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METALLICA

Was lange währt…

METALLICA

…wird immerhin ziemlich gut. Am 18. November erscheint das neue METALLICA-Album "Hardwired…To Self-Destruct". Das Rock Hard durfte den Doppeldecker schon mal hören.

Die acht Jahre seit "Death Magnetic" sind selbst für METALLICA-Verhältnisse ein Rekord. Und auch wenn seit dem letzten Überfliegerwerk der Band – je nach nörgeligem Standpunkt – noch viel mehr Zeit vergangen ist (manche kommen da locker auf drei Dekaden), stieg kurz vor Veröffentlichung dann doch die Spannung. Mitte September wird "Hardwired… To Self-Destruct" erstmals den deutschen Medien vorgestellt. Im Berliner Soho-Haus (ganz früher ein Kaufhaus in jüdischem Besitz, dann Hitlerjugend-Quartier, momentan ´ne Mischung aus teurem Hotel und ebenso teurem Club für "Kreativschaffende") darf man nach Abgabe von Taschen und technischen Geräten, penibler Personenkontrolle (mit Metalldetektor und dann noch mal ausgiebig "händisch") in ein im Keller gelegenes Kino mit ca. 40 Plätzen. Der Raum sieht mit seinen roten Plüschsesseln inklusive Fußbänken eher aus wie ein Puff für russische Oligarchen. Dazu gibt´s Häppchen, Sekt und irgendwann doch noch "Hardwired… To Self-Destruct" in angenehmer Lautstärke.
Als halbwegs informierter Fan wusste man schon im Vorfeld tendenziell, was einen erwartet. Zwei gelungene, fettnäpfchenfreie Songs (´Hardwired´, ´Moth Into Flame´) wurden bereits veröffentlicht, und auch die ersten Band-Statements drohten keine größeren Experimente an. Ein kompletter Dealbreaker ("Load", "Reload", "Lulu", das bekloppte "Death Magnetic"-Übermastering) war also schon mal vom Tisch. Obwohl: Erst bringt man heutzutage die Kids zur Schule, dann arbeitet man ein paar Stunden im Studio, holt anschließend die Gören wieder ab und ist für den Rest des Tages Familienmensch. Hört man diese gemütliche Vorgehensweise der Platte an? Nein. Sind METALLICA satte Millionäre, die bloß noch zu selbstzufriedenen Alt-und-fett-Alben in der Lage sind? Wiederum nein, denn diese Phase hatten sie bereits Mitte der Neunziger. "Hardwired… To Self-Destruct" ist ein Streifzug durch große Teile der Bandhistory und somit auf positive Art und Weise uninnovativ.



Der Opener und Quasi-Titeltrack ´Hardwired´ wurde von James Hetfield und Lars Ulrich innerhalb einer Woche als Last-Minute-Ergänzung zusammengeschustert, ist purer Thrash Metal ohne jeglichen Ballast und schnuppert tatsächlich Mittachtziger-Luft. Frischer geht´s mit 35 Karrierejahren auf dem Buckel nicht.


´Atlas, Rise!´ vermengt ´Master Of Puppets´-Vibes mit dem Groove des "Schwarzen Albums". Das Riff nach dem zweiten Refrain sollte man heiligsprechen.

 

´Now That We´re Dead´ ist eine traditionsmetallischere Adaption von Stücken wie ´Enter Sandman´, also schon wieder eine Referenz an die "Schwarze". Der Refrain ist catchy, aber nicht zu poppig.

Die übersichtlich strukturierte Mischung aus Midtempo und Speed der zweiten Single ´Moth Into Flame´ funktioniert. Einige der Riffs schrauben dir absolut den Schädel ab. Die Leads sind das melodische Highlight, der Chorus ist weniger zwingend.

´Dream No More´ ist ein zähes Monster, was zum Text über den Cthulu-Mythos passt. Instrumental ist das Stück brutal heavy, einige Gesangslinien klingen etwas orientierungslos, oder das soll ´ne Verneigung vor Ozzy sein.

´Halo On Fire´ ist die dritte Single. Diesmal wird ausgehend von der – ihr habt´s erraten – "Schwarzen" etwas gen ´One´ geschielt. Das Stück wegen der ruhigen Strophen als Halbballade einzutüten, wäre übertrieben. Der Refrain – mit erschreckend simplem "Desire/Fire"-Reim – ist sehr kraftvoll und das eingängige ausgedehnte Finale mit mehrfach leidenschaftlich gesungenem "Hello darkness, say goodbye" richtig supi.

