Online-MegazineInterview

NEW KEEPERS OF THE WATER TOWERS

Känguruhs im Weltall

NEW KEEPERS OF THE WATER TOWERS

Auf "Cosmic Child", dem neuen Werk der Progressive-Stoner von NEW KEEPERS OF THE WATER TOWERS, geht es, wie der Albumtitel verrät, sphärisch zu. Die Schweden kehren mit ihrem Drittwerk dem bösen Gegrunze den Rücken und widmen sich mit versöhnlichem Klang der freien und emotionalen Musik. Was genau das bedeutet und warum persönliche Geschichten die Monster und Mythen aus den Texten verbannt haben, erzählte Songwriter, Gitarrist und Sänger Rasmus Booberg im Interview.

Glückwunsch, Rasmus – euer neues Album hat euch anderthalb Jahre lang im Studio beschäftigt; jetzt ist es endlich fertig. Wie fühlt sich das an?

»Sehr, sehr gut - es ist ein tolles Album geworden! Ich bin sehr stolz und freue mich darauf, die Stücke live zu spielen. Sie fühlen sich sehr frisch an.«

Nach anderthalb Jahren?

»Die Aufnahmen haben ziemlich genau vor zwei Jahren begonnen, es war also noch länger. Aber: ja! Wir hatten keinen Zeitdruck in einem gemieteten Tonstudio schnell etwas einspielen zu müssen, sondern haben uns in unserem Proberaum ein eigenes Studio gebaut. Wir konnten uns immer wenn wir wollten, treffen und ganz entspannt überlegen, was wir jetzt wie machen wollen. Nur unser Schlagzeuger hat in einem richtigen Studio aufgenommen. Eine Woche lang, aber dann haben wir die Stücke so oft aufgenommen und verändert, bis sie häufig fast gar nichts mehr mit den ursprünglichen Liedern gemeinsam hatten. Nach einem Jahr haben wir die Drums komplett umarrangiert und er hat alles noch mal eingespielt.«

New Keepers Of The Water Towers - Cosmic ChildEine schwierige Frage: Hast du ein Lieblingsstück auf dem Album?

»Das ist gar keine schwierige Frage - 'Visions of Death' und 'Leapse', ganz klar. Die haben am längsten gedauert und wurden am häufigsten umgeschmissen. Wenn ich mir die Stücke heute anhöre, denke ich mir: Was zur Hölle - was ist denn mit denen passiert? (lacht). Außerdem sind die beiden besonders offen, progressiv - irgendwie wabernd. Das finde ich gut.«

Wie kann man sich denn das Songwriting jetzt genau bei euch vorstellen?

»Meistens greife ich mir einfach eine Gitarre, spiele irgendwas und habe dann einen ganz bestimmten magischen Moment. Manchmal sind es auch nur ein paar ganz bestimmte Akkorde – damit gehe ich dann zu den anderen.
Viktor (Berg, Gitarre, sa) weiß dann meistens sofort, was man damit tun kann und wie man daraus ein magisches Gesamtkunstwerk komponiert.«

In der Musikpresse werdet ihr von den einen mit den frühen Mastodon und den ruhigen Opeth verglichen, andere ziehen Parallelen zu The Sword oder Pink Floyd. Wer inspiriert euch musikalisch?

»Wir versuchen, uns nach Möglichkeit von niemandem inspirieren zu lassen
- außer von unseren eigenen Impulsen und Eingebungen. Oft hören wir uns aber alten, US-Prog-Rock aus den Siebzigern an. Der ist zwar meistens nicht wirklich gut, aber die Stimmung gefällt uns. Der britische Prog Rock ist natürlich sehr viel besser. King Crimson, Genesis, Camel und halt eben auch Pink Floyd. Sehr stark sind auch Omega, irgendwo aus Südeuropa (aus Ungarn, sa). Die hatten aber bisher keinen Durchbruch, weil sie in ihrer Landessprache singen und man sie leider nicht verstehen kann. Ich höre auch neue Sachen, aber ich selektiere sehr stark. Die Musik muss mich berühren. Das tut beispielsweise auch eine Band namens Job, die sehr schweren Doom spielen. All diese Bands leben unsere Idee von Musik. Sehr offene, freie Musik, die Gefühle ausdrückt.
Nicht nur durch die Texte.«

Eure Texte sind – wie auch die Musik – sehr experimentell und eigen.
Woher kommt denn da die Inspiration?

