Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 24.09.2014

ENTOMBED A.D. , KATATONIA , SÒLSTAFIR , WATAIN , NAPALM DEATH , KREATOR , GRAVE , MARDUK , SUFFOCATION , THE HAUNTED , SATYRICON , OBITUARY - PARTY.SAN METAL OPEN AIR 2014

Der Deibel wohnt in Schlotheim

Das Party.San ist mittlerweile als das wohl wichtigste Festival Deutschlands für (vor allem) die härtere Gangart des Metal etabliert, den Erfolg der 2013er Ausgabe konnte man 2014 bestätigen: An die 10.000 Banger pilgerten einmal mehr ins thüringische Schlotheim und ließen sich den Kopf freipusten. Mit dabei: sieben glückliche Rock-Hard-Abgesandte. Wir freuen uns schon jetzt wie die Kinder auf 2015!

Donnerstag

Bei bestem Wetter eröffnen NECROWRETCH das diesjährige Party.San. Die drei Franzosen, die nach diversen Vinyl- und Tape-Veröffentlichungen mit ihrem Debütalbum „Putrid Death Sorcery“ einigen Staub aufwirbeln konnten, überzeugen auf der großen Bühne aber nur bedingt. Vlad, Amphycion und Ilmar verfahren nach dem Motto „Viel Hall ist gleich okkulte Atmosphäre!“, wodurch besonders die Vocals zu verwaschen rüberkommen. Trotzdem: Das Songmaterial verliert dadurch kaum an Reiz, und so ist der dreckig-räudige Simpel-Death des Trios genau das Richtige, um den zahlreich anwesenden Fans die erste Ladung Krach vor den Latz zu knallen.

Beim amerikanischen Kiff-Kommando SKELETONWITCH wird es zum ersten Mal richtig voll vor der Bühne. Kein Wunder, denn die Truppe um Ober-Weed-Nase Chance Garnett ist ein Garant für gute Stimmung und fetzigen Thrash. Zwar haben die Jungs kurz mit einem Verstärkerausfall zu kämpfen, reißen ihren Gig jedoch routiniert, aber mit zu jeder Zeit spürbarer Spielfreude runter. Das Hauptthema der kultigen Ansagen ist natürlich, ob man denn Gras rauche, rauchen wolle oder etwas übrig hat, und in einem poetischen Moment fragt Chance: „How many beer can we make disappear?“ Die Antwort gibt er freilich selbst: „Quite a lot!“ Schöner Auftritt einer Band, die live immer noch etwas mehr überzeugen kann als auf ihren Platten.

Das kann man von ATLANTEAN KODEX natürlich nicht behaupten, denn deren aktuelles Album „The White Goddess“ wurde zu Recht gefeiert, als hätten Manowar ein zweites „Into Glory Ride“ rausgehauen. Umso erstaunlicher, dass sich deutlich weniger Zuschauer als noch bei Skeletonwitch für den Epic Metal der Bayern-Käuze interessieren. Selbst schuld, denn jene, die sich vom Acker gemacht haben, verpassen das erste Highlight des noch jungen Festivaltages. Was Atlantean Kodex hier abziehen, ist schlicht magisch. Die epischen Breitwand-Riffs sind wie geschaffen für die große Bühne, und Sänger Markus Becker hat hör- und sichtbar an Sicherheit gewonnen, was sich vor allem in der Gänsehaut verursachenden Gesangsleistung bei ´Heresiarch´ manifestiert. Ganz großes Kino! Lustiges Detail am Rande: Nach ´The Atlantean Kodex´ will sich die Band schon verabschieden, hat aber noch Spielzeit über. Daraufhin kündigt Becker ´Pilgrim´ mit dem Hinweis an, dass man das nicht geplant habe und er hoffe, dass nichts schiefgeht. Und natürlich passt alles.

Es folgen zwei schwedische Legenden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Den Anfang machen die unprätentiösen GRAVE, die bis auf eine zu vernachlässigende Pause immer am Start waren, kein wirklich schlechtes Album veröffentlicht haben und besonders in den letzten Jahren sowohl live als auch auf Konserve konstant überzeugen konnten. So enttäuschen Ola Lindgren und seine Mannen auch heute nicht. Im Gegensatz zu manch anderem sehe ich in dem Auftritt zwar kein Festival-Highlight, grundsolide im besten Sinne ist die Show aber allemal.

Gleiches gilt für die Diva des schwedischen Death Metal, die heute unter dem Namen ENTOMBED A.D. vorstellig wird. Wie auch immer man zu der Truppe, die als einziges Originalmitglied Fronter L.G. Petrov vorzuweisen hat, stehen mag, das ist alles ganz ordentlich. ´Kill To Live´ vom aktuellen Album „Back To The Front“ reiht sich unauffällig in den Set ein, was zeigt, dass mancher mit der Scheibe vielleicht etwas zu hart ins Gericht geht. Natürlich hat Petrov auch fähige Musiker um sich geschart, wodurch der Auftritt zu einem Heimspiel gerät, dessen Höhepunkt der ikonische Schlussteil von ´Left Hand Path´ ist. Klares Unentschieden mit Sympathiebonus für Grave.

