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Titel
THE BLACK METAL BIBLE (Eigenverlag) 
Note

Auf rund 600 pechschwarzen Seiten präsentiert uns Matthias Herr seine BLACK METAL BIBLE - ein dickes, zum Teil sehr informatives, aber auch höchst zweischneidiges Werk.
Zunächst mal habe ich mich darüber gewundert, daß bei der Bandauswahl zwar „finstere“ Gesellen wie AC/DC, Kiss, Black Symphony, Grave Digger oder Metal Church bedacht wurden, Genre-prägende Acts wie Angel Witch, Witchfinder General oder Black Sabbath (!) jedoch fehlen. Ein Manko, das allerdings nicht wirklich ins Gewicht fällt, weil die meisten wichtigen (und unwichtigen) Black Metal-Kapellen, die irgendwelche Veröffentlichungen (Demos natürlich ausgenommen) vorzuweisen haben, am Start sind.
Was mich dagegen wirklich stört, ist die selbstherrliche Arroganz, die Matthias oft an den Tag legt. So heißt es beispielsweise auf dem Buchrücken (verfaßt von Matthias selbst): „Herr moderiert diese Vollversammlung der Geschöpfe der Nacht aus aller Welt mit der hohen sprachlichen Meisterschaft, die seit vielen Jahren das unnachahmliche Markenzeichen des Berliners ist.“ In den einzelnen Band-Portraits wimmelt es dann von maßlosen Übertreibungen („perfekte“ Black Metal-Alben gibt es offenbar wie Sand am Meer), völlig überzogenen Verrissen (z.B. Agathodaimon), drastischen Fehleinschätzungen (z.B. Bathory), pseudointellektuellem Geschwafel (zum Teil aus irgendwelchen Lexika zusammengeklaut und dann als „besessene Schnüffelei“ verschleiert) und viel Zeilenschinderei (seitenweise werden belanglose Songtexte und Linernotes zitiert). Richtig peinlich wird es, wenn Matthias (wie bei Akhenaton) Ratschläge in holprigem Englisch erteilt, einer Band wie Behemoth „Englisch-Unterricht“ (wegen eines vergessenen Buchstabens im Titel!) erteilt oder seinen Macho-Attitüden und seltsamen politischen Einschätzungen freien Lauf läßt. So zitiert er begeistert primitivste Musiker-“Aussagen“ zum Thema Frauen wie „Schlampen, Nutten, Fotzen, Dreck. Ich kann nicht mit ihnen leben; wenn mir eine zu nahe auf den Pelz rückt, bringe ich sie um!“ (Kommentar überflüssig) und verharmlost eine Band wie Graveland, die ihre faschistischen Ansichten offen vertritt und sogar in einem völlig unkritischen Szene-Blatt wie dem „Ablaze“ (zaghaft) angegriffen wurde.
Nee, Matthias, tut mir leid: Auch wenn die reine Fleißarbeit, die hinter diesem Lexikon steckt, zweifellos enorm ist, kann ich Deiner „Black Metal Bible“ nicht viel abgewinnen. Wer sich „hohe sprachliche Meisterschaft“ auf die Fahnen schreibt, mit seiner angeblichen Kompetenz pausenlos hausieren geht und selbst nur allzu gerne austeilt, von dem erwarte ich viel, viel mehr!
Zu beziehen ist das Teil für 39,80 DM (plus 6,80 DM Paketporto) bei EMP, Postfach 1721, 49813 Lingen.


Götz Kühnemund

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