ReviewDynamit

Band
KVELERTAK 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #349 
Titel
Nattesferd 
Erscheinungsjahr
2016 
Note
8.0 

Roadrunner/Warner (47:05)
Am meisten nervt mich bei neuen Alben von KVELERTAK ja das popdiskursive Meta-Gelaber, das die Band auf ein Podest hebt, auf das sie gar nicht will, denn die Norweger sind zweifellos smarte Jungs, aber es ist ja nicht so, als hätten sie sich vor ein paar Jahren gesagt, jetzt mischen wir mal anrüchigen ollen Black Metal mit dem Tunten-Rock von Turbonegro und stürmen damit die Hörsäle, nein, sie fanden ihre letztgenannten Landsmänner, Mayhem, Darkthrone, Poison Idea, Gluecifer und meinetwegen auch Converge halt einfach geil, wahrscheinlich, weil man zu deren Gerumpel eben gut saufen, kiffen, daddeln oder abhängen kann - und der eigene Signature-Sound war nicht mehr als die logische Konsequenz. Auf ihrem nunmehr dritten Album machen KVELERTAK jetzt exakt da Halt, wo es nötig ist, bevor es - man nennt das so - zu „erwachsen“ wird. Dass die vorab ausgekoppelte erste Single ´1985´ in weiten Teilen der Hörerschaft auf nur wenig Gegenliebe gestoßen ist, lag dementsprechend wohl auch gar nicht an der lediglich partiellen Classic-Rock-Lastigkeit inklusive komplett geklauter Thin-Lizzy-Harmonien, sondern vor allem am ziemlich lauen Songwriting - ein „Fehler“, der sich auf „Nattesferd“ ansonsten nur selten wiederholt. Echt Langsames wie ´Ondskapens Galakse´ wird zwar auch nicht jeder tendenzielle Supporter goutieren, dafür schwingt die Band aber im Opener ´Dendrofil For Yggdrasil´, dem Titeltrack, ´Bronsegud´ oder ´Heksebrann´ auch an der Hookline-Front dermaßen gekonnt den Hammer, dass man letzten Endes wirklich lieber noch mal „Play“ drückt, als sich allzu offensiv zu fragen, ob die Skandinavier eigentlich zu NOCH mehr in der Lage wären. Und außerdem wissen wir ja eh: KVELERTAK sind nicht Jochen Distelmeyer. Hier muss es vor allem bumsen. (So oder so.)


Boris Kaiser 8.0

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