Zugegeben: SÓLSTAFIR hatte ich bisher nicht auf dem Schirm. Erst die aktuelle Platte der Isländer konnte mich für den einzigartigen, hochemotionalen Düster-Heavy-Rock begeistern, und dieser Gig lässt mich endgültig zum Fan werden. Diese Musik muss natürlich im Dunkeln gespielt werden, so dass die Lightshow die kühle, zurückgenommene Emotionalität unterstützen kann, die die Basis für die immer wieder in nordlichtgleicher Farbgewalt aufflackernden Gefühlsexplosionen darstellt. Was Sólstafir hier heraufbeschwören, ist schlicht überirdisch, und in der Tat wirkt der schlanke und hochgewachsene Sänger und Gitarrist Aðalbjörn Tryggvason fast ein bisschen wie ein Alien.

Aus ätherischen Höhen reißen uns WATAIN danach in den Schlund der Hölle. Die Bühne wirkt mit den Fackeln und den Aufbauten im Haut- und Knochen-Look gespenstisch und imposant zugleich. Auch wenn man der Band kritisch gegenübersteht, muss man anerkennen, dass sie durchaus Headliner-Format besitzt. Jedenfalls, was die Optik und die Musik angeht, die heute zu großen Teilen vom aktuellen Album stammt. Ob man Fronter Eric, der sich in einen Rausch keift und eine immerhin nicht mehr brennende Fackel ins Publikum schleudert, nun für beseelt oder einfach nur psychisch angeknackst halten will, möge jeder selbst entscheiden. (ses)

Freitag

Schon bevor JIG-AI am zweiten Festivaltag zum Frühschoppen bitten, liegt ein Hauch von Karneval in der Luft: Die teilweise in ulkigen Verkleidungen auflaufende Spaßgrind-Fraktion ist vor Ort und begrüßt das Trio ziemlich enthusiastisch. Ganze zweimal gibt die P.A. komplett den Geist auf, als die Prager gerade loslegen wollen. Erst beim dritten Anlauf hält die Technik durch, und besonders der Gitarrist liefert mit seinen beachtlich hohen Sprüngen die vielleicht athletischste Performance des Wochenendes ab, während die Fans vor der Bühne - samt fliegendem Konfetti, Seifenblasen und erhobenen Klobürsten (kein Scherz!) - dazu einen Circle-Pit-Marathon starten. Natürlich kann man das alles eher befremdlich bis albern finden, man muss Jig-Ai allerdings zugestehen, handwerklich durchaus einiges auf dem Kasten zu haben.

Bei den folgenden HAVOK hält sich das Publikumsinteresse anfangs in Grenzen. Das amerikanische Quartett überzeugt mit seinem energisch explodierenden Thrash Metal jedoch dermaßen, dass gegen Ende des Auftritts dann doch noch so einige Schaulistige und Begeisterte den Blick gen Bühne werfen. Zwei, drei der eindringlichen Ansagen von Gitarrist/Shouter David Sanchez hat man bei einer Clubshow vergangene Woche zwar schon mal eins zu eins so gehört, was aber nichts daran ändert, dass tight rausgeschossene Knaller wie ´D.O.A.´ (inklusive Araya-Schrei!) oder ´Give Me Liberty Or Give Me Death´ ziemlich geil kommen.   

Furiose Thrash-Performance, Teil zwei: Die finnischen Jungspunde LOST SOCIETY setzen einen drauf, was das Stageacting angeht. Zwar wirken ihre Posen und Moves mitunter etwas einstudiert bzw. ein bisschen zu genau von einem Anthrax-Livevideo aus den Achtzigern abgeguckt, die Jungs geben dabei allerdings derart Gas, dass man Fünfe gerade sein lassen kann. Beim letzten Song, den Sangesknabe Samy nur noch mit einem Mikro bewaffnet anstatt mit Gitarre zum Besten gibt, hat man den Eindruck, dass die Band langsam, aber sicher ein bisschen aus der Puste kommt.  

Als Kontrast zur doppelten Thrash-Packung bremsen AHAB daraufhin das Tempo runter. Von ruhigen Parts mit Klargesang bis zu Doublebass-Ausbrüchen und Growls überzeugt die süddeutsche Doom-Szenegröße mit ihrem eigenständig-epischen Stil auf ganzer Linie. Wer im Vorfeld anzweifeln wollte, dass ihre teils von Meeres-Geräuschkulissen aus der Konserve eingeleiteten, stimmungsvollen Monumental-Songaufbauten auf einer großen Open-Air-Bühne im prallen Tageslicht funktionieren können, wird eines Besseren belehrt, denn hier passt einfach alles. Der größte Gänsehautmoment kommt allerdings, als Ahab den aufgelösten Instrumental-Lärmern Omega Massif zu Ehren deren ´Wölfe´ runterballern. Geil!

Als Nächstes stehen die kultigen Black-Metaller INQUISITION auf dem Plan, und der Andrang ist auch entsprechend groß. Es entbehrt nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik, wie die Zwei-Mann-Armee in Leder und Corpsepaint ihren Siegeszug antritt, denn Gitarrist und Krächzer Dagon wechselt seine Position zwischen zwei Mikroständern auch gerne schon mal im Schalentiergang, während sein Geknurre mitunter Kehlkopfmikro-artig klingt. Was jetzt aber auch nicht heißen soll, dass die Performance des wie sperrige Immortal rüberkommenden Duos irgendwie schlecht wäre. Im Gegenteil reißen die Blastbeat- und Doublebass-Parts mit gar nicht mal so unkomplizierten Wechseln ziemlich mit.

