Online-MegazineInterview

PERSUADER

Wenn's mal wieder länger dauert

PERSUADER

Was lange währt, wird endlich gut – dieses Motto kennen Fans der schwedischen Power-Metaller PERSUADER inzwischen zur Genüge. Die Herren sind zwar nicht gerade dafür bekannt, ein Album nach dem nächsten rauszuhauen, legen mit „The Fiction Maze“ nach achtjährigem Winterschlaf jedoch ein bemerkenswertes Comeback hin. Gitarrist Emil Norberg erklärte uns in aller Ausführlichkeit, welche Klippen die Combo auf dem Weg zur aktuellen Platte umschiffen musste, wieso ihm der unumgängliche Vergleich mit Blind Guardian inzwischen kaum noch auf die Nerven geht, und wie die Zeichen für seine Mitarbeit an der nächsten Savage-Circus-Platte stehen.

Emil, auch wenn euer neues Album das Warten wert war, mussten sich eure Fans doch ziemlich lang gedulden. Acht Jahre sind seit der Vorgänger-Platte „When Eden Burns“ ins Land gezogen, obwohl ihr bereits 2010 mit einem Studio-Tagebuch begonnen habt. Was hat euch derart aufgehalten?

»Da gab es mehrere Dinge, die dazu geführt haben, dass es bis zur Fertigstellung des Albums ewig gedauert hat. Nach dem Release von „When Eden Burns“ hatten wir sehr viele Meinungsverschiedenheiten mit unserem alten Label Dockyard1, und wir hatten nicht das Gefühl, besonders gut von der Plattenfirma unterstützt zu werden, was Touren, Promotion und solche Sachen angeht. Die Diskussion endete damit, dass wir einwilligten, bei dem Label noch ein weiteres Album zu veröffentlichen, bevor wir uns eine andere Plattenfirma suchen. Das war 2007, glaube ich. Wie auch immer, wir schrieben neue Songs und kamen ziemlich gut voran, bis Dockyard1 plötzlich beschloss, den Laden dicht zu machen. Damit mussten wir erst einmal klarkommen, und das führte dazu, dass wir irgendwie unseren Schwung verloren. Die Situation weitete sich für mich und unseren Sänger Jens Carlsson noch mehr aus, weil wir in einen ziemlichen Schlamassel gerieten, was DY1 und unsere andere Band Savage Circus betrifft, und der führte dazu, dass (Savage-Circus-Mainman) Thomen Stauch das Weite suchte. Danach lagen PERSUADER mehr oder weniger auf Eis. Unser Drummer Efraim Juntunen machten sporadisch mit dem Songwriting weiter, aber wir waren alle ein paar Jahre lang mehr oder weniger mit anderen Dingen beschäftigt. Einige Bandmitglieder gründeten eine Familie, andere gingen zur Uni oder bauten Häuser. Es war dadurch schwer für uns, an mehreren Orten gleichzeitig zu sein, was den Songwriting-Fortschritt extrem verlangsamte. In den letzten anderthalb bis zwei Jahren sahen die Dinge dann allerdings wieder besser aus und wir haben es hinbekommen „The Fiction Maze“ zu vollenden. Manchmal stellte das schon eine ziemlich frustrierende, aber auch lohnenswerte Geduldsprobe dar, bis das Album endlich aufgenommen und veröffentlicht war.«

Meines Wissens nach waren die Reaktionen der Medien auf „The Fiction Maze“ bisher ziemlich gut. In der aktuellen Rock-Hard-Ausgabe 321 habt ihr zum Beispiel acht von zehn Punkten eingeheimst. Musstet ihr überhaupt irgendwelche schlechten Kritiken einstecken?

»Nein, eigentlich nicht. Bisher hatten wir einmal sechs von zehn Punkten, aber wie du schon sagtest, sonst eigentlich mindestens acht von zehn Punkten oder sogar noch mehr. Ich habe sogar ein paar Mal die volle Punktzahl zu sehen bekommen. Eigentlich muss ich gar nicht sagen, dass das ein großartiges Gefühl ist, weil wir nach acht Jahren Funkstille nicht wirklich wussten, was uns erwarten würde.«

Kannst du dich noch an das schlechteste Feedback erinnern, das PERSUADER jemals bekommen haben?

»Hmmm, ja eins fällt mir da ein. Ich glaube, das war von einem Online-Magazin namens „Lord Of Metal“ oder so ähnlich. Die fanden, dass unsere CD „When Eden Burns“ ein peinlicher, pathetischer Blind-Guardian-Abklatsch war, oder so etwas in der Art.«

Nimmst du dir solche Kritiken sehr zu Herzen?

