Landshuter wird trotzdem gebannt gelauscht. Für den verdient kassierten Applaus bedankt sich Fronter Morean artig in der Landessprache. „Hvala!“
„Don´t be afraid of moshing to SAXON, we fucking invented it!“ Biff und seine Mannen machen Nägel mit Köpfen und demonstrieren allen Zweiflern, warum sie zu Recht auf so ziemlich jedem Festival anzutreffen sind. Die slowenischen Lokalmatadore von NOCTIFERIA bilden danach mit ihrem vielseitigen, im Extremen wurzelnden Metal den musikalischen Abschluss des ersten Festivaltages und schaffen es, die letzten Reserven aus der Crowd herauszukitzeln. Geiler Scheiß! (ts)

DIENSTAG

Die erste Überraschung des zweiten Tages landen AVATAR. Die Rob-Zombie- und Marilyn-Manson-Verehrer gelten zwar eher als gecasteter Schweden-Hype, überzeugen aber mit gekonntem Groove Metal und starker Bühnenpräsenz am frühen Nachmittag. Der Sänger trinkt sein Wässerchen (?) aus einem Benzinkanister, und nach dem Auftritt steht die Mannschaft stramm, während ein Roadie in Pagenuniform die Instrumente abräumt. Coole Inszenierung! Eine Steilvorlage für SKINDRED um den ehemaligen Dub-War-Frontflummi Benji. Der dirigiert umgehend in einem grellroten Anzug mit Union-Jack-Tuch die 3.000 Anwesenden und lässt die Songs mehrfach abbrechen, um den letzten Fan aus der Reserve zu locken. „Hey, du da in der Mitte. Du denkst wohl, der Scheiß-Nigger auf der Bühne hat eh nichts zu melden. Sei keine Schlaftablette, du Penner, und krieg verdammt noch mal deinen Arsch hoch! Alle hüpfen: JETZT!!!“ Funktioniert bestens. Der Sänger sollte VHS-Kurse für schüchterne Musiker anbieten.
Solche Probleme kennen die BLUES PILLS natürlich nicht, die Band ist stilistisch immer noch ein gern gesehener Exot auf Festivals und legt wie gewohnt einen Auftritt zwischen musikalischer Routine und schweißtreibendem Arbeitsethos hin. Das Thermometer steht mittlerweile bei 37 Grad, die Fünf-Uhr-Sonne knallt direkt auf die Bretter, und Elin Larsson schwinden nach dem Auftritt die Sinne. Nach kurzer ärztlicher Behandlung ist aber wieder alles okay. Jetzt wären auf der Hauptbühne eigentlich MOONSPELL an der Reihe, aber schon am frühen Nachmittag ist klar, dass Dream Theater durch ihre späte Ankunft in Tolmin mitten am Tag ihr Equipment aufbauen müssen. Die Portugiesen nehmen es gelassen hin, etwas später auf der Nebenbühne spielen zu müssen („kann man eh nicht ändern“) und legen einen prima Auftritt mit vielen Songs ihres aktuellen Krachers „Extinct“ hin, während Hirax ans Ende der Veranstaltung geschoben werden und dementsprechend sauer sind. Vor allem, weil die Band nach dem Abbau ihres Equipments um halb fünf direkt zu ihrem nächsten Auftritt fahren darf. Die einzige Chance, aus dem Talkessel herauszukommen, sind Serpentinenstraßen mitten in der stockdunklen Nacht. Rock´n´Roll auf die harte Tour.
Nun steht die schicke Nebenbühne unter Bäumen mal im Fokus, aber die Münsteraner ABANDON HOPE können trotz guter Songs und Performance nur wenige Zuschauer locken. Zuvor haben die Hamburger Tech-Deather AEONS CONFER eine gute Visitenkarte abgegeben. Eine Ausnahme in der Publikumsgunst sind die brasilianischen Amazonen von NERVOSA, die ihr Business verdammt ernst nehmen und mit unterhaltsamem Old-School-Thrash für Stagediving-Aktivitäten sorgen. Ähnlich voll wird es bei SACRED STEEL, die dem Festival einen True-Metal-Farbtupfer hinzufügen.
Nach einem kraftvollen, aber gewohnt wenig abwechslungsreichen Auftritt von BLACK LABEL SOCIETY stehen DREAM THEATER mit reichlich sauertöpfischen Mienen auf der Bühne, obwohl das halbe Festival um ihren Auftritt herumgebaut werden musste. Zum Glück bessert sich die Spiellaune des Quintetts mit jedem Song, und am Ende steigern sich die Progressiv-Götter sogar noch in eine Art Rauschzustand. Das Kontrastprogramm dazu sind CANNIBAL CORPSE, die vom ersten Song an gleich „da“ sind, sich aber (das liegt in der Natur der Sache) kaum noch steigern können. Immerhin hält die Band nach Mitternacht noch einen Großteil des Publikums, was angesichts des gleichförmigen Musikprogramms erstaunlich ist. Selbstverständlich müssen sich die Fans der rotierenden Matte von Herrn Corpsegrinder Fisher – „Ich kann härter und länger headbangen als alle anderen hier, wetten? – geschlagen geben.
Bevor HIRAX hochmotiviert „Gute Nacht“ sagen können, lässt Martin SCHIRENC Pungent Stench wieder aufleben. Der 25 Jahre alte Death´n´Roll-Sound der Österreicher scheint dem Publikum allerdings eher unbekannt zu sein, während die Australier NE OBLIVISCARIS vor stattlicher Kulisse die Hälfte ihres Auftritts gegen die Technik kämpfen. Einer der beiden Sänger hört sich zwar selbst auf der Bühne und gibt Vollgas, aber aus der P.A. kommt kein Piep. Während der Hausmischer alle Knöpfe des blinkenden Digital-Mischpults ausprobiert, ist der tobende Mischer der Band kurz davor, seinen Kopfhörer aufzufressen. Das Schauspiel erreicht seinen Höhepunkt, als auch noch der zweite Sänger der Band, der zwischendurch übrigens recht überzeugend zur Geige greift, für kurze Zeit abgeschaltet wird. Nun stürmen die Fans zum Mischpult und sorgen mit Kommentaren wie „Hört ihr denn nicht, dass da keine Vocals sind, ihr Deppen?“ für zusätzliche „Stimmung“ beim streitenden Technik-Personal. Dann wird doch noch ein Kniff gefunden, und die Fans können den kompetenten Prog Metal von Down Under endlich genießen. (hs)

