Online-MegazineInterview

DREAD SOVEREIGN

»Kein ProTools«

DREAD SOVEREIGN

Als exklusive Online-Ergänzung zum DREAD SOVEREIGN-Interview aus ROCK HARD Vol. 325 spricht Alan Nemtheanga über die Produktion des Debüts „All Hell's Martyrs" und kommentiert die aktuelle Festivallandschaft.

Alan, ihr habt die EP „Pray To The  Devil In Man“ live aufgenommen. Das Album „All Hell's Martyrs" auch?

»Ja, da ist alles live entstanden. Das gilt für das Album genauso wie für die EP. Wir standen alle im selben Raum und ich wollte, dass alles möglichst frei klingt, möglichst dreckig, mit natürlichen Drums. Die Instrumente sollten ineinander fließen und nicht voneinander getrennt sein.«

Also schätze ich mal, dass ihr die Herangehensweise beibehalten werdet, wenn ihr noch ein Album aufnehmen solltet.

»Ja, absolut. Das schöne an DREAD SOVEREIGN ist, dass alle Entscheidungen bei mir liegen. Bei Primordial sind wir viele Tyrannen. Ganz davon abgesehen kann es bei uns Fünf schnell mal dazu kommen, dass jeder in eine andere kreative Richtung will. DREAD SOVEREIGN bin ich. Wenn der Engineer das Album mixt, sage ich ihm, wie es klingen soll. Da ich also mit niemandem Rücksprache halten muss, kommt alles exakt so, wie ich es haben will. Aber der Schlüssel ist, live zu spielen. Nichts verschieben, nichts korrigieren, kein ProTools. Wir stehen in einem Raum und spielen zusammen, und alles ist verdammt LAUT. Das ist meiner Meinung nach die beste Art, Heavy Metal zu spielen.«

Siehst du die Art, wie du diese Dinge angehst, auch als Statement?

»Ja, natürlich! Das ist der Weg, die Kraft und deine Kreativität herauszufordern. Andere setzen sich hin und beklagen sich, dass die alte Art, Dinge aufzunehmen, tot sei. Das mag für andere Bands gelten, für uns nicht. Wir haben einen ordentlichen Drumsound. Du musst nicht jede Ungenauigkeit begradigen. Auf dem Weg magst du ein sauber klingendes Album bekommen, aber daran bin ich nicht interessiert. Aber um einen guten Drumsound zu bekommen, brauchst du einen ordentlichen Aufnahmeraum für das Schlagzeug, und wenn dein Label dir nur tausend Euro zur Verfügung stellt, kann das schwierig werden, aber das war früher auch so. Dann hat man halt versucht, dafür eine Lösung zu finden. Unsere Art von Doom hat eine lange Tradition, und die versuchen wir zu erfüllen. Das betrifft die Art der Aufnahme, die Stimmung usw. Das ist natürlich eine Herausforderung, aber letztendlich auch eine Frage des Geschmackes.«

Interessant ist, dass 'Thirteen Clergy' in der Single- und der Albumversion mehr oder weniger eine ähnliche Entwicklung durchgemacht hat wie 'Procreation (Of The Wicked)' von Celtic Frost: Auf der Single groovig und im Midtempo, auf dem Album nochmal viel schwerer...

»Interessanter Vergleich. Der Song hat sich ganz einfach weiterentwickelt, so wie es in den Siebzigern zwischen Originalversionen und Live-Versionen häufig passiert ist.«

Ging es darum, die Songs durch die Neuaufnahmen definitiv besser zu machen, oder hattet ihr einfach Freude, mit den Liedern zu experimentieren?

»Die neuen Versionen sind Teil der Struktur des neuen Albums, sie sind so, wie sie eben sein müssen. Welche der Versionen dir besser gefällt, ist deine Sache. Die einen werden natürlich die eine Version bevorzugen und die anderen die andere. Die neue Version klingt mehr nach Tod. Das ganze Album klingt ja so, als ob es nie aufhören würde, es gibt die ganzen Intros, Outros und Zwischenspiele – da hätte die alte Version nicht ins Konzept gepasst.«

Werdet ihr immer dieselbe Version live spielen, oder werdet ihr die Versionen abwechseln?

