ReviewDynamit

Band
ORPHANED LAND 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #369 
Titel
Unsung Prophets & Dead Messiahs 
Erscheinungsjahr
2018 
Note
8.0 

Century Media/Sony (54:08)
Junge, Junge, Junge. Ein Konzeptalbum über Plato und verkannte Revolutionäre, natürlich auch immer mit einem versteckten Hinweis auf die verworrene politische Situation im Nahen Osten: ORPHANED LAND fahren hier groß auf, auch musikalisch. Edelste Chöre und raumgreifende Orchester-Arrangements wurden von Meister-Mixer Jens Bogren gleichberechtigt zur Band aufgeschichtet, Gastbeiträge von Hansi Kürsch (Blind Guardian), Steve Hackett (ex-Genesis) und Tomas Lindberg (At The Gates), Sprachsamples und eine unendliche Anzahl verschiedener Stile von Death Metal bis zur orientalischen Musik eingebaut. „Unsung Prophets & Dead Messiahs“ ist eine Wundertüte für Fans, die mit dem Booklet auf den Knien ein Album 40 Mal hören und mit mathematischer Begeisterung jeden Winkelzug ausloten. Und warum auch nicht, wir haben ja Winter. Ein Meisterwerk des Prog Metal? Der achtminütige Einstieg ´The Cave´ liefert gleich eine Zusammenfassung der Platte. Zuckersüße Chöre treffen auf Death-Metal-Grunts. Die facettenreiche Komposition mit ihren feinen Tempowechseln kann was. Die nachfolgenden Titel sind kürzer, nicht weniger abwechslungsreich, wirken aber trotz einiger schöner Melodien mitunter unvollständig. Man wähnt sich bei der Aufführung eines Theaterstücks (siehe Moonspells „1755“), die Storyline gibt den Ton an. Aber Musik ist bekanntlich dann am besten, wenn die Melodien auch ohne großes Brimborium und intellektuellen Überbau auskommen. Wahrscheinlich wäre das sogar drin gewesen, aber die Stücke sind oft mit mehrstimmigen Arrangements, Effekten, immer wieder neuen Teilen und jeder Menge Kleinkram gnadenlos überladen, da kann die einzelne Performance noch so gut sein. ´Left Behind´, das getragene ´All Knowing Eye´ und die gute Single ´Like Orpheus´ liefern halbwegs gradliniges Kontrastprogramm, aber von der Durchschlagskraft von Nummern wie ´All Is One´ oder ´Brother´ ihres 2013er Meisterwerks sind ORPHANED LAND einiges entfernt. Natürlich ist „Unsung Prophets & Dead Messiahs“ allein aufgrund der orientalischen Melodien (in der Disziplin sind sie nun mal führend) und der enormen Vielschichtigkeit immer noch ein hörenswertes, hochoriginelles Album - aber nicht der angestrebte Befreiungsschlag, den „Israel´s finest“ so dringend nötig hätten.


Holger Stratmann 8.0

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