ReviewDynamit

Band
NAPALM DEATH 
Kategorie
Dynamit 
Heft
RH #298 
Titel
Utilitarian 
Erscheinungsjahr
2012 
Note
9.0 

Century Media/EMI (45:20)
Nicht nur die aktuelle Occupy-Napalm-Bewegung bei Facebook zeigt, dass die Briten nach wie vor ganz nah dran an der Tagespolitik sind. Wenn es wahr ist, dass große Kunst vor allem aus möglichst negativen Entwicklungen der Gesellschaft seine Sprengkraft bezieht, dann taugen NAPALM DEATH dafür als Paradebeispiel. Egal, ob Millionen Liter Öl im Meer versinken, Banken mit Staatsgeldern zu Lasten der Bevölkerung saniert werden oder sich die Unzufriedenheit in wüsten Randalen und Gewaltorgien, wie zuletzt in England, entlädt. Auch Birmingham, die Heimatstadt des Quartetts, brannte. Insbesondere Barney Greenway, hellwacher Beobachter und Gesellschaftskritiker, nutzt die aktuelle vorapokalyptische Stimmung in der Welt zur Generalabrechnung. Er röchelt, kötert und keift seine Hintermannschaft durch die brennenden Gassen des Establishments. Leichte Kost ist das nicht. Wer auf Dreiakkord-Grind mit infantiler Aussage steht, ist beim Obscene-Extreme-Festival in Tschechien besser aufgehoben. „Utilitarian“ ist hingegen ein rabiater Grind-Break-Hassbrocken geworden. Die 16 Stücke sind alle auf ihre Art hundsgemein und fies. Kurze, kapitale Bolzer, aufwändig verwobene Break-Orgien, in denen auch Embury sein Faible für noisige Soundcollagen ausleben darf, oder das unfassbar durchgeknallte ´Everyday Pox´, wo ein wild gewordener John Zorn sein Saxophon zum Molotowcocktail umfunktioniert. Optisch stimmig durch die Rückkehr zum alten Bandlogo und eine Covercollage im „Scum“-Stil. Jetzt heißt es für euch, den Titel „Utilitarian“ zehnmal schnell hintereinander ohne Zungenbrecher zu sprechen, „Utilitarismus“ bei Wikipedia nachzuschlagen und, last but not least, direkt in den Plattenladen zu rennen.


Volkmar Weber 9.0

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