Online-MegazineInterview

MOB RULES

Der geheime Literat am Keyboard

MOB RULES

Mit „Tales From Beyond“ zeigen MOB RULES, dass sie auch im 22. Jahr ihres Bestehens tolle Melo-Metal-Platten irgendwo zwischen neueren Maiden und Queensryche machen können. Ein schöner Anlass also, Sänger Klaus Dirks anzurufen, um mit ihm unter anderem über Kontinuität, Cover und Konzept zu quatschen.

Hallo Klaus! Wie gehts dir so kurz vor dem Release der achten Platte? Immer noch nervös, oder ist das schon Routine?

»Nee, Routine ist das nicht, wir haben ja zwischendurch zum Beispiel auch mal das Label gewechselt. Aber im Moment ist es sehr spannend, weil wir schon sehr viele, gute Rückmeldungen bekommen haben und da bin ich wirklich gespannt, was da so geht. Ich habe auf jeden Fall ein gutes Gefühl, weil alles sehr passend ist, auch mit der Tour anschließend. Deswegen bin ich fröhlich erregt, kann man sagen.«

Mix und Mastering übernimmt seit „Among The Gods“ Markus Teschke. Was zeichnet die Arbeit mit ihm aus?

»Wir arbeiten ja mittlerweile schon seit über zehn Jahren zusammen und nach so einer Zeit kennt man sich dann einfach. Es ist auch keine eingefahrene Schiene, er entwickelt sich genauso weiter wie wir und deshalb hat man nicht das Gefühl, dass sich da was abgenutzt hat. Gerade in letzter Zeit verändert sich ja ständig irgendwas, gerade hinsichtlich der Studiotechnik und den ganzen Möglichkeiten in dem Bereich und er ist dem einfach sehr aufgeschlossen, genauso wie gegenüber uns als Band. Das macht einfach immer viel Spaß mit ihm. Ich nehme ja immer mit ihm zusammen die Vocals auf und da ist es einfach gut, jemanden zu haben, der einen kennt und zu Höchstleistungen antreiben kann.«

War es euch nie ein Bedürfnis, mal „frische Ohren“ auszuprobieren? Es gibt ja einige Bands, die das zumindest laut Selbstaussage viel weitergebracht hat.

»Wir haben da schon mal drüber gesprochen. Ich meine, das ist ja klar, aber es stand bis jetzt nie wirklich zur Debatte. Es ist eher so, dass wir für uns überlegen, wo es hingehen soll, und dann sprechen wir das mit ihm durch. Wir liefern dann Beispiele und er versucht das umzusetzen. Er ist da sehr offen und lässt auch viel von der Band zu. Es gibt ja auch Studios, die machen ihr Ding und dann kriegst du halt am Ende das Paket. Er ist da sehr flexibel und vielschichtig, deswegen hatten wir da nie das Bedürfnis, mal was ganz anderes zu probieren. Es birgt ja auch das Risiko, dass es ein Rückschritt ist, wenn du was abbrichst und woanders neu anfängst. Natürlich wollen wir uns weiterentwickeln und neue Sachen ausprobieren, aber da arbeiten wir eher an uns selbst. Ich glaube, dass viele Bands, die den Produzenten gewechselt haben, vielleicht auch auf der Suche nach einem anderen Sound waren. Wir haben eigentlich immer schon feste Vorstellungen, wo wir hin wollen und außerdem haben wir gerne alles in der Hand. Es macht einfach Spaß, vom Songwriting über den Sound bis hin zum Artwork alles selber zu machen. Unser Trommler (Nikolas Fritz, mab) gestaltet zum Beispiel das Artwork, steckt da viel Arbeit rein und macht sich viele Gedanken.«

Schön, dass du auf das Artwork zu sprechen kommst. Ich finde das Cover wirklich sehr cool und gelungen. Was genau zeigt es?

