RH #307RH vor 10 Jahren

Oralsex mit mein Bier

Rock Hard #187

Technisch gesehen lebten wir vor einer Dekade noch in der Steinzeit, dafür war unser Hormonhaushalt quietschfidel.

Wenn man ein zehn Jahre altes Rock Hard aus dem Regal zieht, ist man vom Coverbild mal wenig überrascht (Böhse Onkelz, Machine Head und so), mal freut man sich, dass uns dieser Unfug nicht noch mal passiert ist (Papa Roach, Circle II Circle und so). Ein besonders eigenwilliger Augenschmaus ist die Ausgabe vom Dezember 2002. Zunächst mal sieht das Heft eher semigut aus. Und „CD-Preise: Kampf um die Kohle!“ wirkt als Titelthema zurückblickend wie aus einer anderen Epoche, ca. Mesolithikum. Selten hat sich ein Medium dermaßen schnell abgewirtschaftet und überflüssig gemacht wie die ungeliebte Silberscheibe.

Grinsen muss man in diesem Zusammenhang auch über die Ankündigung von Götz, dass wir für die Erstellung eines „Movie Mania“-Specials jede freie Minute vor dem Videorekorder verbringen. Da waren wir wohl gerade über den Abgang des Super-8-Formats hinweg. Seinen Computer konnte Herr K. damals übrigens gerade mal fehlerfrei ein- und ausschalten. Heute rennt unser Chefkoch mit einem iPad durch die Gegend.

Ebenfalls retrospektiv amüsant: Drum-Hure Gene „Ich hasse Musik!“ Hoglan moniert als größte Absurdität des 21. Jahrhunderts, dass Leute »Unmengen an Geld ausgeben, um billige Pornobildchen runterzuladen, die sie in jedem verdammten Sexshop billig kaufen können«.

Ständiger technischer Weiterentwicklung weniger ausgelieferte Beschäftigungen haben aber auch ihre Tücken. Nehmen wir z.B. ´ne simple Sportart wie das Joggen. Da passiert Neal Morse von SPOCK´S BEARD Folgendes: »Ich fühlte, wie Gott mir befahl, eine andere als die übliche Route zu nehmen. Gottes Freude war spürbar, als würde ein Haufen Engel jubilieren. Danach sagte Gott zu mir: „Beende das Album, verlasse die Band und erwarte weitere Instruktionen.“«

Vielleicht sollte Bruder Neal zur Entspannung in einen von Hoglans Lieblingssexshops gehen und sich ein bisschen „Heavy Metal im Popo“ besorgen. Ein Leser namens Philipp Wolter aus Kiel (hieß so nicht der Sänger der famosen Bonehouse?) schickt uns eine Werbung aus einem Sexkatalog, den er von einem Kumpel zugesteckt (hüstel...) bekam. Dort gibt´s ´ne Anal-Metall-Kugelkette zu bewundern, die „noch geilere Lusteffekte“ auslöst, wenn man sie „vor Gebrauch wärmt (auf der Heizung) oder kühlt (im Kühlschrank)“.

Keine Ahnung, ob da jetzt ein Zusammenhang besteht. Aber Boris tut kund, dass seine Freundin ihn ganz gern „Lusthumpen“ nennt. Wir überlegen nach wie vor, was genau das zu bedeuten hat. Die „Stahlkocher“-Seiten füllt Dr. Kaiser jedenfalls komplett mit seiner Göttin Torn Anus, pardon - ich war wohl noch bei der Kugelkette -, Tori Amos. Deren vergeistigte Ergüsse - passenderweise wird die Kolumne in „Teekocher“ umgetauft - erfordern umgehend das Einlegen von drei bodenständigeren Highlights aus der Review-Ecke: EISENPIMMEL versprechen „Kein wildes Genudel mit Mensch und Tier, nur Oralsex mit mein Bier“, PÖBEL & GESOCKS frohlocken „Ach du Scheiße, da sind wir wieder, in der Hose die steifen Glieder“, und GBH bringen ihre Message ebenfalls essenziell auf den Punkt: „No remorse - screw the corpse!“

 

Und sonst?

  • Trotz Nachfrage gibt die Mutter von Götz keine Interviews. Und zwar laut Aussage ihres Sohnemanns schon „seit 1973 - als sie mit der Deep-Purple-Crew diverse Hotelzimmer verwüstete - nicht mehr“.
  • Warum wir inzwischen das Abdrucken von Kontaktanzeigen eingestellt haben? U.a. deshalb: „Hey Schnupi, danke für das wunderschöne Jahr. Ich liebe dich. Deine Schmupi.“