ReviewDynamit

Band
NECROS CHRISTOS 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #373 
Titel
Domedon Doxomedon 
Erscheinungsjahr
2018 
Note
8.5 

Sepulchral Voice/Soulfood (113:07)
„Endtyme Death Metal shall unfold. Forevermore. Amen.“ Auf der Suche nach „orthodoxen“ Genre-Beiträgen wird man heutzutage, trotz des Existierens so einiger karnevalistischer Pervertierungen (unangefochtener Tiefpunkt: Debauchery), ja fündiger denn je (Venenum, Degial, Dead Congregation, Grave Miasma, Sulphur Aeon, Vorum, Drowned, Sonne Adam, ca. 840 Dark-Descent-Bands), da können die Hauptstädter NECROS CHRISTOS (Story weiter vorne im Heft) ruhig noch einen draufsetzen: Ihrer „Altars Of Madness“-Huldigung mit angezogener Handbremse und weniger Hektik, die auch über lange Zeit keine Abnutzungserscheinungen erkennen lässt (bei einer Gesamtspielzeit von fast zwei Stunden!), stellen sie nachhaltiger denn je zahlreiche „Temples“ und „Gates“ an die Seite, die man zwar ignorieren kann (es schadet den „richtigen“ Songs nicht), die zusammengenommen aber nicht weniger interessant sind, denn sie zeugen von Frontmann Mors Dalos Ras großer Verbundenheit zur Berliner Schule und ergeben das vielleicht beste Album von Tangerine Dream, Klaus Schulze, Agitation Free oder vor allem Ash Ra Tempel, das die Vorreiter, fast alle noch aktiv, seit den großen Zeiten (1973/´74 war das meiste bereits gesagt) nicht aufgenommen haben. In beiden Bereichen, Death Metal und Ambient, lässt sich der Sänger und Gitarrist zusammen mit seiner Band, obwohl hier alles in gewisser Weise vollkommen „durchdacht“ ist, in erster Linie von der Intuition leiten, was die wirklich Großen von den Mitläufern unterscheidet, denn dafür muss man tatsächlich „verstanden“ haben, was man selbst macht, sich eine Art DNA angeeignet haben. Wenn es an „Domedon Doxomedon“, zudem angenehm durchdringend, dabei unaufdringlich produziert, überhaupt etwas auszusetzen gibt, dann die immer noch relativ zurückhaltende Streuung wirklich eingängiger, klar zu durchschauender Harmonien - aber das ist wahrscheinlich auch der permanenten, nötigen Ernsthaftigkeit dieses Brockens geschuldet.
Ja, „Domedon Doxomedon“ stellt das letzte Album NECROS CHRISTOS´ dar. Aber, Gott sei Dank, es ist ein Paukenschlag!


Boris Kaiser 8.5

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