»Das ist ganz unterschiedlich. Auf der ersten Platte ist ein Stück, zu dessen Text mich ein Buch inspiriert hat, dass ich im Englisch-Kurs lesen musste. Der erste Satz ging über eine halbe Seite lang und war das Abgefahrenste, was ich je gelesen habe (lacht). Irgendwas mit Monstern und Wissenschaftlern. Auf dem ersten Album waren wir sehr von einigen echt albernen Geschichten angetan. Unsere Namensgeber stammen auch aus einem Buch, es handelt sich um außerirdische Känguruhs, die Wassertürme bewachen. Aber jetzt haben wir versucht, uns von der Fiktion etwas abzuwenden und über Persönliches zu schreiben. Das war der Versuch, Phänomene des Lebens zu vertonen. Ich habe neulich ein Buch über das Mittelalter und die Veränderung der Bedeutung des Lebens gelesen. Es dreht sich alles um das Leben. Um mein Leben und das von Anderen.«

Kommt es manchmal vor, dass du mit deinen Ideen ankommst und deine Bandkollegen sagen: Das ist totaler Schrott?

»Ich produziere keinen Schrott.«

Ich frage mal anders: Das letzte Album “The Calydonian Hunt“ war ein Konzeptalbum über die griechische Mythologie und nun ist die Thematik eine sehr freigeistige. Gibt es bei einem solchen Wandel keine Diskrepanzen?

»Wir setzten uns natürlich alle zusammen und überlegen, was wir machen wollen. Diesmal hatte niemand irgendwelche Wünsche, also haben wir es mit Brainstorming versucht. Denn wir sind Schweden und in der Kommunikation unserer persönlichen Befindlichkeiten sehr bescheiden und niemand will seine Erfahrungen aus privaten Beziehungen in Texte umwandeln. Gemeinsam hatten wir dann die Idee, etwas über einen Mann namens Landsburg zu schreiben; einen Privatdetektiv im 19. Jahrhundert, der Zeuge eines satanischen Rituals wird, immer mehr hineingerät und in schließlich völlig durchdreht. Aber letztendlich gefielen den anderen die Sachen, die ich geschrieben habe.
Wenn du jetzt aber beispielsweise Viktor fragst, wie er die Texte versteht, wird er wohl etwas völlig anderes sagen als ich. Er hört sich einfach meine Ideen an und überlegt, wie er sie vertonen kann. Wir haben da keinerlei Zwänge.«

Der Sound von „Cosmic Child“ ist sehr organisch, warm und versöhnlich geworden – vielleicht wirkt er auch so, weil ihr keine Growls mehr nutzt. Wie kam das?

»Auch das war so eine gemeinsame Entscheidung. Wir hätten eine ausschließlich aggressive und richtig gemeine Platte machen können und hatten dafür auch entsprechendes Material. Wir hatten 13 oder 14 Stücke und später alles rausgeworfen, was uns nicht gefiel. Wäre da plötzlich wie aus dem Nichts so ein Gegrunze aufgetaucht, wäre das auch unpassend gewesen und ich habe gemerkt, dass es für mich eine viel größere Herausforderung ist, klar zu singen. „The Calodonian Hunt“ war in vielen Aspekten ein Übergangsalbum, das aber wichtig für die Vorgabe unserer Richtung war. Wir standen irgendwo zwischen growligem Doom Rock, Groove und Stoner Rock und mussten uns überlegen, in welche Richtung wir gehen wollten. Das Ergebnis hörst du ja.«

Man hört deutlich die Wurzeln von altem Prog Rock, aber der Sound ist nicht so retro, wie von vielen eurer Landsleute ausgefallen. Haltet ihr nichts von dem aktuellen Retro-Trend?

»Doch, durchaus! Ich höre mir gerne alte Musik an und glaube, dass „Cosmic Child“ mir als Hörer besser gefallen würde, wenn die Platte eben so klingen würde. Vintage-Sounds und Hall hätten dem Ganzen sehr gut gestanden, aber das hätte sich verbogen und falsch angefühlt. Wir haben uns entschieden, ein klassisches, Siebziger-Prog-Rock-Album mit dem Sound des Jahres 2013 aufzunehmen. Die aktuellen Möglichkeiten waren für uns sehr reizvoll und ich glaube, das Endprodukt klingt sehr kraftvoll und charakteristisch. Das Schöne am Musik machen ist ja, dass wir nicht zwingend das Eine oder das Andere tun müssen sondern einfach das, was uns gut gefällt.«

 

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