Es soll Leute geben, die ABORTED als Wegbereiter und Blaupausenlieferanten eher ungeliebter modernerer Auswüchse des extremen Metal verteufeln. Da ist einerseits was dran, andererseits ist ein Album wie das 2005er „The Archaic Abattoir“ dann aber doch zu facettenreich, um es in dieselbe Ecke wie diversen Deathcore-Stumpfsinn stellen zu wollen. Was den PSOA-Auftritt der Belgier betrifft, hat man im Laufe des bisherigen Wochenendes wohl auch schon Zwingenderes gesehen - für das, was es ist, geht die Nummer aber voll klar. Während ich mich frage, was genau eigentlich das seltsame Feedback-Fiepen verursachen mag, das im Laufe der Show wiederholt nervt, versucht ein Mitarbeiter von Aborteds Plattenfirma davon abzulenken, indem er mir immer wieder mit scherzhaften Bestechungsversuchen „Schreib später auf jeden Fall, sie haben nur Hits gespielt!“ ins Ohr zischelt. Nun ja...

Als Vertreter der alten Schule wiederum schicken sich folgend BENEDICTION an, die Punk-Wurzeln des britischen Death Metal zu demonstrieren. Während die Altherrentruppe gelegentlich durch Crust-lastige Gefilde bollert, in denen vor allem Basser Frank Healy aufzugehen scheint, wird - wenig überraschend - mit ´Unfound Mortality´ die Ankündigung eines Songs vom ´93er Meilenstein „Transcend The Rubicon“ von der Crowd am meisten bejubelt. (sd)

In der Regel ist auf MISERY INDEX Verlass: Wo der Baltimore-Vierer aufschlägt, legt er zuverlässig seine Umgebung in Schutt und Asche. Die Messlatte liegt also hoch, übersprungen wird sie von Bandleader Jason Netherton und seinen Jungs am heutigen Nachmittag allerdings nicht. Im Gepäck haben sie ihr neues Death/Grind-Geschoss „The Killing Gods“, neben neuem Material wie ´Conjuring The Cull´ dürfen Klassiker wie der Rausschmeißer ´Traitors´ nicht fehlen, doch insgesamt agiert das Quartett etwas statisch. Ist aber auch warm unter den teilweise dicken Bärten.

Die Hitze des Tages scheint generell ihren Tribut zu fordern, denn bei REPULSION hat sich der Platz vor der Bühne merklich geleert. Wer jetzt ein Päuschen einlegt, verpasst allerdings einen supercharmanten, herrlich rumpeligen Einsatz der Death-Metal- und Grindcore-Veteranen. Anno dunnemals, also 1986, galten Repulsion mit dem Demo „Slaughter Of The Innocent“ (das drei Jahre später unter dem Namen „Horrified“ als offizielles Album veröffentlicht wurde) als Mitbegründer des Genres, zu einem weiteren Longplayer hat es nie gereicht. Die Experten vor der Bühne feiern geschichtsträchtige Nummern wie ´Six Feet Under´, ´Black Breath´, ´Maggots In Your Coffin´ oder ´Horrified´ ab, dazu gesellt sich u.a. mit ´Schizo´ ein Venom-Cover.

Bei THE HAUNTED steht mal wieder alles auf Anfang: Nach dem Ausstieg von Peter Dolving, Anders Björler und Per Möller Jensen hätte sich die Band beinahe aufgelöst, jetzt sind Sänger Marco Aro sowie Drummer Adrian Erlandsson WIEDER und Ola Englund (der von Six Feet Under) NEU dabei. Sitzfleisch haben Patrik Jensen und Jonas Björler bewiesen, sie sind durch alle Besetzungswechsel hindurch an Bord geblieben. Der Titel des neuen Albums „Exit Wounds“ ist unter diesen Umständen wohl selbsterklärend. Live ist heute alles ganz einfach: rausgehen und die Sau freilassen - wenn auch vor relativ kleinem Publikum. Kante Marco Aro zeigt sich top motiviert und macht ordentlich Kilometer auf der Bühne, dazu gibt es Rauch- und Flammengedöns, und was Melodisches im Göteborg-Stil geht jetzt zur Abwechslung gut in den Kopf.

Die goldene Ananas als Rampensau des Tages geht allerdings glasklar an Frank Mullen von SUFFOCATION - an wen auch sonst. Bei der Autogrammstunde signierten die New Yorker Extrem-Metaller noch handzahm türkisfarbene BHs, nun beginnt das Unternehmen Total-Abriss. Der mächtige Pit arbeitet fleißig mit, das Knirschen der zu Boden gegangenen Sonnenbrillen wird übertönt vom Zerstörer-Dreiakter ´Catatonia´, ´Effigy Of The Forgotten´ und ´Pierced From Within´. Zwischendurch findet Energiebündel Mullen die Zeit, seinen Hang zu bizarren Ansagen einmal mehr voll auszuleben. „Party.Sääääään“, kräht er mit einem diabolischen Grinsen im Gesicht, bevor er mit einem kumpeligen „my friends“ seine Ausführungen zu Gott und der Welt einleitet. Weiter geht´s mit ´As Grace Descend´, ´Breeding The Spawn´, ´Funeral Inception´, ´Liege Of Inveracity´ und ´Dismal Dream´, bevor es am Ende heißt: ab in die Gruft, Omma ein Küsschen geben (O-Ton Mullen) und dann zu ´Infecting The Crypts´ amtlich abschädeln. In dieser Form ein Highlight.

