Online-MegazineInterview

HIGH SPIRITS

Für ein paar Dollar mehr

HIGH SPIRITS

Der Erfolg von HIGH SPIRITS und deren Debüt „Another Night” war in dem Umfang sicher nicht vorhersehbar, und auch Selbstunterhalter Chris Black konnte es nicht richtig glauben. Im Interview spricht Chris über den Druck den er beim Songwriting für das zweite Album „You Are Here” verspürt hat, die optimale Spielzeit einer Platte und die Aussage, er sei ein lausiger Gitarrist. Herr Black entpuppt sich dabei als sympathischer und ehrlicher Gesprächspartner.

Chris, wie lange hast du an dem Material für das neue Album geschrieben?

»Ich habe mich dem Album schrittweise genähert. Das Ganze hat einige Monate in Anspruch genommen, sagen wir die zweite Hälfte des letzten Jahres. Mit den eigentlichen Aufnahmen habe ich im November 2013 begonnen, im Januar diesen Jahres war endlich alles im Kasten. Die Produktion hat sich so lange gezogen, weil ich im Studio erst noch das Songwriting zum Abschluss bringen musste (lacht). Es gab einige Melodielinien und Textpassagen, die mir so nicht mehr gefallen haben, deshalb habe ich diese Sachen noch einmal überarbeitet.«

Warum hast du das Album und alle Instrumente selbst aufgenommen? Immerhin spielst du live auch mit einer Band. Geht es da um die totale Kontrolle über die Produktion? Ich finde, eine zweite Meinung kann nie schaden.

»Deine These ist nicht ganz richtig. Ich habe zwar die Instrumente alle selbst eingespielt, aber es ist nicht so, dass ich keinen Wert auf Feedback lege. Die finale Entscheidung, was Musik und Produktion betrifft, liegt natürlich bei mir. Dennoch stehe ich mit den anderen Bandmitgliedern in regem Austausch während der Produktionsphase und höre mir ihre Meinung zum Produktionsstand gerne an. Das ist manchmal hart, denn die Jungs sagen mir immer ihre ehrliche Meinung ins Gesicht (lacht), aber ohne das Feedback der Bandmitglieder würde es nicht funktionieren.«

Hattest du keine Angst irgendwann den Überblick über die Produktion zu verlieren?

»Doch, zu jeder Zeit. Es ist sehr schwierig den Überblick zu behalten, wenn du dich alleine für eine Produktion auszeichnest. Viel schlimmer ist es aber bei deinem Privatleben, das primär unter einer solchen Situation leidet, beziehungsweise gar nicht stattfindet. Immerhin hatte ich während der Produktion nur einen Zusammenbruch, normalerweise sind es zwei oder drei (lacht). Bei manchen Alben, die ich aufgenommen habe, war es so, dass ich alles hingeschmissen und noch einmal komplett von vorne angefangen habe. Mein Urteilsvermögen ist stabiler geworden, seitdem ich nicht mehr trinke. Auf der anderen Seite ist der Stress auch schwerer zu managen.«

„You Are Here” hat wie auch sein Vorgänger „Another Night” einen angenehmen warmen Sound, der mit heute typischen Produktionen nicht allzu viel gemein hat. Wie schwer ist es mit der modernen Technik einen solchen Sound hinzubekommen? Ich gehe mal nicht davon aus, dass dir eine Produktion mit Bandmaschinen leisten kannst.

»Nein, „You Are Here” ist komplett mit ProTools entstanden - das altmodische Equipment der Zukunft (lacht). Im Ernst, es ist wesentlich angenehmer mit den Werkzeugen zu arbeiten, die einem heute zur Verfügung stehen. Ich habe eventuell einige Mikrofone, die wir für die Drums benutzt, die unter das Label ‚altmodisch‘ fallen. Das weiß ich aber gar nicht mehr so genau. Wir haben das nicht großartig diskutiert, es war vielmehr so, dass die Songs den Sound und Produktionstechniken vorgegeben haben. So war es auch schon beim letzten Album.«

Einige Kritiker haben bemängelt, dass „You Are Here” im direkten Vergleich zum Vorgänger abfällt. Kannst du diese Kritik nachvollziehen?

»Sicher. Was für den einen ein Hit ist, klingt für den anderen wie ein Lückenfüller. So war es schon immer und ich mache mir auch nicht allzu viele Gedanken darüber. Die Geschmäcker sind eben verschieden.«

Wo siehst du die Unterschiede zwischen den Alben?

»Die neue Platte ist härter, denke ich. Der Sound ist auf jeden Fall härter. Die Instrumente haben mehr Freiräume bekommen und lassen sich gegenseitig genug Platz zur Entfaltung. Das war auf dem Debüt noch nicht der Fall. Wir haben beim neuen Album zudem einige Sounds in ihrer ursprünglichen Form gelassen, was die Platte auch etwas rauer klingen lässt. Bezogen auf das Songwriting würde ich sagen, dass eher der Gesang die Songs führt als die Gitarren. Auch das hat sich beim Debüt noch anders verhalten.«

Ein anderer Kritikpunkt betrifft die nicht gerade üppige Spielzeit von beiden HIGH SPIRITS-Alben. Hast du nicht mehr Material zusammen bekommen? Oder orientierst du dich in dieser Hinsicht – ganz im Stil der Old-School-Attitüde von HIGH SPIRITS – eher an der Spielzeit von Vinyl?

