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GIANT SLEEP

Interview mit der Demoband des Monat 09/14

GIANT SLEEP

Ein neuer Stern der Rockmusik namens GIANT SLEEP ist in Süddeutschland direkt an der Schweizer Grenze aufgegangen. Und zumindest drei der fünf Mitglieder sind keine Unbekannten. Die Sechssaitenfraktion Patrick und Markus zockte bereits gemeinsam bei Fear My Thoughts, während Frontmann Thomas drei Alben mit den süddeutschen Thrashern Destruction aufnahm.

Nun haben diese drei zusammen mit der Rhythmustruppe Rado und Manuel eine erstklassige Demo-Scheibe namens „Giant Sleep“ aufgenommen, die sich irgendwo zwischen Classic-Rock, Stoner-/Doom-Metal, Bluesrock, Postrock, Prog und Grunge-/Alternative-Rock bewegt und nicht hinter den Großen der genannten Genres verstecken braucht. Grund genug für uns, die Band mit einigen Fragen zu löchern.

Glückwunsch, ihr habt es geschafft, Demoband des Monats im Rock Hard zu werden. Wie habt ihr die Nachricht aufgenommen?

Patrick: »Wir haben uns natürlich total gefreut. Ich selbst bin seit langem Roch-Hard-Abonnent, und kaufe das Heft seit 1989. Ich müsste seitdem eigentlich jede Ausgabe besitzen. Ich lieber euer Mag!«

Ihr stammt zum Teil aus Süddeutschland, zum Teil aus der Schweiz. Wie habt ihr euch gefunden?

Patrick: »Wir wohnen praktisch direkt an der Grenze zur Schweiz, bei Basel, wo wir auch proben. Von mir aus sind es praktisch fünf Minuten bis zur Grenze. Hier in der Gegend gibt es eine große grenzübergreifende Musikszene. So kennt man sich eben, ungeachtet der Nationalität.«

Wie würdet ihr euren Sound selbst charakterisieren?

Patrick: »Das fällt uns selbst eher schwer. Wir nennen es einfach Rockmusik. Wir haben alle vielfältige musikalische Einflüsse, und versuchen diese – bewusst und unbewusst – in dieser Band unterzubringen. Jeder in der Band würde den Sound wahrscheinlich anders beschreiben. Der eine würde Postrock sagen, der zweite Prog, der dritte Bluesrock.«

Markus, Patrick, ihr habt bereits zusammen bei Fear My Thoughts gespielt, die eher einen Thrash-Background hatten, während Thomas in den Neunzigern bei den deutschen Thrashern Destruction hinterm Mikro stand. Wie kommt es, dass ihr euch nun in einer Classic-Rock/Stoner-Metal-Band wiederfindet?

Patrick: »Wie gesagt, verschiedene Einflüsse – also nicht nur aus dem Metalbereich – haben schon immer eine große Rolle bei uns gespielt, das hat man bei Fear My Thoughts heraushören können, die ja auch Einflüsse aus Progrock oder Postrock verarbeitet haben. Thomas hat bei Destruction gesungen, und dort auch neue genrefremde Einflüsse eingebracht. Er hat auch seit Ende der Achtziger seine total abgefahrene und faszinierende Band Ephemera's Party, die mich irgendwie an eine Mischung aus Panters und Pink Floyd erinnert, haha. 
Dieser Classic Rock Einfluss kam einfach aus uns heraus, das war nicht so geplant, wir haben einfach Songs geschrieben.«

Wie sieht der musikalische Background von Rado und Manuel aus und was war deren bisheriger Werdegang?

Patrick: »Rado hat vorher bei der geilen Rotzrock-Band Kate On Crack gespielt, und mit dieser zwei Alben veröffentlicht. Manuel war bei der Schweizer Indierock-Band Sepia aktiv, die auch diverse Alben veröffentlicht hat.
Der musikalische Background der beiden ist ebenfalls sehr vielfältig. Rado steht z.B. total auf 60 & 70s Soul und 80s Hip-Hop, aber auch auf Doom, Stoner und Sludge.«

Habt ihr das Album analog oder digital aufgenommen und welche Methode bevorzugt ihr?