Mit der Gruft-Party können sich MARDUK naturgemäß bestens anfreunden, insbesondere Fronter Mortuus mit seiner imposanten Präsenz trägt seinen schönsten Shabby-Look zur Schau. Nach der vorangegangenen Überdosis Energie ist jetzt ein blasphemisches Inferno angesagt: Feuer, Licht und Nebelschwaden sorgen für das passende finstere Ambiente für eine 45-minütige Reise durch die schon über 20 Jahre währende Karriere. Es ist eh frisch geworden, mit ihrem eiskalten, rasenden skandinavischen Riffing tragen die Höllenfürsten ihr Übriges dazu bei, dass man schnell in die Jacke schlüpft. Trotzdem verfestigt sich hier und auch bei den nachfolgenden Satyricon der Eindruck, dass - zumindest auf der Bühne - den Granden des Black Metal mittlerweile gegenüber dem aufstrebenden Nachwuchs der letzte Schuss Wahnsinn fehlt. Wenn es um das Zelebrieren dunkler Mächte geht, steht die nächste Generation ihren Vorgängern in nichts nach.

Noch mehr Kunstnebel verhüllt die Bühne, als SATYRICON mit ´Now, Diabolical´ in den Set starten. Die Lichtshow ist fett, ansonsten wird auf Brimborium verzichtet. Satyr präsentiert sich hinter seinem Dreizack-Mikroständer fit und als routiniert-zurückhaltender Frontmann, und das Songmaterial des norwegischen Duos ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Spätestens beim Doppelschlag ´Mother North´ - Über-Hymne bleibt Über-Hymne - und ´K.I.N.G.´ steht keiner mehr still. (kp)

Samstag

Schon seit der Jahrtausendwende retro-thrashen, aber immer noch nicht zu den Tightesten gehören... Oder erwecken NOCTURNAL diesen Eindruck, weil der böige Wind den Sound verweht? In jedem Fall ist die Mainzer Truppe als Opener prima auf dem Party.San aufgehoben und hat mit Tyrannizer eben auch ein Alleinstellungsmerkmal in petto, denn die Frontfrau schreit markant gegen die Gleichförmigkeit des Songmaterials an. Spannender als der Dilettantismus vom Vortag an selber Stelle ist das Ganze zudem auch, und wenn das Publikum deswegen allmählich aus seinen Löchern kriecht, wird der Zweck erfüllt.

Von vertonten Patronengurten blenden MUMAKIL über zur vertonten Apokalypse, und das ist gut so, denn wenn Grindcore genau danach klingt, ist er unschlagbar. Die Schweizer sind zwar kein Nasum-Ersatz, verursachen aber ein mittelschweres Erdbeben, und wer noch mehr Floskeln hören will, fügt solche wie „viehisch“ oder „kathartisch“ hinzu. Ersteres passt auch auf Brüllberg Thomas, der die kurzen Eruptionen der bewegungsarmen Instrumentalisten mit seiner kugeligen Form ins Rollen bringt wie kaltes Magma. Relapse als verantwortliches Label sollten diese Band pushen, statt die zigste Sludge-Truppe zu hypen.
Prima Stichwort: Auch um EREB ALTOR macht man hier und dort viel Rummel, doch Fakt bleibt: Die Schweden sind in gleicher Weise eine Bathory-Tributband mit blutarmen Songs, wie Isole, aus denen die Gruppe immerhin zu drei Vierteln besteht, Candlemass auf niedrigem Niveau nacheifern. Davon zeugt auch das Auftreten von Ragnar & Co. vor deutlich vollerem Rund: Die Stimme des Sängers ist gerade während klarer Parts ausdrucksarm, Quorthons ´Blood Fire Death´ der beste Song im Set und die rot-schwarze Optik ein Wink mit dem Zaunpfahl. Was auf Alben zu glatt klingt, wirkt live zwar roher und macht etwa fünf Minuten lang Spaß, ist aber uninteressant, weil weder so mies wie Varg noch so überkandidelt wie Turisas.

Wenn jemand wie Martin Missy die alte Schule wieder aufmacht, lernt man mehr als noch zur ersten Unterrichtsstunde dieses Samstags, selbst wenn PROTECTOR auch auf ihrem zweiten Bildungsweg nach dem Modell Schweden (wo die Mitglieder leben/geboren sind) kein Klassenprimus sind. „Golem“ oder „A Shedding Of Skin“ allerdings, deren Titelstücke die Band neben weiterem alten wie neuen Stoff bringt, haben seit der Hochphase des teutonischen Thrash überraschend wenig Staub angesetzt und nehmen auch deshalb für die Gruppe ein, weil die graue Eminenz an ihrer Spitze so charmant rüpelt, wie es nur wenige Jungspunde auf ähnlich glaubwürdige Weise hinkriegen.