»Das weiß ich noch nicht so genau. Mal so, mal so, manchmal habe ich Bock, den Song ein bisschen länger zu ziehen, manchmal hat Bones noch Zusatzideen. Letztendlich hörst du also jedes mal eine andere Version. Es gibt da keine festen Regeln, ich werde den Song jedes mal so spielen, wie es sich gerade richtig und passend anfühlt. Ein Album ist auch ein Album und eine Show eine Show, das sind zwei komplett verschiedene Dinge.«

Es gibt zu viele Bands, die live genau wie auf dem Album klingen wollen und deshalb Tonnen von Playback benutzen.

»Ja, genau das meine ich! Das hat überhaupt nichts mit Rock 'n' Roll zu tun, oder? Wenn sie die CD hören wollen, sollen sie sie auflegen.«

Würden DREAD SOVEREIGN auch auf einer größeren Bühne funktionieren?

»Ich weiß nicht. Wir haben bisher nur vier oder fünf Gigs gespielt. Ich schätze aber diese Art von Doom, langsam, heavy, tief und fies, ist nicht für die großen Bühnen bestimmt, sondern für die dreckigen Undergroundclubs, wo du das Wummern des Basses in der Brust spürst. Ich spiele viel lieber kleinere Shows mit DREAD SOVEREIGN. Natürlich würde auch ich es nicht ablehnen, auf einer größeren Bühne zu spielen, wenn die Bedingungen stimmen. Aber ich habe es lieber, wenn ich von der Bühne aus mit der ersten Reihe headbangen kann. Letztendlich habe ich auch noch nicht viel Erfahrung darin, live Bass zu spielen, insofern passt es auch besser, alles ein bisschen langsamer angehen zu lassen. Aber alles in allem denke ich sowieso nicht, dass dieses Projekt für große Bühnen bestimmt ist.«

Wenn du mich vor zehn Jahren gefragt hättest, ob Primordial für die großen Bühnen bestimmt sind, hätte ich das auch nicht erwartet.

»Ja, vielleicht nicht. Es ist halt eine andere Disziplin, auf großen Bühnen zu spielen. Du musst mit einem ganz anderen Ansatz herangehen. Es geht dabei auch um Projektion. Du musst das, was du vermitteln willst, anders vermitteln, wenn du auf einer großen Bühne stehst. Es ist schwieriger, direkt und aggressiv zu sein, also musst du andere Wege finden, deine Atmosphäre zu vermitteln, du musst deinen Charakter, dein Charisma projizieren können. Es ist in jedem Fall schwerer. Aber du entwickelst dich ja weiter und lernst. Die Musik von Primordial wurde für große Bühnen auch immer passender. Dazu kommt, dass die großen Festivals inzwischen immer zentraler werden. Vor zehn oder 15 Jahren war es noch viel unüblicher, Black-Metal-Bands auf den großen Open Airs zu sehen. Das ist auch ein Fluch, denn die Festivals töten damit das Touren. Es ist kaum mehr möglich, eine Band aufzubauen, ohne ständig auf den Festivalbühnen präsent zu sein, weil es halt so viele davon gibt.«

Es gibt aber auch viel mehr Bands als früher, weshalb es kaum möglich ist, dass jede von ihnen eine komplette Tour fährt.

»Ja, sicherlich, aber das kann man auch anders herum betrachten. Die obersten fünf Prozent der Festivalbillings verändern sich ja kaum, da siehst du immer dieselben Bands. Die Combos im Mittelfeld stehen unter ungeheurem Druck, weil sie nicht so viel Geld einnehmen und häufig auch einen Teil ihrer Merch-Einnahmen abgeben müssen. Das ergibt ein beängstigendes Szenario. Einige dieser Festivals wirken heute wie Viehmärkte, und ich frage mich jedes mal, wie viele Leute eher wegen dem Festival selbst, als wegen der Bands dorthin gehen. Ich meine, wie willst du ernsthaft 30, 40 oder 50 Bands pro Festival sehen, die auf verschiedene Bühnen verteilt sind? Aber das ist ein notwendiges Übel, und mit Primordial haben wir ja neben den Festivals auch unsere großen Headlinershows. Aber ich sehe, dass das die Heavy-Metal-Kultur verändert, und das gefällt mir nicht. Es macht halt einen Unterschied, ob du an einem verregneten Abend in einen dreckigen Club nach Hamburg fährst, um drei Bands zu sehen und danach wieder nach Hause zu fahren, weil man am nächsten Tag arbeiten muss, oder ob man auf einem sommerlichen Feld Megadeth und Rotting Christ sehen kann und schaut, was dabei rumkommt.«


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