»Das kommt immer drauf an. Ich mag ja auch nicht jedes Album, das veröffentlicht wird, also kann ich das auch nicht von anderen Leuten erwarten. Konstruktive Kritik ist nichts Schlechtes, wenn du sie zu deinem Vorteil nutzt und deine Fähigkeiten verbesserst, oder die Schwachstellen, auf die sie sich bezieht.«

Ich kann mir vorstellen, dass ihr in so ziemlich jedem Interview den obligatorischen Vergleich mit den älteren Alben von Blind Guardian zu hören bekommt. Geht dir das auf die Nerven?

»Inzwischen nicht mehr so sehr. Ich denke, es ist eine ganz normale Sache, dass die Leute das, was sie hören, mit anderen Bands, die sie gehört haben, in Verbindung setzen, und PERSUADER und Blind Guardian spielen mit verzerrten Gitarren, schnellen Drums und haben einen Sänger mit der gleichen Stimmlage und einer ähnlichen Klangfarbe. Außerdem gibt es weitaus schlimmere Bands, mit denen man uns vergleichen könnte, also sehen wir das inzwischen als Kompliment.«

Was macht PERSUADER und „The Fiction Maze“ einzigartig?

»Einzigartig ist ein starkes Wort, das ich lieber nicht benutzen möchte, um PERSUADER zu beschreiben, aber ich denke, dass wir Musik machen, die ihre Einflüsse aus sehr vielen verschiedenen Genres bezieht und sie auf ganz natürliche Art und Weise kombiniert. Zumindest ist das unser Plan, wenn wir Musik schreiben. Ich glaube, mit „The Fiction Maze“ haben wir einen Schritt in die richtige Richtung getan, aber als Künstler finde ich, dass es immer genug Platz nach oben für noch mehr Entwicklung gibt.«

Kannst du ein paar Worte zum Titel der Platte „The Fiction Maze“ sagen? Was ist ein „Labyrinth der Fiktion“? Was findet man in diesem Irrgarten und was sorgt dafür, dass man sich verläuft?

»Der Titel des Albums steht gewissermaßen für die Suche nach der Wahrheit. Wer weiß, was wirklich real ist, und wer kann sagen, was wirklich richtig oder falsch ist? Jeder auf der Welt sucht nach der Wahrheit und nach einem Pfad, der zu ihr führt. „The Fiction Maze“, das Labyrinth der Fiktion, ist dieser Weg, denke ich. Aber letzten Endes kommt niemand aus diesem Irrgarten lebendig wieder heraus.«



Hast du ein paar lustige Anekdoten aus dem Studio im Gepäck?

»Acht Jahre Aufnahmen? Spaß? Na gut, jetzt mal ohne Flachs, die Aufnahmen waren ganz in Ordnung, wir haben aber nicht allzu viel herumgeblödelt. Wir haben alles selbst in unserem bescheidenen kleinen Studio aufgenommen, und die Studioarbeit lief eine ganze Zeit lang, weil wir schon früh eine Einstellung aufbauten, von der wir das Gefühl hatten, dass sie gut funktionierte. Songwriting und Aufnahmen liefen bei uns gleichzeitig ab. Eine Woche, bevor das Album in den Mix ging, entschlossen wir uns aber dazu, die Rhythmusgitarren noch einmal neu aufzunehmen, und zwar dort, wo wir auch schon das Mixing mit Ronnie Björnström gemacht hatten.«

Wie läuft die Zusammenarbeit mit eurem neuen Label Inner Wound Recordings?

»Sie ist vor allem problemfrei! Die Leute sind wirklich begeistert von der Band und versuchen, uns auf jede ihnen mögliche Art zu unterstützen. Für uns ist das ein großer Schritt nach vorn, da wir bisher noch nie wirklich eine Plattenfirma hatten, die es nicht auf die eine oder andere Weise vermasselt hat.«

Du und Efraim seid die Haupt-Songschreiber bei PERSUADER. Wie sieht euer Teamwork aus und wo findet ihr eure Inspiration?

»Wir versuchen, Musik zu schreiben, die wir auch selbst gern hören würden, und wir haben ziemlich viele unterschiedliche Einflüsse, denke ich. Weder Efraim noch ich sind sehr fixiert auf bestimmte Genres, daher hören wir uns alles an, was uns irgendwie gefällt, und das beeinflusst uns natürlich auf die eine oder andere Weise. In Sachen Metal hören wir eher Musik aus dem Bereich Death, Black und Thrash als den typischen Power-Metal-Sound. Ich finde, in Kombination mit guten, melodischen Vocals und tollen Arrangements gibt das ein richtig cooles Resultat ab!«

Stichwort Power-Metal: Was tut sich eigentlich bei deinem anderen Bandprojekt, Savage Circus? Kannst du etwas zum aktuellen Stand der Dinge sagen? Seid du und Jens noch Teil der Band?

