Review

Reviews 8.0
Death Metal Heavy Metal

ARCH ENEMY

Deceivers

Label: Century Media/Sony
Dauer: 45:06
Erscheinungsdatum: 12.08.22
Ausgabe: RH 422

In einer Zeit, in der extremer Metal von so vielen Menschen wie noch nie zuvor wahrgenommen und weitreichend geschätzt wird, sind ARCH ENEMY so etwas wie der Marvel-Blockbuster im überwucherten Underground-Arthouse-Dschungel. Im Szenekontext massenkompatibel und doch kompromisslos todesmetallisch, hat sich die seit 1995 aktive Melodic-Death-Institution längst an die Spitze der zukünftigen Headliner-Generation gespielt. Wer sich den elften Langspieler „Deceivers“ anhört, der versteht auch, warum. Die Stimmgewalt der als Nachfolgerin von Angela Gossow zur Band gestoßenen Kanadierin Alissa White-Gluz verhalf ARCH ENEMY schon 2014 zu einem raketenartigen Popularitätsschub und offenbart seither auf jedem Album neue Facetten. Zudem verleiht das göttliche Zusammenspiel des Gitarrenduos Michael Amott/Jeff Loomis den Songs eine virtuose Klasse, die ihresgleichen sucht. Von den Brutalo-Anfängen mit Kult-Shouter Johan Liiva hat sich das schwedisch-kanadisch-amerikanische Kollektiv mittlerweile zwar recht weit entfernt, die Qualitäten sind dafür aber an anderen Stellen zu finden: Das flott nach vorne rockende ´Handshake With Hell´ entpuppt sich gleich zu Beginn als perfekte Stadion-Hymne, bei der Alissa ihre stimmliche Bandbreite zur Schau stellen und nach ´Reason To Believe´ erneut mit Klargesang glänzen kann. ´Deceiver, Deceiver´ besinnt sich hingegen auf die wutschnaubenden Punk/Hardcore-Wurzeln der Combo, während der hochmelodische Thrash-Bolzen ´The Watcher´ einen Ausflug in die Bay Area unternimmt (Death Angel lassen grüßen). Das apokalyptisch-donnernde ´Sunset Over The Empire´ und ´Spreading Black Wings´ zeigen ARCH ENEMY wiederum von ihrer epischsten Seite. Im direkten Vergleich fehlen „Deceivers“ zwar mancherorts die großen Refrains und zwingenden Melodien (´In The Eye Of The Storm´, ´Poisoned Arrow´, ´One Last Time´), um in die Sphären von „War Eternal“ und „Will To Power“ vorzustoßen, der gigantischen Erfolgswelle der Band sollte das aber keinen Abbruch tun.

Autor:
Simon Bauer

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