IMPERIUM DEKADENZ muten hinterher ungleich behäbiger und etwas steif an, vielleicht auch wegen ihres bemühten Spagats zwischen mehreren Lesarten von Black Metal, ob episch oder urwüchsig. Andererseits stinken ihre Stücke auch im Midtempo nicht und erscheinen trotz althergebracht pathetischer Bildersprache nie prätentiös, was gerade in der deutschen Szene etwas heißen will. Die Köpfe Horaz und Vespasian prägen das Geschehen auf der Bühne aber genauso wenig wie die Vargsheim-Musiker, von denen sie live verstärkt gewohnheitsmäßig werden, weshalb man in der neuerlichen Hitze anderswo Schatten sucht, so man nicht gerade zu den Hardlinern im Pulk gehört.

Dass es in der stilistischen Nachbarschaft der Baden-Württemberger weitaus schmissiger zugehen kann, demonstrieren KAMPFAR im Anschluss eindrucksvoll. Die Rückkehrer (2008 noch in Bad Berka dabei) tragen ihrem aktuellen Spitzenalbum „Djevelmakt“ Rechnung (´Mylder´, ´Swarm Norvegicus´, ´Our Hounds, Our Legion´), und Strippenzieher Dolk ist eine sympathische Rampensau, während Neuling Ole als einziger Gitarrist ein schweres Brett hinlegt. Dass die Norweger mit beiden Beinen im Leben stehen und selbiges auch bejahen, wie sie in Interviews betonen, spürt man live besonders gut, so dass sie wie nebenbei einen der Höhepunkte des Wochenendes markieren.

Das schaffen MALEVOLENT CREATION danach nicht, auch wenn sich eine Institution die Butter nicht einfach so vom Brot nehmen lässt. Der Zahn der Zeit hat es gut mit dem Death Metal des Quintetts gemeint, zumal die Performance stimmt, ohne dass man die Musiker gleich als Musterschwiegersöhne ins Herz schließen möchte. Da die Band seit ungefähr 2009 wieder in gefestigter Besetzung spielt, entsteht ein relativ geschlossener Eindruck mit den erwarteten Glanzlichtern aus der „Retribution“-Phase. (as)

Man vergisst das manchmal: AURA NOIR existieren bereits seit 1993, haben u.a. schon fünf Alben zu verantworten und gehören damit zu den Wegbereitern des aktuellen Black-Thrash-Hypes, der Besitzer von Ketzer-Vinyl oder Cruel-Force-Patches zu reichen Leuten macht. (Sind eBay-Bieterkriege auf pseudolimitierten Krempel eigentlich Underground?) Hier in Schlotheim reicht das Standing der Osloer immerhin zu einem Slot in der oberen Hälfte des Samstags-Billings, und die Rabauken, angeblich „the ugliest band in the world“ (Magnum atmen auf!), erfüllen die Erwartungen durchaus. Das räudige Auftreten Aggressors an vorderster Front passt, der Sound lässt gerade das erkennen, was man erkennen muss. Abwechslung? Nun ja. Ein paar in die Fresse sind halt ein paar in die Fresse.

GRAND MAGUS habe ich erst vor zwei Wochen auf dem Headbanger´s Open Air gesehen, hier in Thüringen gehören die Schweden, bei denen zwischen Classic Rock und Classic Metal der Doom nur noch eine stark untergeordnete Rolle spielt, zu den Exoten. Frontmann JB, neuerdings ohne Bart, wirkt heute von Beginn an anwesender, die Setlist ist aufgrund der Kürze der Zeit gestraffter - und damit voller Höhepunkte. Atlantean-Kodex-Gitarrist Michael Koch zieht es in seinem Eliminator-Shirt schon beim zweiten Song vor die Bühne, die Resonanzen sind generell gut (auch wenn es nicht sonderlich voll ist). Die großen Hits folgen natürlich einmal mehr hinten raus: ´Triumph And Power´ und ´Steel Versus Steel´ befriedigen alle Die-hards, und bei ´Hammer Of The North´ schmettert sogar Kollegin Pfeifle die mächtigen Chöre mit - obwohl sie noch NICHT am Brutz-&-Brakel-Stand war. (Sagt sie zumindest.)

NAPALM DEATH-Basser Shane Embury legt in der Kabine hinter mir erst mal pfeifend (!) ein Ei, als ich kurz vor der Show der Briten im Backstage hinter dem Rock-Hard-Stand noch mal, ähem, Wasser lasse. Zum dünnen Hering macht diese Erleichterung den Kräuselkopp nicht, aber er geht auf der Bühne danach immerhin ab wie ´n Zäpfchen. Blickfang ist allerdings einmal mehr Super-Frontmann Barney Greenway, der sich durch ´ne Dreiviertelstunde politisch-gesellschaftlich motivierte Grindcore-Geschichte zappelt und gar nicht daran denkt, zwischen den Eruptionen den Mund zu halten. (Man versteht mal wieder nur die Hälfte.) Beim Abschluss ´Nazi Punks Fuck Off´ brechen alle Dämme: Der Pit wird NOCH größer, die Stimmen NOCH lauter, und Visions-In-Fear-Chef und Szene-Urgestein Oliver „Bomber“ Barth haut nicht nur mir vor Begeisterung die Arme zu Brei, sondern auch Century-Media-A&R Jens Prüter. Der passionierte Kappenträger braucht danach erst mal ein großes Bier.

