Online-MegazineInterview

ADRENALINE MOB

Der Schlüssel zum Königreich

ADRENALINE MOB

Auch wenn ein Teil der Prog-Rock-Welt verächtlich die Nase rümpft, ist ADRENALINE MOB, der neuen Band um ex-Dream-Theater-Drummer Mike Portnoy, Symphony-X-Sänger Russel Allen und Gitarrist Mike Orlando, mit „Omertà“ ein starkes Debüt gelungen. Die Mischung aus New Rock und Groove Metal überrascht in Anbetracht der teilhabenden Musiker, überzeugt aber durch gekonntes Songwriting – vorausgesetzt man ist bereit die Prog-Scheuklappen abzulegen. Wir klingelten bei Russell Allen zur Bestandsaufnahme durch.

Russell, nachdem euch Stuck-Mojo/Fozzy-Gitarrist Rich Ward und Fozzy-Bassist Paul Di Leo im Januar aufgrund von Terminschwierigkeiten verlassen haben, habt ihr vor wenigen Tagen euren ersten Gig mit eurem neuen Bassisten John Moyer (Disturbed) gespielt. Wie ist es gelaufen?

»Super, es war sogar in zweifacher Hinsicht eine Premiere für uns, denn wir sind auch zum ersten Mal mit nur einem Gitarristen aufgetreten. Wenn es nach mir geht, dann bleiben wir ein Fourpiece. Ich habe es geliebt, man konnte die Gitarre und den Bass super raus hören.«

Adrenaline MobMir gefällt „Omertà“ ausgesprochen gut. Allerdings scheinen viele Dream-Theater- und Symphony-X-Fans aufgrund der modernen Klänge ein wenig irritiert zu sein.

»Ja, ich denke, dass ist eine nette Umschreibung der Gefühle, die in der Prog-Welt gegenüber ADRENALINE MOB herrschen (lacht). Man muss es so sehen: ich habe keine Lust außerhalb von Symphony X noch weitere Prog-Musik zu machen. Bei Mike Portnoy sah es ähnlich aus. Von daher stellten wir schon zu Anfang klar, dass es bei dieser Band um etwas anderes gehen würde. Aber wir werden uns für nichts entschuldigen, das Album ist super geworden, richtig schöner „Straight Forward Rock“ und „In Your Face Metal“. Wir versuchen nicht die Fans auf die Palme zu bringen. Sie müssen einfach aufhören, mit Erwartungen,die sich nicht erfüllen werden, an die Platte heranzugehen. Ich verstehe, dass sie ein bestimmte Wunschvorstellung im Kopf haben, aber wir wollen weder das Rad neu erfinden, noch mit unseren jetzigen oder damaligen Bands einen Wettstreit ausfechten. ADRENALINE MOB ist einfach ein neues Ding, eine neue Richtung.
Die Prog-Welt ist schon ein sehr spezielle Nische in der Rockmusik. Die Fans verehren ihre Bands fast wie einen Kult. Ich liebe sie, sie sind verdammt loyal. Aber ich verlasse Symphony X ja nicht. Portnoy und ich wollten einfach was anderes machen. Wir waren immer Rock- und Metalfans und das leben wir nun aus.«

Kennst du das „Hitler Reacts To The Adreneline Mob-EP“-Video auf Youtube?

»(lacht) Ja, das ist wirklich witzig, wir konnten darüber gut lachen. Ich hoffe, dass die deutschen Fans das nicht zu anstößig finden, aber ich fand es wirklich sehr witzig.«

Im Prog-Rock interessiert das Alter der Musiker nicht sonderlich. Habt ihr manchmal Bedenken, dass ihr nicht ein bisschen zu alt dafür seid, um mit dieser Musik vernünftig vermarktet werden zu können? Die meisten Bands, die diesen oder einen ähnlichen Musikstil spielen, sind wesentlich jünger als ihr.

»Ja und nein. Die Jungs von Five Finger Death Punch sind zum Beispiel nicht viel jünger als wir. Traditionellerweise ist Rock schon eine jüngere Bewegung, aber erzähle doch mal Van Halen, dass sie zu alt sind!«

Meine Frage zielte auf euren modernen Rock-Stil ab. Van Halen spielen ja Classic Rock.

»Wir sind momentan einfach in der Form unseres Lebens. Kommt zu unseren Konzerten und sagt uns dann wie alt wir sind! Ich gebe jeden Abend Vollgas und schwitze wie ein Berserker, egal vor welchem Publikum. Natürlich bin ich mir im Klaren darüber, dass wir älter als so manch andere Band sind, aber ich sehe das gern als Herausforderung. Gebt uns die heißeste jüngste Band, die ihr habt! Wir werden gerne gegen sie antreten. Und guck dir nur Volbeat an. Die Jungs sind auch Mitte oder Ende 30 und nehmen die USA gerade im Sturm ein. Gute Musik ist einfach gute Musik. Natürlich gibt es immer Nörgler, aber auch die sollten uns einfach mal live sehen.«

Das Gute an eurem Alter ist, dass ihr sehr erfahrene Songwriter seid. Viele jüngere Bands kümmern sich mehr um den Sound als um die Songs.

»Richtig. Gute Songs waren schon immer der Schlüssel zum Königreich. Allerdings ist der Sound auf unserem Album ebenfalls der Wahnsinn. Er verbindet moderne und traditionelle Elemente. Der Mix von Jay Ruston ist einfach der Knaller. Es gibt derzeit wohl kaum einen besseren Mixer.«

Stimmt, Jay scheint sich gerade als hochkarätiger Mix-Engineer zu etablieren. Er hat in letzter Zeit einige Alben mit einem exzellenten Sound veredelt (u.a. Steel Panther, Anthrax). Durch welche Platte seit ihr auf ihn aufmerksam geworden?

»Hauptsächlich durch die letzte Anthrax-Scheibe. Er hat eine frische Herangehensweise an diesen Musikstil und ist ein absoluter Profi mit dem man super auskommt. Ich denke, er hat einen großen Anteil daran, dass wir gute Kritiken für unsere Platte bekommen.«

Ist es für Mike Portnoy und dich befreiend im Vergleich zu Dream Theater und Symphony X eher simple Rocknummern spielen und singen zu können?

»Ja, absolut. Es ist befreiend, da dies ein Kindheitstraum in uns allen ist. Wir mochten immer eingängige, simple Songs. Wir lieben beide Van Halen sowie Rock und Metal im Allgemeinen. Wir haben wirklich verdammt viel Spaß mit dieser Band. Es ist sehr befreiend, diese innere Kind raus lassen zu können.«

Mit dem Duran-Duran-Song 'Come Undone' habt ihr eine recht ungewöhnliche Coverversion auf dem Album.

»Die Idee dazu stammt von Mike Orlando, er wollte den Song schon immer mal covern. Ich war anfangs sehr skeptisch und bezweifelte, dass sich das gut umsetzen lässt. Auch als er mir seine Riffs dazu vorspielte, war ich noch nicht überzeugt. Doch dann dachte ich daran, wie Type O Negative so ein Lied angegangen wären. Von dem Punkt an hatte ich dann eine Vorstellung wie der Track klingen könnte. Ursprünglich hatte Mike noch mehr rhythmische Arrangements eingeplant, aber das führte zu weit von dem ursprünglichen Arrangement weg. Der Gastgesang von Lzzy Hale (Halestorm-Sängerin - rb) hat den Song dann noch auf ein höheres Level gehoben.Außerdem wird auch hier wieder klar: Ein großartiger Song ist ein großartiger Song, egal wie man ihn umsetzt.«

 

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