ReviewAlbum des Monats

Band
JUDAS PRIEST 
Kategorie
Album des Monats 
Heft
RH #126 
Titel
Jugulator 
Erscheinungsjahr
1997 
Note
9.0 

Eins vorweg: Dieses Album wäre ein absoluter Oberhammer, wenn nicht der Name JUDAS PRIEST draufstehen würde. So aber ist es trotz der hohen Benotung und der Berücksichtigung auf den "Dynamit"-Seiten für PRIEST-Fanatiker wie mich, die dem überfälligen "Painkiller"-Nachfolger seit sieben Jahren entgegenfiebern, eine etwas zwiespältige Angelegenheit - und das liegt NICHT an Rob Halford-Nachfolger Ripper Owens. Der nämlich macht seine Sache, wie erste Hörproben schon vor Wochen bestätigt haben, absolut perfekt: die hohen Schreie, die mittleren Tonlagen, die tiefe, rauhe Stimme - der Typ beherrscht sämtliche Schattierungen wie sein übermächtiger Vorgänger in besten Tagen. Nein, das Problem liegt bei den Songs selbst, die sich hauptsächlich in zwei Gruppen aufteilen: einerseits fünf Volltreffer ('Death Row', 'Burn In Hell', 'Abductors', 'Bullet Train' und 'Cathedral Spires') und andererseits fünf weniger eingängige, für meinen Geschmack etwas zu trendlastige Nummern. Zwar halten auch diese ein durchgehend hohes Niveau und wachsen mit der Zeit, lassen aber PRIEST-typische Ohrwurm-Melodien vermissen und werden stattdessen von zeitgemäßen (Brutalo-)Einflüssen dominiert. Hatte man bei "Painkiller" den Eindruck, als wollten PRIEST den damaligen Thrash-Größen zeigen, wo der Hammer hängt, so scheint "Jugulator" zumindest im Ansatz auf Neo-Thrasher wie Fear Factory und deren Fans zugeschnitten zu sein. Was ja eigentlich nur die logische Konsequenz der letzten sieben Jahre ist, aber so manchen PRIEST-Fan älteren Semesters zunächst vor den Kopf stoßen wird. Auf der anderen Seite haben wir, wie gesagt, fünf absolute Volltreffer, die zwar genauso heavy, aber deutlich eingängiger ausgefallen sind: den 'Painkiller'-Nachfolger 'Bullet Train', das monumentale 'Cathedral Spires', den mitreißenden Banger 'Death Row' (Riff des Jahres!), das stark an Mercyful Fate erinnernde 'Abductors' und das gesanglich überragende 'Burn In Hell'. Diese fünf Granaten reichen zwar aus, um mich für die nächsten Monate ins Metal-Paradies zu katapultieren (deshalb neun Punkte) - aber von einer Legende wie JUDAS PRIEST erwarte ich, daß mir beim ersten Hören vor Begeisterung der Schädel platzt!


Götz Kühnemund 9.0

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