Vor allem nach Barney stinkt (der megasympathische!) Jonas Renkse in Sachen Charisma erwartungsgemäß ab, seine Ansagen sind wie immer eher verhuscht und sinnentleert („Wie geht´s euch?“, „Uns geht´s subba!“, „Seid ihr froh, hier zu sein?“ und so). KATATONIA machen trotzdem Spaß. Das liegt zum einen an der einsetzenden Dunkelheit, die die Melancho-Hymnen der Schweden genial unterstützt, zum anderen an der feinen Setlist: Die erste halbe Stunde ist ein (ziemlich knackig gespieltes) Best-of-Programm, und am Ende lässt man sich nicht lumpen. Hier an dieser Stelle „Dance Of December Souls“ und „Brave Murder Day“ (´Murder´!) Tribut zu zollen, ist genau die richtige Entscheidung, das Auditorium nimmt das Ganze dankbar auf, die Growls sitzen immer noch. Ganz im Ernst: Wie gut die Band schon zu ihren Anfangszeiten war, sollte man nicht vergessen!

Von den Großen ihrer Zeit (Morbid Angel, Death, Entombed, Dismember, Deicide, Cannibal Corpse...) waren OBITUARY immer die Band, die mich am wenigsten interessiert hat - keine Ahnung, warum. Dementsprechend hält sich meine Begeisterung vor der Show der Amis in Grenzen (obwohl der Gig beim Rock Hard Festival amtlich war). Aber siehe und höre da: John Tardy und seine Sidekicks fräsen einem bei unglaublicher Tightness und dem wahrscheinlich besten Sound des ganzen Wochenendes (laut, klar und heavy) schon nach drei Minuten ein zweites Loch in den Arsch und pfeffern danach einen Genre-Hit nach dem nächsten (und einen Vorgeschmack aufs im Oktober erscheinende „Inked In Blood“) in die geifernde Meute. Ich krame jetzt jedenfalls erst mal meine olle ´89er „Slowly We Rot“-CD raus.

KREATOR sind als Abschluss des diesjährigen PSOA der gemeinsame Nenner aller Anwesenden, dementsprechend voll ist es, als sie die fett dekorierte, tendenziell in Rot-Tönen gehaltene Bühne entern. Mille hat seine Ansagen tatsächlich ein Stück weit modifiziert, und auch die gut durchmischte Setlist, in der die Schoten seit „Violent Revolution“ mittlerweile beinahe genauso gut funktionieren wie legendäres Altmetall, macht Spaß. Geil auch die Effekte: Die Pyros knallen ordentlich, der über das halbe Gelände wabernde Nebel sorgt für Atmosphäre, und die zwei Typen (man sagt, es seien Merchandiser Stoney und Ventors Sohn), die irgendwann die Podeste entern, um in Sturmhauben Bengalos abzufackeln, wirken verdammt böse und beeindruckend, auch wenn man währenddessen irgendeinen „Spaßvogel“ bierselig nach ´Mexico´ schreien hört. (Ja, ich schäme mich.) Den späten Rauswerfer macht schließlich wie immer das Doppelpack ´Flag Of Hate/Tormentor´, und man weiß einmal mehr: Kreator sind die Besten. (bk)

Auf dem Party.San holten sich die eine oder andere Schelle ab: Boris Kaiser (bk), Gretha Breuer (gb), Katharina Pfeifle (kp), Sebastian Schilling (ses), Andreas Schiffmann (as), Simon Dümpelmann (sd) und Meredith Schmiedeskamp (mes).


DIE ZELTBÜHNE

Freitag

Nachdem das Partyzelt zwei Tage lang nur als zentrale Bieranlaufstelle und Luftgitarrenbühne herhalten musste, eröffnen die Exil-Brasilianer INCARCERATION das Live-Geschehen auf der Underground-Stage. Das Trio sägt sich eine fetzige Mixtur aus Thrash, Death und Crust zurecht und kennt neben wenigen groovigen Mosh-Parts hauptsächlich Uffta-Uptempo samt Quietschesoli. Gitarrist/Sänger Daniel Silva ist ein glaubwürdiger Metal-Maniac, aber mir gehen die geschrienen Ansagen zwischen den Songs ziemlich auf den Sack.

Danach beackern die im benachbarten Jena ansässigen ROGASH das ebenso technisch austauschbare wie konventionelle Prügel-Death-Feld. Trotzdem passt der Fünfer zur regionalen Underground-Verbundenheit des Festivals, was an ihrer traditionellen musikalischen Ausrichtung und nicht zuletzt an den lockeren Ansagen im Thüringer Dialekt liegt.

Obwohl sie für meinen Geschmack die spannenderen Songs am Start haben und ihr Tieftöner für den ausgefallenen Sänger mal eben zusätzlich die Vocals übernimmt, müssen SPHERON sich vor merklich weniger Publikum beweisen. Der technische Death Metal des Ludwigshafener Vierers überzeugt live mit abwechslungsreichen Songs und synchron frickelnden Saiten-Instrumentalisten. Abgesehen vom pappigen Drumsound gibt´s also nix zu meckern. Teilweise kollidiert ihre Spielzeit allerdings mit Misery Index, die parallel die Mainstage zerkleinern und dieselbe Zielgruppe ansprechen.