»Dazu muss man erstmal sagen, dass Nikolas seit der „Radical Peace“ die Artworks macht. Er ist da immer sehr kreativ und hatte gerade bei diesem Cover das Konzept von Anfang an im Kopf. Das bezieht sich von der Bildlichkeit her auf die letzten drei Songs (die 'Tales from Beyond'-Songtrilogie, mab), und auf die Kunstart des Art déco. Da bin ich jetzt zugegebenermaßen nicht der richtige Ansprechpartner, da könnte dir Nikolas sicherlich mehr zu sagen, aber es irgendwie eine spezielle Illustrationsart aus den Zwanziger und Dreißiger Jahren. Die letzten drei Songs hängen ja konzeptionell zusammen, da haben wir uns an „Der Marsianer“ (Roman von Andy Weir, mab) orientiert. Inhaltlich geht es darum, dass ein Astronaut bei einer Marsmission nach einem Sturm auf dem Mars zurückgelassen wird, weil die anderen dachten, er sei umgekommen. Das Cover soll eben dieses Konzept widerspiegeln.«



Ich dachte, dass die Wellen um die Person herum auch gut zu 'Dykemaster's Tale' passen.

»Wir haben durchaus überlegt, was wir für Texte und Geschichten auf das Album passen würden, aber ein paar Sachen haben sich dann einfach ergeben. Dass die Platte zum Beispiel „Tales From Beyond“ heißen wird, war erst ganz zum Schluss klar, weil sich eben zu dem Konzeptsong noch viele andere Geschichten dazu kamen. Wir wollten eigentlich den Titel mehr auf das Konzept der letzten drei Songs beziehen, haben aber irgendwann gemerkt: Das deckt die Platte nicht mehr so ganz ab, weil sie eben doch vielschichtiger ist. Das Artwork ist aber auf jeden Fall an dem Marsianer orientiert. Ich wusste auch am Anfang nicht, ob ich das gut oder schlecht finden soll, weil es eben sehr speziell ist. Aber ich bin echt erstaunt, wie das Cover reingehauen hat und wie gut das bei den Leuten angekommen ist.«

Vor allem, weil es ja für Melodic Power Metal wirklich sehr unüblich ist.

»Als ich die ersten Entwürfe gesehen habe, hat es mich an diese Achtziger-Jahre-US-Metal-Bands erinnert. Ich muss auch sagen, dass ich darauf niemals gekommen wäre, aber im Nachhinein bin ich wirklich glücklich damit!«

Du hast ja gerade schon mal anklingen lassen, dass ihr ursprünglich ein Konzept im Kopf hattet, oder habe ich das falsch interpretiert?

»Wir hatten unsere Ideen und zwei, drei Sachen waren vom Material recht ähnlich, so dass wir quasi zwangsläufig auf die Idee kamen, das zu bündeln, was aber nicht unbedingt geplant war. Zu der Zeit kam dann unser Keyboarder (Jan Christian Halfbrodt, mab) mit dem Marsianer um die Ecke, weil er gerade das Buch gelesen hatte. Da wussten wir auch noch nicht, dass es dazu einen Film geben würde. Diese Science-Fiction-Geschichte passte einfach gut zur Musik, wie wir fanden. Das war irgendwie auch ganz witzig, als dann die ersten Trailer zum Film kamen und man nochmal ein besseres Gefühl für die Geschichte bekommen hat. Wir haben uns dann drei Phasen vorgenommen, die wir textlich und musikalisch umgesetzt haben. Zusätzlich hat der Zufall noch mit reingespielt. Sven (Lüdke, Gitarre, mab) hatte zum Beispiel einen mächtigen Song im Hinterkopf, bei dem wir textlich zuerst an die schottischen Highlands gedacht hatten. Die textliche Idee zu 'Dykemaster's Tale' (in dem es um „Der Schimmelreiter“ von Theodor Fontane geht, mab) war auch schon da, und da haben wir festgestellt, dass das eigentlich ganz gut passt. Es kam auch noch dazu, dass Sven Interviews für Amerika gegeben hatte, in denen er gefragt wurde, warum eine deutsche Band so einen Brocken wie den Kennedy-Mord musikalisch aufbereitet, aber sich nicht mit deutschen Geschichten beschäftigt. Und da haben wir gedacht: Eigentlich haben die ja Recht. Vor allem spielt die Geschichte ja hier bei uns im Jeverland.«

Generell zieht ihr eure Inspiration ja gerne aus der Literatur. Bringt da jeder von euch mal Bücher mit?

