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Titel
JUGENDKULTUREN ZWISCHEN KOMMERZ & POLITIK (Verlag Thomas Til 
Note

Seien es seine Recherchen über Frauen im Rock-Business, über Skins und Punks, über Nazis in der Musik oder seine von Beginn an faire Darstellung der Böhsen Onkelz - (musik)journalistische Bedeutung kann man Klaus Farin keineswegs absprechen. Doch sein ´98er Nachschlag zum längst bis zum Erbrechen Debattierten ist ärgerlich. Eine gewisse Zeit ist verstrichen; jetzt muß, egal wie und warum, ein neues Buch her - dieser Eindruck beginnt mit den ersten Seiten und kann über die volle 200er Distanz großzügig wachsen.
Da diskutieren Musiker (meist aus der Punkecke) sowie Inhaber von Klein- und Kleinstlabeln mit dem 40jährigen Autor über Kommerz, den sie fast einhellig zutiefst verachten - ganz klar, wenn die Band des Musikers X unentdeckt geblieben ist und wenn der Labelchef Y bis zum heutigen Tag noch keinen Reißer gelandet hat. Da bemängelt ein Fanzine-Macher in seiner Rolle als Labelinhaber fehlenden politischen Anspruch in der Punkmusik und veröffentlicht gleichzeitig Platten, in denen es nur ums Ficken und Absaufen geht. Selten so geweint... Die Quintessenz aus dieser Endlos-Diskussion: Kommerz ist scheiße, denn der Erfolg anderer macht krankhaft neidisch.
Doch dies sind bei weitem nicht alle Kritikpunkte: Welchen Sinn macht es eigentlich, wahllos über Techno, HipHop und sogenannte Independents zu philosophieren? Sind nicht z.B. die Geschichte und die globalen Unterschiede des HipHop viel zu komplex für 25 großbuchstabige Seiten? Und was zum Teufel sind Independents? Etwa altgewordene Oberschüler, die endlich mal wieder was sagen dürfen? Farins Buch vermittelt diesen Eindruck.
Bleibt letztlich die Frage, wer - abgesehen von Elterninitiativen und umgeschulten Streetworkern - dieses Buch kaufen soll.
Zu bestellen ist das Stück beim Archiv für Jugendkulturen, Fidicinstr. 3, 10965 Berlin, Fax: 030-691 30 16.


Wolf-Rüdiger Mühlmann

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