Patrick: »Ich habe das Album produziert. Davor war ich schon öfter als Produzent für diverse Bands tätig. Wir haben das Album in unserem Proberaum aufgenommen, damit wir ohne Zeitdruck arbeiten können. Zudem haben wir ja alles selbst finanziert, darum mussten wir natürlich auch auf den finanziellen Aspekt achten. Die Platte wurde digital aufgenommen, aber ich habe darauf geachtet, möglichst viele „Vintage“-Mikros und Preamps zu verwenden, da diese einfach geiler klingen. Zudem wurden beim Mastering ein paar schöne Analogschätzchen verwendet.
Hätten wir die finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten wäre es natürlich am Tollsten, alles analog auf Band aufzunehmen.«

In dem Song 'Angry Man' heißt es: „Why am I angry all the time?... I lose my pace again... people starving on television... politicians telling lies... I wonder, if there's a demon inside of me, because I feel like a stranger... is it from too much testosterone“- worauf bezieht sich das?


Thomas: »'Angry Man' soll eine Analyse menschlicher Wut sein. Wut zieht sich durch die Menschheitsgeschichte wie ein roter Faden. Viele Leute sind angetrieben und gesteuert von Wut. Jede Textzeile von 'Angry Man' stellt eine mögliche Frage, woher sie kommt, in der aber auch irgendwie eine Antwort oder eine billige Ausrede steckt. Ich habe immer wütende Musik gemacht und auch das kann man ja mal hinterfragen.«

Thomas, deine Stimme wurde in unserem Review mit Jello Biafra verglichen, während sludgelord.com dich in die Nähe von Chris Cornell rückt. Was hältst du davon?



Thomas: »Es gibt tatsächlich eine Stelle im Refrain von 'Halucifer Rising', die mich auch an Biafra erinnert. Da bin ich ja froh, dass nicht nur ich das gehört habe. Ich bewundere Jello Biafra aber mehr als Politiker und Texter denn als Sänger.
Bei Chris Cornell glaube ich, dass wir vielleicht ähnliche Vorbilder im Blues (Howlin Wolf, Muddy Waters) und im Rock (Deep Purple, Black Sabbath, Free) haben. Aber das sind ja alles Ikonen. Solche Vergleiche ehren mich sehr, erinnern mich aber ein bisschen an den Kuckuck und den Esel. Danke trotzdem!«

Ripple-Effects vergleicht euch mit der Studio-Band Dawnbringer, während auch Vergleiche mit Monster Magnet, King Crimson, Queens Of The Stone Age oder TOOL fallen. Mich erinnert das Songmaterial streckenweise sogar an alte Black Sabbath oder Alice in Chains, im Song 'Nothing Is Real' sogar an Audioslave. Könnt ihr irgendwelche konkreten Einflüsse nennen?



Patrick: »Also den Vergleich mit Dawnbringer finde ich schon interessant, ich habe nicht den Eindruck dass wir musikalisch viel gemeinsam haben, ich mag das „Nucleus“-Album von Dawnbringer aber sehr. Wo ich Parallelen zu Chris Black von Dawnbringer sehe, ist die Bereitschaft, viele verschiedene Dinge auszuprobieren, wie man anhand seiner Betätigungsfelder sehen kann (Dawnbringer, High Spirits, Nachtmystium, Toxic Holocaust). Das finde ich bewundernswert. Die anderen genannten Bands sind sicher Einflüsse für uns. Zu meinen absoluten Lieblingsbands zählen Pink Floyd, Radiohead, Iron Maiden, Neurosis, Mastodon, King Crimson, Black Sabbath. Aber es gibt keine konkreten Bands oder so, auf die wir uns beziehen. Wobei wir ja zu Beginn oft Arbeitstitel für Songs haben, und das sind dann oft Bandnamen, die uns in den Sinn kommen, weil uns der Track irgendwie an diese Band erinnert. Auffallend oft kommt da der Bandname Amplifier ins Spiel, hehe.«

Im Song 'Another Adventure (No One Needs)' heißt es u.a. „If good lord is willing, I will succeed, I will survive another adventure no one needs.“ Bezieht sich das auf ein konkretes Erlebnis?


Thomas: »In den Texten versuche ich kleine Geschichten zu erzählen, die aber meistens so vage gehalten sind, dass da noch ganz viel Platz für dich da ist. Im Song 'Another Adventure (No One Needs)' wird deshalb auch nie verraten, um was für ein unangenehmes Abenteuer es überhaupt geht. Und dann kommt deine Fantasie ins Spiel: Handelt der Song von einer Katastrophe oder von einer langweiligen Busfahrt, einem Zahnarztbesuch, Krieg, Haft oder einer harten Nachtschicht? Das Lied soll allen Mut machen, die Mut brauchen.«

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Thomas: »Wir würden gerne ein paar mehr Shows spielen, und zudem haben wir schon einige Songs für ein weiteres Album geschrieben. Vielleicht findet sich sogar ein Label für den Release des nächsten Albums (Hallo Labels, bitte melden!)«


http://giantsleep.bandcamp.com/releases

www.facebook.com/giantsleep

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