ReviewAlbum

Band
MICHAEL SCHENKER 
Kategorie
Album 
Heft
RH #359 
Titel
Michael Schenker Fest Live 
Erscheinungsjahr
2017 
Note

(inakustik)
Innerhalb kürzester Zeit lassen die beiden größten deutschen Gitarrenhelden ihre glorreiche Vergangenheit in Nippon wiederaufleben. Nachdem Uli Jon Roth an die „Tokyo Tapes“ mit den Scorpions erinnerte, erscheint nun das in der Tokyo International Forum Hall A (schrecklicher Name...) mitgeschnittene „Michael Schenker Fest“ mit den drei MSG-Sängern Gary Barden, Graham Bonnet und Robin McAuley, das es in diesem Sommer auch auf dem Bang Your Head zu sehen geben wird. Der Ablauf des Konzerts ist ansprechend umgesetzt. Eingeleitet werden die drei Showteile von den berühmten Schenker-Instrumentals ´Into The Arena´, ´Coast To Coast´ und ´Captain Nemo´. Den Beginn macht Gary Barden, dessen Auftritt in mehrerlei Hinsicht eine Reminiszenz an „One Night At Budokan“ wird. Barden macht seine Sache gut, ohne allzu viel Glanz zu verbreiten. So mancher Song der Frühwerke schleppt sich eher mühselig durch die Spielzeit, Herman Rarebell und Ted McKenna sind für meinen Geschmack zuweilen eine etwas ZU routinierte Rhythmus-Sektion mit nicht mehr ganz so kleinen Bäuchlein.
Graham Bonnet kommt zwar adrett im Michael-Douglas-Anzug mit Lederschlips und Jack-Nicholson-Sonnenbrille auf die Bühne, versprüht aber bei seinen drei Songs doppelt so viel Power wie sein Vorgänger. Das Showende inklusive der UFO-Klassiker ´Shoot Shoot´, ´Rock Bottom´ und ´Doctor Doctor´ bleibt dann Robin McAuley vorbehalten, der nach seinen Jahren mit Survivor die größte Bühnensouveränität ausstrahlt. An das dick aufgetragene Biker-Outfit des Iren mit Kettchen, Tattoos und angedeuteten Eisernen Kreuzen muss man sich allerdings erst mal gewöhnen.
So neugierig die Outfits und Gesangs-Performances der „Ehemaligen“ auch machen, man sollte nicht vergessen, dass der Hauptdarsteller hier MICHAEL SCHENKER heißt. Der zelebriert mit einer göttlichen Seelenruhe sein hochmelodisches Gitarrenspiel, als wäre das alles ganz einfach zu bewerkstelligen. Ist es aber natürlich nicht. Er hat den Ton, den andere gerne hätten. Der sehr gute Sound der DVD (Mix: Michael Voss) trägt dazu bei, dass man bis ganz zum Schluss dranbleibt. Was man lange nicht für möglich gehalten hatte: Schenker ist doch noch in Würde gereift. Chapeau!


Holger Stratmann

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