»Ich glaube, zumindest für mich und Jens wird sich da nichts mehr tun. Das Timing war einfach nicht das Beste, da Jens und ich jede freie Minute dazu nutzten, das PERSUADER-Album fertigzustellen, während Thomen schnell mit Savage Circus vorankommen wollte. Wir arbeiteten schon an ziemlich coolem neuen Material, aber so wie es derzeit aussieht, wird Thomen sich nach neuen Bandmitgliedern umschauen. Ich hätte so gern dazu beigetragen, dass es irgendwie klappt, aber vielleicht werden wir einen anderen Weg finden, in Zukunft zusammenzuarbeiten, denn er ist ein großartiger Drummer und ein toller Typ!«

Du bist nicht der einzige Gitarrist in deiner Familie: Dein Bruder Nils hat lange Jahre bei Nocturnal Rites die Axt bedient. Kommt ihr aus einer Musikerfamilie? Wie und wann habt ihr zum ersten Mal eine Gitarre in die Hand genommen?

»Musik hat in unserer Familie immer eine große Rolle gespielt, auch wenn unsere Eltern selbst kein Instrument spielen. Sie haben aber unser Interesse auf jede erdenkliche Weise gefördert. Als sie also sahen, dass wir gern Gitarre spielen wollten, kauften sie uns eine minzgrüne Charvette und einen 30-Watt-Marshall-Amp. So fing das alles an, und da wir vier Brüder waren, die sich um dieselbe Gitarre rauften, bekam ich um 1994 herum meine eigene Yamaha.«

Gibt es Pläne für ein brüderliches Bandprojekt?

»Nein, zumindest im Moment noch nicht. Manchmal jammen wir zusammen, aber es gibt noch keine Pläne, irgendwelche Songs zu schreiben.«

Deine Heimatstadt Umeå ist die europäische Kulturhauptstadt 2014. Hast du in diesem Zusammenhang irgendeine Verbesserung für die Musikszene, insbesondere für die Metalszene beobachten können?

»Nein, weder Metal noch irgendein anderes Subgenre hat bisher wirklich den Gefallen derjenigen gefunden, die entscheiden, was Kultur ist. Es ist allerdings witzig, dass sie jetzt während dieses Jahres eine Ausstellung über die Hardcore-Szene der frühen Neunziger ausrichten, für die Umeå einer der Knotenpunkte war. Damals taten die Politiker nichts, um diese Szene zu unterstützen, aber jetzt, da Umeå dafür bekannt ist, schlagen sie ihren Vorteil daraus und beschließen, dass es Kultur ist. Aber wie auch immer, die Metalszene braucht keine Politiker, die uns helfen, die Szene kümmert sich um sich selbst, stellt Konzerte auf die Beine und so weiter, was ich toll finde.«

Die PERSUADER-Fans außerhalb Schwedens hatten bisher nicht unbedingt viel Gelegenheit dazu, euch live auf der Bühne zu bewundern. Plant ihr eine baldige Tour oder zumindest einige Sommer-Festivals für dieses Jahr?

»Wir tüfteln gerade an einer Europa-Tour für diesen Herbst. Wir werden also hoffentlich endlich da rausgehen und für all unsere gespannt wartenden Fans Musik spielen können. Natürlich wären auch einige Festivals toll, allerdings müssen wir uns dafür mal ordentlich selbst in den Hintern treten und uns darum bemühen. Der Sommer steht schnell vor der Tür, und die meisten Festivals dürften ja inzwischen schon gebucht sein.«

Welche Pläne habt ihr davon abgesehen für die nächste Zeit?

»Im Moment konzentrieren wir uns voll und ganz auf die Promotion und auf die Suche nach einem neuen Booking-Agenten, mit dem wir in Zukunft zusammenarbeiten können. Außerdem haben wir bereits damit angefangen, ein paar neue Riffs für das nächste PERSUADER-Album zu sammeln. Wir haben kapiert, dass wir besser frühzeitig damit anfangen sollten, damit wir die nächste Platte auch innerhalb eines akzeptablen Zeitraums veröffentlichen können.«

Danke für das Interview und viel Erfolg dabei!