CARNAL GHOUL sind trotz Bandgründung im vergangenen Jahr kein wirklicher Underground. XL-Gitarrist Daniel Jakobi (Milking The Goatmachine, ex-Lay-Down-Rotten) und Schlagzeuger Stefan Hüskens (Desaster, Asphyx) haben sich auf ihrer neuen Spielwiese für dröhnenden Slamdeath zusammengetan, der live simpel, aber effektiv Arsch tritt.

Auf schwitzigen Party-Death-Metal folgt melodischer Black/Death aus Bayern. THULCANDRA sind nicht erst seit gestern für ihren Dissection-lastigen Sound bekannt und ziehen eine kurzweilige Show vom Leder, die mächtig Bock aufs kommende Album macht. Flankiert von einer Handvoll treibender Hymnen der ersten beiden Scheiben, schafft es auch ein neuer, erstaunlich schleppend und Melodeath-lastiger Track in den Live-Set. Bonus-Sympathiepunkte sammelt die Band durch Steffen Kummerers Dank an alle Fans und die Party.San-Crew: „Danke, dass wir in diesem Jahr hier spielen durften. Wir sind vor ein paar Jahren als Besucher genauso beim Zelten abgesoffen.“ (Er meint das „Matsch-Party.San“ von 2010, dem letzten Jahr in Bad Berka.) (mes)

Samstag

Für Frühaufsteher und Unentwegte spielen CASHLEY bereits ab zehn Uhr auf der Tent Stage. Die Berliner drehen altbekannte Rock- und Country-Hits durch die Rockabilly-Mangel. Das kann grundsätzlich unterhalten, aber der ewiggleiche verwaschene Offbeat trägt nicht über die lange Spieldauer bis mittags.
Am späten Nachmittag nehmen die jungen Chemnitzer ABYSSOUS die Zeltbühne in Besitz. Bassist Deathtrader hat sich noch mehr Hall auf den Gesang legen lassen als auf der nur als Vinyl erhältlichen Veröffentlichung „...Smouldering“. Was vom Plattenteller als tiefe Verneigung vor frühestem Florida-Death großen Spaß macht, leidet live unter dem verwaschenen Sound.

Die bereits bekannteren ARROGANZ schleudern ihren Blackened Death anschließend ins etwas lockerer gefüllte Zelt. Die Cottbuser hätten Dreck und Räudigkeit gern mit Löffeln gefressen, legen aber vor allem Wert auf Eingängigkeit. Und es funktioniert: Das Publikum ahmt die zum treibenden Midtempo rhythmisch geschwungene Faust nach. Zum Rumpel-Rhythmus mit repetitivem Riffing und Growls, die in kehlige Screams abgleiten, kommt der eine oder andere ins Bangen. Mit dem bandtypischen Titelstück vom aktuellen 2013er Album, ´kaos.kult.kreation´, beschließen Arroganz ihren Set.

Während auf der Main Stage noch Aura Noir abräumen, betreten BEYOND die Tent Stage. Inmitten atemloser Raserei bleibt vom Gesang fast nur hallender Growl-Nachklang. Was wohl unheilvolle Atmosphäre heraufbeschwören soll, wirkt zumeist verwaschen, und auch reingedengelte Soli gehen live schlicht unter. Der Anspruch, old-schoolig und technisch zu klingen, wird offenbar in die Old-School-Richtung soundmäßig übertrieben, und das Songwriting wird der Technik untergeordnet. Kollege Schilling spricht gar von einer „vertonten Zwangshandlung“.

Bedeutend stimmiger agieren UNLIGHT. Ihr klassischer Black Metal orientiert sich Richtung Schweden. Nachdem der Sound eingepegelt wurde und auch die Snare nicht mehr so keksdosig klingt wie am Vortag bei Repulsion, bleibt das Auftreten im Bühnennebel zwar statisch, aber allein die sauber und selbstverständlich performten Songs überzeugen. Als Bonus gibt es genregemäßes Corpsepaint, ergänzt um ein DIY-Stachelarmband, wie man es auch bei Nifelheim bestaunen kann. Kurzdialog im Publikum: „Schön in die Fresse.“ - „Aber ganz entspannt.“ Auch ´Sulphurblooded´, der 2010er Titeltrack, löst dies ein mit andauernden Screams, eingängigen Melodien, garstigem Blast und treibendem Midtempo.

Zum guten Schluss wird es im Zelt schlicht magisch. Dafür sorgen die beiden Schweizer mit dem seltsamen Namen BÖLZER, der für rücksichtslose Kraftausübung steht. Und um diese musikalische Kraft zu erfahren, muss man sich gar nicht Kräften und Mächten ausgesetzt fühlen oder vermehrt über die Bedeutung und Wirkung des Sonnenrades und der Wolfsangel nachdenken, wie es der bärtige Sänger und Gitarrist Okoi „KzR” Jones offenbar macht. Nach dem obligatorischen Soundbrei-Auftakt ist seine zehnsaitige Gitarre im Klangbild mit Drums und bellenden Growls dort, wo sie hingehört. Die Unheilatmosphäre, die die Bands zuvor nur herbeigewünscht haben, steht nun im Raum, und zwar in Form des Bölzer-Sounds mit dem kraftvollen Flirren der Gitarre. Aufmerksame Zuhörer und energische Banger bevölkern in großer Zahl das Zelt und brechen nach dem ersten Song in Jubel aus. Das ausdauernde Bangen wächst sich weiter aus, viele geben sich einer regelrechten Trance hin. Beim Über-Hit ´Entranced By The Wolfshook´ tobt die Menge regelrecht, bis KzR und HzR sich mit einem schlichten „Danke schön!“ verabschieden. Überragender Zelt-Headliner! (gb)


