Online-MegazineInterview

THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA

Crystal Meth im Drink

THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA

Björn “Speed” Strid und seine Hauptband Soilwork sind sicherlich jedem Metaller bekannt. Die Fans der Band lieben neben der Musik auch Strids Stimme, mit der er sowohl aggressiv shouten als auch sanft singen kann. Mit seiner Zweitband THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA zeigt Strid, woher diese sanften Einflüsse kommen und liefert gleichzeitig die beste Gesangsleistung ab, die man von ihm bisher gehört hat.

Hallo Björn, vielen Dank, dass du dir mitten in den Aufnahmen zur neuen Soilwork-Platte Zeit genommen hast. Kannst du bitte kurz zusammenfassen, wie THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA entstanden sind? Die meisten unserer Leser werden noch nie von euch gehört haben.

»Natürlich, gerne. David (Andersson – ch) und ich teilen die gemeinsame Liebe zum Classic Rock, besonders aus der Zeit zwischen 1975 und 1982. Als David noch nicht fest bei Soilwork, sondern mit uns vor einigen Jahren als Ersatzgitarrist in Nordamerika auf Tour war, haben wir das erste Mal darüber gesprochen, eine Classic-Rock-Band zu gründen. Wir wollten den perfekten Soundtrack für solche Autoreisen erschaffen, wie in dem Film „Almost Famous“, wo alle zusammen mit Elton John im Tourbus sitzen und gemeinsam 'Tiny Dancer' singen.

Das ist ein typischer Moment und zugleich das beste Gefühl in der ganzen Welt: Irgendwo auf der Welt mit einer super Stimmung auf der Straße zu sein und gemeinsam wirklich zeitlose Musik zu genießen. Für dieses Gefühl lebe ich.

Nachdem wir Sharlee D’Angelo als Bassisten, Davids Jugendfreund Jonas Kallsback als Schlagzeuger und unseren gemeinsamen Freund Richard Larsson als Keyboarder mit ins Boot geholt hatten, wurde die Band Realität. Wir alle hatten dieselbe Idee für das Album und ich denke, wir haben für lange Fahrten das perfekte Album erschaffen.«

Also kann man sagen, dass die Gründung der Band eine Schnapsidee war? Dennoch müssen wir THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA ernst nehmen, oder?

»Wir waren definitiv betrunken, als die Band erschaffen wurde, ja, aber dennoch ist die Band etwas, was wir wirklich unbedingt machen mussten. Ich habe schon unzählige Band „gegründet“, wenn ich betrunken war, aber diese hier ist wirklich etwas ganz Besonderes! Und ja, ihr solltet uns ernst nehmen, auch wenn alles darum geht, Spaß zu haben. (grinst)«

Ist es denn überhaupt eine richtige Band oder doch eher ein Nebenprojekt?

»Definitiv eine echte Band. Okay, zugegeben, das war nicht von Anfang an der Gedanke, aber als wir alle zusammen ins Studio gingen, wussten wir, dass es richtig war und wir auch zukünftig weitermachen müssen. Für mich ist das hier viel, viel mehr als dieses „Hey, lasst uns eine Siebziger-Band gründen“-Standard-Ding. Wenn Metal-Musiker irgendwie nach den Siebzigern klingen wollen, hört es sich immer irgendwie nach Black Sabbath an. Wir wollten etwas anderes erschaffen.«

Werden wir euch denn je live zu sehen bekommen oder gibt es dafür aufgrund eurer Hauptbands einfach keine Zeit?

»Wir würden liebend gerne live spielen, auch wenn es nur ein paar Shows oder Festivals sind. Ich denke, es wäre der absolute Hammer, diese Songs live zu präsentieren, sowohl für uns als auch für das Publikum. Wir sind also offen für Vorschläge und Angebote!«

„Internal Affairs“ ist definitiv kein Metal-Album. Kannst du uns bitte erzählen, was die hier verkörperte Musik für dich bedeutet und wieso du sie spielen möchtest?

»In meiner ganzen Zeit als Metal-Musiker und -Fan habe ich gemerkt, dass „Brutalität“ in der Musik einzig und allein über die Präsenz erzeugt wird. Dabei ist es völlig egal, ob es Nergal von Behemoth ist, der wütend die Überzeugungen präsentiert, an die er so fest glaubt, oder ob es Dennis Edwards von The Temptations ist, der wirklich starke, herzliche Worte mit genau dem richtigen Mumm singt. Beide lösen aufgrund ihrer Präsenz dasselbe, epische Gefühl in mir aus.