Die zweite CD fußt sogar noch deutlicher auf dem 1991er Multimillionenseller und eröffnet mit ´Confusion´ (gute Vokalmelodien, ansonsten unauffällig).

´ManUNkind´ (etwas progressiver, so ungefähr "Black Album" trifft "…And Justice For All", das Zusammenspiel von Gesangslinien und instrumentalem Fundament erschließt sich erst nach mehreren Durchläufen) ist der einzige Song mit einem zusätzlichen Robert-Trujillo-Credit. Alle anderen Kompositionen sind strikt von Hetfield und Ulrich. Kirk Hammett hat ja leider 2014 sein Smartphone verloren. (Kirk: „Du, James, ich habe bestimmt 250 tolle Riffideen auf meinem Telefon.“ - James: „Nee, lass mal, die Platte mache ich mit Lars allein.“ - Kirk: „Ich habe aber schon überall rumerzählt, dass ich ganz viel zum nächsten Album beitragen will.“ - James: „Dann behaupte doch, du hättest dein Phone verloren und die Sachen wären alle weg.“ - Kirk: „Gute Idee, so mach ich das…“)Genug gelästert: Hammett setzt auf der gesamten Platte immer wieder mit richtig guten Soli Akzente.

Das folgende ´Here Comes Revenge´ hantiert mit viel biblischem Vokabular (Kain, Abel, Auge um Auge – Zahn um Zahn, Vergebung und natürlich Rache). Musikalisch ist das Ding auf, nun ja, "Black Album"-Linie.

Das gilt auch für ´Am I Savage?´, das als Bonus noch ein paar Schlenker gen psychedelische Black Sabbath einbaut.´Murder One´ ist nach Lemmy Kilmisters legendärem Amp benannt und folgerichtig ein Motörhead-Tribut. In den Lyrics wirft Hetfield mit Motör-Söngtiteln und -Anspielungen um sich: ´Born To Lose´, ´All The Aces´, ´Living To Win´, ´Aces High´ (ach nee, das war ´ne andere Band). Musikalisch klingt das Stück allerdings null Komma null nach Lem & Co., sondern nach… ja, genau.

So ein bisschen könnte man jetzt anfangen zu nörgeln.Der Rausschmeißer ´Spit Out The Bone´ rettet Disc zwei jedoch. Das Ding ist ´ne geile Speed-Granate, ausgearbeiteter als ´Hardwired´, knallhart, melodisch und mit einem passenderweise sehr jung klingenden Hetfield, der hier über die Auslöschung der Menschheit durch eine Maschinenherrschaft philosophiert ("Finally cure the earth of man. Exterminate, speeding up the revolution. Long live machine, the future supreme. Man overthrown, spit out the bone").

Überhaupt hat James für "Hardwired… To Self-Destruct" durchgehend düstere Lyrics verfasst. Wie ein roter Faden zieht sich Negativ-Vokabular (desperation, pain, sorrow, bitterness, grief, darkness etc.) durch das Textblatt. Hoffentlich muss er nicht wieder in Therapie.

Fazit: In erster Linie nehmen METALLICA das "Schwarze Album" als Basis und strecken ihre Fühler von dort in fast alle früheren Phasen aus. Der mit riesigem Abstand kommerziell erfolgreichste Longplayer wird also mehr oder minder deutlich mit einigen originalen Band-Roots garniert. Das ist eine smarte Vorgehensweise. Das Quartett agiert dabei jedoch etwas halbherzig, besonders wenn man den Thrash-Anteil der beiden Vorabsingles als Maßstab nimmt, was im Nachhinein dann doch (ent)täuscht, weil man zumindest als Fan der Frühwerke (und meinetwegen auch "Death Magnetic" oder gar "St. Anger") einfach mehr Bleifuß erwartet hat.Die Songs sind zwar nicht kürzer, aber punktgenauer als auf den letzten Outputs, durchleben weniger Stimmungswechsel und haben dadurch mehr individuelle Atmosphäre. Das Riffing ist oftmals effizienter und angenehm reduziert. Die Produktion ist superfett. Fans der "Schwarzen" werden "Hardwired… To Self-Destruct" lieben, totale Old-Schooler werden zumindest ab und zu leuchtende Augen kriegen. Es hätte schlimmer kommen können.


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