ReviewAlbum

Band
STOMPER 98 
Kategorie
Album 
Heft
RH #372 
Titel
Althergebracht 
Erscheinungsjahr
2018 
Note
8.5 

Contra/Edel (42:50)
Nachdem Sebastian Walkenhorst erst kürzlich mit seinem Metal-meets-Hardcore-Sidekick Übergang durchaus erfolgreich fremdgegangen ist, widmet sich die Frontglatze von Deutschland bekanntester Oi!-Kapelle endlich wieder ihrem Erstgeborenen. Aus gutem Grund, feiert die deutsch-amerikanische Freundschaft - mit Drummer Phil Templar und Rancid-Gitarrist Lars Frederiksen zocken mittlerweile zwei Amis bei dem Sextett - mit dem herrlichen Titel „Althergebracht“ dieser Tage doch ihren 20. Geburtstag. Dabei haben STOMPER 98 weder Kosten noch Mühen gescheut, um ihr sechstes Studioalbum in Berlin und Berkeley, Kalifornien, unter der Leitung von Grammy-Gewinner und Big-Name-Producer/Engineer Michael Rosen (u.a. Papa Roach, Santana) aufzunehmen. Das Resultat - „klar, hart und trotzdem sehr klassisch dreckig“ (O-Ton S98) - kann sich demzufolge hören lassen, und dass die fiesen Vocals von Sebi in puncto Stimme und Phrasierung manchmal an Kevin Russell erinnern, macht „Althergebracht“ u.a. auch für all jene Onkelz-Fans interessant, denen die letzten Scheiben der Frankfurter Millionenseller zu glatt bzw. kommerziell waren. Hört mal in flotte, von Saxophon-Klängen flankierte Hymnen wie ´Skinhead´, ´Wir folgen den Rufen´, ´Nichts ist für immer´, ´Für den Augenblick´ oder ´Die Todgeweihten grüßen euch´ rein, und ihr wisst, was ich meine. Kurzum: In der Schnittmenge von Deutschrock/-punk, Oi! und Ska spielen STOMPER 98 endgültig in der Champions-Pogo-League.


3 Fragen an STOMPER 98-Sänger Sebastian Walkenhorst:

Wieso habt ihr nicht gleich das komplette Album in Kalifornien unter der Leitung von Michael Rosen eingespielt, sondern nur Schlagzeug und Gitarren - und wie konntet ihr das finanziell stemmen?

»Wie wir das bezahlt haben, frage ich mich im Nachhinein selbst (lacht). Da wir alles selber stemmen und die Platte an Contra Records für Europa und ein US-Label für Übersee lizensiert haben, floss alles, was durch Konzerte, Merchandise, Plattenverkäufe usw. in den letzten zwei Jahren reinkam, in die Platte. Und darüber hinaus haben wir auch privates Geld in die Hand genommen, um alles wirklich so zu machen, wie wir es wollten. Die Basics und den Mix haben wir mit Michael Rosen gemacht. Dadurch entstand der Grundsound des Albums, und der war uns sehr wichtig. Klar, hart und trotzdem sehr klassisch dreckig. Diese modernen Produktionen, wo alles so klinisch sauber klingt, kann ich mir nicht anhören. Da spüre ich beim Hören nichts außer Langeweile. Gerade in Deutschland gibt es Dutzende Bands, die alle den gleichen Grundsound haben, und das kam für uns nicht in Frage. Leadgitarren, Vocals und Saxophon haben wir dann in Berlin aufgenommen. Die Texte entstanden um die Musik, und so habe ich dann die Scheibe in zweieinhalb Tagen eingesungen. Michael Rosen hat mit Lars und Tommi gemixt. Die gesamte Arbeitsweise war sehr angenehm und fokussiert. Das war früher nicht so, da lief es in der Regel sehr viel chaotischer ab.«

Für eine deutschsprachige Band seid ihr schon häufig im Ausland aufgetreten, darunter in Los Angeles, San Francisco, Boston, New York, London, Oslo, Paris, Athen, Barcelona, Göteborg, Prag, Wien, Moskau und Sankt Petersburg. In welchen Metropolen, in denen ihr noch nie gewesen seid, werdet ihr 2018 spielen, und wo wollt ihr unbedingt noch mal hin?

»Ich habe keine Ziele mit S98, damit meine ich, dass wir nicht sagen „Wir wollen jetzt mal da oder da spielen“. Die Band ist für mich Teil meines Lebens, und von Anfang an haben wir es so genommen, wie es gekommen ist. Dass wir international trotz der Sprachbarriere so viele Möglichkeiten haben, ist echt cool, aber selbst wenn es uns auf der nächsten Tour nach Wanne-Eickel und Bautzen verschlägt, ist das genauso ein Highlight wie andere Länder und Städte. So viel von der Welt zu sehen, ist eh der Hammer. Wenn es mal mit Südamerika oder Asien klappt, würde ich mich allerdings sehr freuen. Dort gibt es viele Kids, die unsere Band hören und unterstützen. Es gab schon häufig konkrete Angebote, aber so richtig verfolgt haben wir das noch nicht. Mal sehen, was die Zukunft bringt, wir haben ja noch Zeit in den nächsten 20 Jahren.«

Was der Höhepunkt in 20 Jahren STOMPER 98 und was der Tiefpunkt?

»Der absolute Tiefpunkt war erreicht, nachdem uns unser Gitarrist Flacke mitteilte, die Gitarre bei S98 an den Nagel zu hängen. Diese Hilflosigkeit, es nicht abwenden zu können, hat mich ganz schön abgefuckt. Höhepunkte gab es viele, u.a. die Show in Sankt Petersburg und das Zehn-Jahres-Konzert 2008 im Conne Island in Leipzig, aber auch der Gedanke, jetzt schon 20 Jahre mit diesem Haufen am Start zu sein.«


Uwe "Buffo" Schnädelbach 8.5

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