MITTWOCH

Trotz praller Mittagssonne und dem Soca-Strand als Konkurrenz gelingt es DIABLO BLVD., mit ihrem von Corrosion Of Conformity und Danzig beeinflussten Sound immerhin etwa 150 Fans vor die Bühne zu locken, die die mit slowenischem Ersatztrommler rockenden Belgier zu Recht abfeiern. THE DEVIL verzichten auf einen Sänger und warten dafür mit eingespielten Sprachsamples und venezianischen Masken auf. Nach spätestens zwei Songs ist dieses Konzept leider ausgereizt, also erst mal Pivo tanken und dann rüber zur zweiten Stage, wo EVER-FROST aus Italien den Festivalgängern mit feinstem Death Metal die Rübe abschrauben. Anschließend verwöhnen die Österreicher DAEDRIC TALES die Hörer mit epischem Symphonic Metal, während auf der Main Stage die EMIL BULLS mit Manowars ´The Crown And The Ring´ als Intro starten. Die Bajuwaren finden trotz solider Show mit ihrem Post-Nu-Metal nicht so viel Anklang und spielen vor einem leeren Hauptfeld. Die slowenische Fast-nur-Damen-Kapelle MIST erinnert anschließend an Candlemass und The Devil´s Blood, ihre Songs könnten allerdings noch etwas Feinschliff vertragen. DEATH ANGEL bringen den Platz vor der Hauptbühne dann richtig zum Kochen. Die Bay-Area-Bande erntet den ersten Circle Pit des Tages, bevor SEPULTURA noch einen draufsetzen können. (ts)
HATEBREED tanzen zum Reggae-Intro ´Bad Boys´ an, knüppeln jegliche Parallelen zu Bob Marley & Co. jedoch augenblicklich ins Nirwana. Fronter Jamey Jasta lässt seine Zeit als „Headbangers Ball“-Moderator aufblitzen, lobt die Eintracht des multinationalen Publikums und besiegelt zu ´Beholder Of Justice´ einen Pakt mit der ausrastenden Menge: „Morgen wacht ihr alle auf und habt keine Stimme mehr.“ Deal!
Weniger ruppig, aber mindestens genauso actiongeladen geht es auf der Nebenbühne zu, als die norwegischen Hardrocker AUDREY HORNE ausgelassen auch dem letzten Fan in die Hirnrinde tätowieren, wie viel Bock sie auf diese Show haben. Sänger Toschi wagt nach einem Frotzelduell mit Viersaiter Espen todesmutig den Sprung ins Publikum, und als Dreingabe gibt´s Ohrwürmer frei Haus.
ACCEPT demonstrieren als Headliner, wie überraschend gut klassischer Teutonen-Stahl beim bunt gemischten Publikum zündet. Während Wolf Hoffmann gewohnt versiert auf der Gitarre zaubert, funktionieren die „Neuen“ Uwe Lulis (g.) und Christopher Williams (dr.) bereits wie gut geschmierte Zahnräder in der Bandmaschinerie. Fronter Mark Tornillo dagegen hat in der zweiten Hälfte des Sets mit Stimmproblemen zu kämpfen, macht den steigenden Reibeisen-Faktor aber mit enthusiastischem Einsatz bis zur letzten Zugabe ´Balls To The Wall´ wett. Was gibt´s Schöneres, als von Accept bei den Eiern gepackt zu werden? Dagegen kommen CARCASS getreu ihrer aktuellen Scheibe „Surgical Steel“ etwas klinisch rüber, obwohl die Deather aus Liverpool eine technisch einwandfreie Show abziehen. Emotionsgeladener gehen ihre Landsmänner BLITZKRIEG zu Werke, die den 30. Geburtstag ihrer Debütscheibe „A Time Of Changes“ feiern und die Songs zu diesem Anlass wieder auf die Bretter bringen. „Ich bin ziemlich beeindruckt, dass ihr noch lebt“, staunt Sänger Brian Ross gegen zwei Uhr nachts. Wir auch! (am)