Die Musik, die wir mit THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA machen, ist ein großer Teil von mir. Ja, mein Rückgrat mag Metal sein, aber ein großer Teil von mir repräsentiert auch diese Ära, in der es darum ging, ein zeitloses Album aufzunehmen, auf dem die Songreihenfolge eine große Bedeutung hatte. Ich liebe es einfach, mir die zeitlosen Melodien dieser Ära anzuhören! Alles von Klaatu oder Abbas komplett unterbewerteter Song 'If It Wasn’t For The Nights'. Diese Epoche ist eine nie versiegende Schatztruhe!«

Soweit ich weiß sind im Booklet keine Texte abgedruckt, dafür aber für jeden Song ein Satz, der beschreibt, worum es in dem Stück geht. Kann ich daraus schließen, dass du dein Herz in Novosibirsk verloren hast, endlos viel Zeit auf Tour und besonders in Amerika verbringst, es liebst, die Welt zu bereisen und auf Dreier stehst?

»(lacht laut) Hahahaha, ja, 90% aller Texte beziehen sich auf etwas, das wirklich passiert ist, auch wenn ich manchmal leicht übertrieben habe. Ich habe auf Touren so viel absolut verrücktes Zeug erlebt… Zu 99% der Zeit war ich betrunken und habe mich extrem vielen Verführungen hingegeben, bis ich in der Wüste Arizonas sozusagen vor die Wand gelaufen bin, nachdem jemand Crystal Meth in meinen Drink gemixt hat. Das große Finale, um es mal so zu sagen. Seitdem achte ich auf mich und habe beschlossen, über meine Erfahrungen ein Album zu schreiben.«

Björn, jeder weiß, dass dein Klargesang ein wichtiger Teil von Soilwork ist, aber nie zuvor hat man deine Stimme so sanft, so klar und so warm gehört wie auf diesem Album. Du lieferst hier eine wirklich großartige Gesangsleistung ab. Welche Art zu singen bevorzugst du? Und gehst du zu einem Gesangslehrer?

»Ich liebe es immer noch zu schreien, das ist ein großer Teil von mir. Je älter ich wurde, desto mehr habe ich einfach gemerkt, dass ich mich noch auf so vielen anderen Arten ausdrücken kann. Mehr ist da nicht hinter. Wie ich schon sagte, es kommt auf die Präsenz an, nicht auf die Art, wie man singt. Die Präsenz ist es, die etwas „brutal“ und ernst macht!

Nein, ich bin im großen und ganzen Autodidakt. Ich habe einfach sehr, sehr viel geprobt und bin ein musikalisches Chamäleon, deswegen konnte ich nie aufhören, mit meiner Stimme zu experimentieren. Danke übrigens für deine Komplimente!« (freut sich sichtlich)

Wohin geht denn die Reise mit THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA? Wird „Internal Affairs“ das einzige Album bleiben oder werdet ihr nun regelmäßig Alben veröffentlichen? Und glaubst du, dass auch manche Soilwork-Fans Zugang zu dieser Band finden werden?

»Wir haben das Songwriting für das zweite Album bereits so gut wie abgeschlossen, denn David ist sehr kreativ. (grinst) Nächstes Jahr werden wir es aufnehmen und ich kann es schon nicht mehr abwarten, denn diese Band ist wie eine Droge. (lacht).

Ich bin wie du ebenfalls sehr gespannt darauf, ob Soilwork-Fans dem Album eine Chance geben werden. Klar, es ist eine komplett andere Erfahrung und sehr reduziert, aber bisher habe ich von Soilwork-Fans sehr viel positive Resonanz bekommen! Die Jungs von In Flames haben mir gestern noch erzählt, dass das Album ohne Pause in ihrem Tourbus lief, als sie mit Lamb Of God in Nordamerika auf Tour waren. Beide Bands lieben das Album!«

Meiner Meinung nach sind Musiker anderen Genres gegenüber offener als reine Musikfans. Siehst du das auch so?

»Ich denke das hat etwas damit zu tun, dass man als Musiker objektiver sein muss. Es geht immer darum, dein Fähigkeiten am Instrument oder deinen Gesang zu verbessern und weiterzuentwickeln, ansonsten bleibt man irgendwann auf demselben Niveau hängen, wenn man nicht auch anderen Einflüssen gegenüber offen ist. Wenn man nur ein Fan ist, sieht man Musik wohl eher als tägliche Begleitung des eigenen Lebens und geht nicht so sehr ins Detail. Daher hat man wohl nicht so sehr das Bedürfnis, andere Einflüsse dort mit reinzubringen, denke ich.«

Gibt es noch etwas, das bis jetzt nicht gesagt wurde oder du unbedingt loswerden möchtest?

»Danke dir für ein schönes Interview und ihr Fans, haltet eure Augen offen nach TNFO-Shows in eurer Nähe. Wir arbeiten hart daran, dass wir für euch live spielen können!«

Björn, vielen Dank für deine Zeit und das Interview!

 

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