RANDNOTIZEN

Zur Party.San-Experience gehört die Fahrt durch Kallmerode, in einigen Kreisen auch „das Wutbürgerdorf“ genannt, regelrecht dazu - zumindest, wenn man aus westlicher Richtung anreist. Wieder mal weisen auf dem Weg Richtung Festival großformatige Schilder vor und an Häusern mit Aufschriften wie u.a. „Clan Der Unchristlichen“ oder „Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“ darauf hin, dass die Kallmeroder ihre Ortsumgehungsstraße noch immer nicht bekommen haben. Wir sind gespannt, ob der Weg nächstes Jahr über eine solche führt oder ob wir in eurem Dorf wieder direkte Botschaften an die Bundeskanzlerin zu lesen bekommen, liebe Kallmeroder! (sd)
 
Ein Debüt der fragwürdigen Art gab dieses Jahr ein Flugabwehrgeschütz aus NVA-Beständen samt Luftalarmsirene, die beide auf einem Podest links neben der Bühne aufgebaut wurden. Mit einem Schuss und dem Alarm wurde der erste Tag eingeleitet. Einerseits eine nette Idee, andererseits angesichts der zahlreichen real stattfindenden Kriege mit fadem Beigeschmack versehen. (ses)
 
Johan Jansson, der neben Nico Elgstrand als Gitarrist mit ENTOMBED A.D. auf der Bühne stand, war vor dem Auftritt ein wenig nervös, obwohl auch er ein Urgestein im schwedischen Death Metal ist. U.a. ehemals bei Centinex und Demonical dabei, aktuell bei Interment, Moondark, Regurgitate und Parasit, ging ihm dennoch die Muffe: »Es fühlt sich an, wie in einer Entombed-Coverband zu spielen.« Das Publikum fraß den Schweden dennoch aus der Hand. (gb)

Pimp my Scheißhaus! Originellste Neuerung auf dem Zeltplatz waren dieses Jahr die erweiterten Spültoiletten-Container, die mit Vogelgezwitscher beschallt und optisch mit Schwarzlicht (Männlein) oder Rosa-Licht (Weiblein) aufgehübscht wurden. Da sich die Kabinentüren jedoch nur beim fliegenden Wechsel der „Geschäftskandidaten“ kurz öffneten, war das stickig-sonnenbegünstigte Aroma im Innenbereich die größte olfaktorische Herausforderung des Festivals. (mes)

Als am Samstag ein Teil der Rock-Hard-Mannschaft aufs Gelände fuhr, wurde Fahrer und Standbetreuer Stefan „Etsche“ Etscheid von einem freundlichen Security-Mann gefragt, ob er derjenige sei, der am Vorabend seinen Autoschlüssel verloren habe. War wohl auch noch nicht ganz wach, der Gute... (ses)

Etsche freute sich übrigens besonders auf das Wiedersehen mit NOCTURNAL, zumal die Truppe bei ihrer Autogrammstunde im Rahmen des diesjährigen Rock-Hard-Festivals vor zwei Monaten geschlossen Eindruck als „sehr betrunken und sehr sympathisch“ hinterlassen hatte. Interessanterweise war der allgemeine Unterschriftensammler-Andrang bei besagter Kapelle dann auch schon früh am Tag sehr viel größer als der bei vielen noch folgenden Bands des Samstagsprogramms. Böse Zungen behaupteten daraufhin natürlich gleich, dass dies vermutlich eher auf die Attraktivität von Frontdame Tyrannizer zurückzuführen sei als auf die musikalische Qualität ihres Teutonen-Thrash. (sd)

Der mit eher zweifelhaftem Ruf gesegnete MALEVOLENT CREATION-Kopf Phil Fasciana zeigte sich am sonntäglichen Frühstücksbuffet als umgänglicher Typ, der über das dunkle Brot staunte und bloß keine Diätbutter essen wollte, während sein Sänger Brett Hoffman die Bedienungen mit deftigem Redneck-Englisch verstörte und seine Stimmbänder lautstark von Schleim befreite. Den hustete er aber zum Glück ins Grünzeug vor dem Hotel. (as)

Rock-Hard-Mitarbeiter Simon, ähem, Dünkelmann möchte am Party.San-Wochenende 2015 unbedingt Tennis spielen und sucht noch Gegner. Interessierte erwartet er am zweiten August-Wochenende im kommenden Jahr im Sporthotel Mühlhausen. (gb)

Pics: Andreas Schiffmann

Bands:
KATATONIA
ENTOMBED A.D.
GRAVE
SÒLSTAFIR
MARDUK
NAPALM DEATH
WATAIN
OBITUARY
SATYRICON
KREATOR
THE HAUNTED
SUFFOCATION
Autor:
Katharina Pfeifle
Andreas Schiffmann
Boris Kaiser
Meredith Schmiedeskamp
Simon Dümpelmann
Sebastian Schilling
Gretha Breuer

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