»Diesen Kritikpunkt habe ich, ehrlich gesagt, noch gar nicht zu hören bekommen. Aber es stimmt, alles was über 18 Minuten Spielzeit auf einer LP-Seite überschreitet, geht zu Lasten der Soundqualität und das möchte doch niemand (lacht). Mir persönlich gefallen Alben, die eine ungefähre Spielzeit von 35 Minuten haben. Bei einer so kurzen Spielzeit kannst du dir weniger Lückenfüller erlauben. Wenn dir 35 Minuten aber zu kurz sind, dreh die Platte einfach um und hör sie noch einmal (lacht).«

Der Erfolg von „Another Night” war so nicht unbedingt zu erwarten. Wie sehr hast du beim Komponieren von „You Are Here” nun Druck verspürt?

»Viele Musiker sagen, dass sie nach einem erfolgreichen Album beim Komponieren des Nachfolgers keinen Druck verspüren. Das kann ich leider nicht behaupten, denn ich habe den Druck während der ganzen Zeit gespürt.«

Du hast Dich in einem Interview einmal als lausigen Gitarristen beschrieben. Wäre es da nicht sinnvoll, sich einen Partner an die Seite zu holen, damit man eventuell noch ein paar Prozente mehr aus den Kompositionen heraus kitzeln könnte?

»Die Idee hatte ich auch schon, klar. Es ist aber so, dass die Songs dann nicht mehr wie HIGH SPIRITS klingen würden, wenn ich mir jemanden als Songwriting-Partner ins Boot holen würde. Mein limitiertes Können an dem Instrument hilft den Sound von HIGH SPIRITS zu definieren. Das heißt, ich muss mehr auf Intonation etc. achten, da es Sachen gibt, die für mich unmöglich zu spielen sind.«

Siehst du in dem momentanen Erfolg kommerzielles Potential? Wie weit würdest du gehen, um mit der Band Geld zu verdienen? Ihr könntet beispielsweise eine Merch-Offensive wie Kiss starten.

»Gute Idee (lacht). Das Hauptprodukt von HIGH SPIRITS werden aber immer die Songs bleiben. Ich sehe zudem keine Notwendigkeit dafür, irgendwelchen Schrott mit unserem Logo zu verzieren, nur um ein paar Mäuse mehr zu machen. Unter dem Strich ist es so, dass wir mit unserem aktuellen Status genug verdienen, um die Band am Leben zu halten und uns nicht korrumpieren zu lassen. Auf die Gefahr hin, dass es abgedroschen klingt, aber mich befriedigt die Gewissheit, in dieser Band zu spielen, schon ungemein. Da kommt es auf ein paar Dollar nicht an.«

Verglichen mit deinen anderen Projekten, ist die Musik von HIGH SPIRITS regelrecht simpel gehalten. War es dir ein Bedürfnis auch einmal einfach losrocken und das Gehirn ausschalten zu können?

»Ich hatte einfach das Bedürfnis, mich in einem neuen musikalischen und textlichen Umfeld zu entfalten. In den letzten Jahren haben sich viele Ideen bei mir angesammelt, die ich nicht bei meinen anderen Bands unterbringen konnte, deshalb war der Schritt nur logisch. Was die Simplizität der Songs angeht, kann ich dir aber nur bedingt zustimmen. Ein Stück wie 'Reminding Me Of You' ist sicherlich simpel und sehr basisch gehalten, aber 'I Will Run' oder 'Midnight Lady' von unserem Demo fordern dich als Musiker mehr (lacht).«

Du hast mal gesagt, dass du fest daran glaubst, mit der Musik von HIGH SPIRITS die Welt verbessern zu können. Eine sehr romantische Vorstellung, aber wie stellst du dir das vor? Die wenigsten Menschen in den wirklich wichtigen Positionen werden keinen Zugang zu HIGH SPIRITS oder Metal im Allgemeinen haben.

»Hmm… Ich weiß nicht genau, wann ich das gesagt habe. Aber es ist doch so, dass jeder von uns die Welt ein Stück weit besser machen kann. Man muss bei sich selbst anfangen, dann kann es funktionieren. Die Spezies Mensch ist reich an Empathie, Einfallsreichtum, Güte und Fortschritt, das sollten wir nutzen. Für mich waren HIGH SPIRITS die Initialzündung in dieser Hinsicht. Seitdem ich die Band habe, bin ich ein besserer und ausgeglichener Mensch.«

Siehst du HIGH SPIRITS eigentlich als richtige Band oder eher als Projekt?

»Ganz ehrlich? Zunächst habe ich überhaupt nicht an eine Band gedacht. Ich hatte vielmehr ein Songwriting-Projekt im Kopf, bei dem ich mich richtig austoben konnte. Dass daraus etwas viel Größeres entstanden ist, war am Anfang nicht zu erahnen. Trotzdem ist die Band aus einem simplen Grund kein Fulltime-Job. Wir wollen unser Privatleben nicht zu Gunsten der Band limitieren. Das heißt aber nicht, dass wir die Band auf die leichte Schulter nehmen. Wir werden bei HIGH SPIRITS immer alles geben.«

Wie ernst ist dir das Projekt Metalusafer, mit dem du vor kurzem eine Single herausgebracht hast?

»Es handelt sich dabei um einen Tribut an Metalucifer, allerdings mit eigenem Songmaterial. Wir haben eine 7” veröffentlicht und eine Show gespielt. Die Idee hierzu hatte ich schon vor ein paar Jahren, konnte sie aber erst kürzlich realisieren. Ich denke aber, dass es bei diesen Aktionen bleiben wird. Ich habe momentan ganz andere Baustellen, so dass ich für dieses Projekt keine Zeit aufbringen kann.«


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