DONNERSTAG

Auch heute hat das Rock-Hard-Expeditionsteam den direkten Weg vom Frühstückstisch zum Soca-Ufer angetreten. Im irrwitzig kalten Gebirgswasser lassen sich die mittäglichen Temperaturen ganz gut aushalten. Unterdessen zerlegen BROKEN MIRRORS vom Genfer See begeistert die Waldbühne. Wer auf Soilwork & Co. steht, sollte die Herrschaften mal anchecken. 200 Meter weiter springt PROFANE OMEN-Sänger Jules Näveri herum wie der junge Phil Anselmo, während Gitarrist Antti Kokkonen für seine Vier-Dreadlocks/Pläte-Kombination den Preis für die coolste Frisur des Festivals erhält.
Anders als tags zuvor die Emil Bulls haben DEADLOCK deutlich weniger Probleme, den Funken überspringen zu lassen, der Platz vor der Main Stage füllt sich merklich. An den Ansagen kann man (und frau) jedoch bitte noch mal etwas arbeiten. CROWBAR rollen wie eine langsame, aber tödliche Dampfwalze durch das Tolminer Tal, großartig! Kirk Windstein vertut sich beim Anzählen ein wenig mit den Landesgrenzen („ahns, zwah, draai, viaah“), vielleicht hat er sich das aber auch nur bei Deadlock abgeschaut.
Bei VREID wird es zunächst wieder etwas leerer, die Norweger lassen sich aber nichts anmerken und liefern eine intensive Show ab. „Böser“ Metal und Folk-Elemente kommen beim Tolminer Bangervolk sowieso immer gut an, und so füllt sich das Areal sehr schnell wieder. Der Trend zum deutschsprachigen Anzählen setzt sich übrigens fort, warum auch immer. (ts)
STRIKER aus Kanada legen vor anfänglich spärlichem Publikum auf der Nebenbühne los, locken allerdings mit ihrem frechen Speed Metal ruckzuck genug Freiwillige für einen stattlichen Circle Pit an.
Teilen muss sich die junge Band ihre Zuschauer mit HARDCORE SUPERSTAR. Die Schweden setzen einen rotzig-sleazigen Kontrast zum allgemein eher knüppelig-bösen Festival-Billing, weshalb das Publikum vor der Main Stage – positiv ausgedrückt – ausreichend Platz zum Moshen hat. An den Jungs auf der Bühne liegt´s nicht – die feiern bestens aufgelegt eine grellbunte Party, bei der Fronter Jocke Kilometergeld zu bekommen scheint und Drummer Adde zum letzten Song ´Fuck The Law´ das Kit quasi unterm Arsch abgebaut wird. BETRAYING THE MARTYRS spendieren danach wortwörtlich eine Deathcore-Abkühlung und haben mit ihrer Coverversion von ´Let It Go´ aus dem Disney-Streifen „Die Eiskönigin“ die Lacher auf ihrer Seite. ARCH ENEMY-Frontröhre Alissa setzt derweil optische Trends: Ihr blaugrüner Haarschopf hat im Publikum viele Nachahmerinnen und Nachahmer (!) gefunden. Da es vor der Stage inzwischen ziemlich kuschelig geworden ist, weichen die Fans crowdsurfend nach oben aus, während die Melo-Deather höchst erfolgreich ihre aktuelle Scheibe „War Eternal“ bewerben. Die Nummer ´We Will Rise´ ist heute nicht nur ein Punkt auf der Setlist, sondern für die komplette Show Programm.
Bei UNEARTH, die um ein Uhr nachts antreten, lichten sich die Reihen ein wenig, was die Metalcore-Combo aus Massachusetts aber nicht davon abhält, freudig und gewohnt bollerig ihre Metaldays-Entjungferung zu feiern. Circle-Pit-Alarm, Teil zwei! ROTTING CHRIST machen anschließend den Rausschmeißer und schicken die Meute mit einem fröhlichen „Good Morning, Metaldays!“ um drei Uhr ausgepowert ins Bett. (am)