»Nee. Sonst hat der Matthias (Mineur, Gitarre, mab) fast alle Texte geschrieben, aber das war diesmal anders. Jan Christian ist ja unser „Bandküken“, weil er erst 2010 dazukam, und er hat sich dieses Mal halt angeboten. Wir waren auch hellauf begeistert, weil er einen anderen Ansatz hat. Ich wusste vorher gar nicht, dass er so viele Bücher liest und so viele unterschiedliche Interessen hat, was Geschichten angeht. Da haben wir also eher in der Richtung was anderes probiert und eben nicht ein anderes Studio. Das war auch ganz gut, weil man sonst Gefahr läuft, in Schema F zu verfallen und dann wird's schnell auch langweilig.«



Das scheint sich ja gelohnt zu haben, Kollege Peters meint im Review (zu finden in RH 347, mab), dass ihr nach den letzten beiden Alben wieder zurück zu alter Form gefunden habt.

»Ich als Künstler bin natürlich nicht der Meinung, dass die „Radical Peace“ ein schwaches Album ist. Wir haben gerade aus der Platte viel Erfahrung mitgenommen, was auch zu der neuen Platte geführt hat, um die Sache auch zu bündeln. Gerade an dem Kennedy-Song (gemeint ist 'The Oswald File', mab) haben wir damals ein halbes Jahr gedoktert, da haben wir ungefähr vier bis fünf Stunden Musik auf 20 Minuten destilliert. Das war für uns ein Meilenstein!«

Kommen wir zur ersten „Tales From Beyond“-Single 'On The Edge'. Da geht ihr recht hart mit der heutigen Mentalität ins Gericht, dass jeder Mensch immer zu funktionieren hat. Was würdet ihr ändern und vor allem wie?

»Im Grunde kann das jeder nur selber ändern. Man braucht heutzutage einfach eine gewisse Gelassenheit. Ich merke das zum Beispiel bei mir selbst: Früher haben wir bei einem neuen Release für MOB RULES Anzeigen geschaltet und Interviews gegeben, alles hatte einen klaren Fahrplan. In den letzten fünf, sechs Jahren habe ich echt das Gefühl, dass man sich bei jeder Veröffentlichung neu orientieren muss, wie man das Produkt an den Markt bringt, weil sich das Verhalten der Fans innerhalb von kurzer Zeit dreht. Ich glaube dem muss man mit einer gewissen Offenheit, aber auch einer gewissen Ruhe begegnen. Sich allem zu verschließen, geht schließlich auch nicht.«

Das macht ihr ja auch nicht, wie euer exklusiver iTunes-Song 'Ghost Town' zeigt.

»Da waren wir der Plattenfirma gegenüber offen. Wir hatten auch durchaus Zeiten, wo wir vieles abgelehnt haben, aber da bin ich mittlerweile lockerer. Ich würde natürlich auch nicht alles machen, aber für einen Bonussong auf iTunes bricht sich ja keiner einen Zacken aus der Krone.«

Ich hatte mich eher gefragt, ob es geplant ist, das Ding für die Allessammler unter euren Fans irgendwann nochmal physisch rauszubringen?

»Nein, da gibt es keine Pläne. Es gibt die Bonussongs auf iTunes und auf dem Digipak vor allem deshalb, weil der Markt das möchte. Ich wüsste auch nicht, was das für einen Sinn macht. Wenn einer an den Song herankommen möchte, hat er ja die Möglichkeit. Außerdem ist es „nur“ ja eine Wiederaufnahme mit den heutigen Möglichkeiten. Wir haben bewusst keine neuen Sachen dafür aufgenommen, damit niemand das Gefühl hat, dass er alle Versionen kaufen muss.«

Dann kommen wir zum Schluss noch auf eure Live-Aktivitäten zu sprechen. Im April geht’s auf Tour mit Axel Rudi Pell. Habt ihr schon Pläne für danach, gerade was die Sommerfestivals angeht?

»Momentan nicht, nein. Wir möchten gerne im Herbst ein paar Headliner-Shows spielen, da checkt gerade unsere Booking-Agentur, was man machen kann. Aber zu Festivals weiß ich aktuell nichts, ist zum Teil auch echt schwierig, muss ich sagen. Das ist gefühlt immer der gleiche Kreis an Bands der da spielt, zumindest bei den großen Festivals. Mag sein, dass da kurzfristig noch was reinkommt, aber momentan weiß ich nichts.«

 

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