FREITAG

Nachdem ZOMBIE RODEO den Endspurt mit flottem Stoner Rock und charmantem Frauengesang eingeläutet haben, rumpeln mehrere baltische Underground-Combos solide weiter, bevor die Inder DEMONIC RESURRECTION um Aufmerksamkeit heischen. Der Botschafter ihres Landes lässt sich nach dem Gig hinter der Bühne blicken, doch zunächst haut die seit über 15 Jahren bestehende Truppe ausgezeichneten Death- bis Black Metal mit starken Melodien ins Rund, wobei der Schwerpunkt auf Songs ihres vierten Albums „The Demon King“ liegt. Thrash mit Hardcore mischt hingegen niemand so geil wie die Schweden DR. LIVING DEAD!, die aufgrund von Problemen bei der Anreise heute besonders angefressen wirken und einen ihrer stärksten Auftritte hinlegen – obwohl Frontschädel Dr. Mania mit geschientem Bein über die Bretter läuft. Im Anschluss bittet die neue Schule zum gepflegten Breakdown-Overkill: Während sich CARNIFEX bewusst als Death-Metal-Band gerieren, machen SUICIDE SILENCE keinen Hehl daraus, dass sie der Inbegriff des Deathcore sind. Neusänger Eddie Hermida darf sich zum irrsten Frontmann des Festivals küren lassen, und wenn man die ganzen Schubladen einmal geschlossen lässt, bleibt schlicht extrem brutaler Stoff übrig, der trotz Melodieverweigerung unterhält und mindestens zur Hälfte ein Naturereignis statt Musik ist.
Ein geläufiger Name, der früh auf der Nebenbühne steht, sind Joel Grinds TOXIC HOLOCAUST, die sich traditionell thrashig durch kurz-knackige Songs ihrer beeindruckenden Diskografie knüppeln, während KATAKLYSM ihr aktuelles Programm souverän vor dem Gros der Zuschauer darbieten und Lust auf ihr in der darauffolgenden Woche erscheinendes neues Album machen. (as)
Folk Death ist bekanntlich die Herzensangelegenheit von ELUVEITIE. Mit Drehleier und Twin Flutes punktet der Achter bei seinem vierten Gastspiel in Tolmin auf der Hauptbühne, besonders die von den Fans geforderte Schwyzerdütsch-Version ihrer Nummer ´The Call Of The Mountains´ kommt gut an – obwohl ´De Ruef Vo De Bärge´ fast schon ein bisschen zu niedlich für die Metaldays-Horde klingt.
Die ist schließlich besonders hart im Nehmen und kommt anschließend bei BEHEMOTH voll auf ihre Kosten: Feuerfackeln, umgedrehte Kreuze und düstere Kapuzenumhänge geben der Show der Polen schon von dem Moment an einen teuflisch guten Beigeschmack, als Nergal & Co. zu den ersten Klängen von ´Blow Your Trumpets Gabriel´ die Stage betreten. Bei all dem atmosphärischen Drumherum ist es aber vor allem das höllisch tighte Live-Spiel der Black-Metaller, das für die erste ausgeprägte Massen-Gänsehaut des wohltemperierten Festivals sorgt.
YEAR OF NO LIGHT verleiten auf der kleinen Bühne mit ihrem ausgefeilten, instrumentalen Post Metal auffallend viele vorbeischlendernde Nachteulen dazu, stehenzubleiben und in den beginnenden Tag zu moshen. Ein gut gewählter Schlusspunkt für ein sehens- und hörenswertes, top organisiertes Festival, das wir sicherlich nicht zum letzten Mal besucht haben. Na svidenje, Metaldays! (am)

IN TOLMIN BANGTEN, BRUTZELTEN UND BADETEN: ALEXANDRA MICHELS (AM), ANDREAS SCHIFFMANN (AS), TOBIAS SCHMIDT (TS) UND HOLGER STRATMANN (HS).

Pic: Holger Stratmann

Bands:
FEAR FACTORY
SAXON
STRIKER
DREAM THEATER
UNEARTH
AVATAR
SEPULTURA
QUEENSRYCHE
ELUVEITIE
BLUES PILLS
DEVIN TOWNSEND PROJECT
DEADLOCK
BEHEMOTH
KATAKLYSM
HARDCORE SUPERSTAR
VREID
NOCTIFERIA
DIABLO BLVD
BLACK LABEL SOCIETY
MOONSPELL
CROWBAR
CARCASS
HATEBREED
DEATH ANGEL
ACCEPT
SKINDRED
YEAR OF NO LIGHT
ARCH ENEMY
SACRED STEEL
AUDREY HORNE
Autor:
Tobias Schmidt
Alexandra Michels
Andreas Schiffmann
Holger Stratmann

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