Online-MegazineInterview

CRYSTAL BALL

Alles im Fluss

CRYSTAL BALL

Von wegen, gemütlich und bedächtig: CRYSTAL BALL widerlegen ein beliebtes Klischee über die Schweizer, indem sie nach nur knappen zwei Jahren mit „LifeRider“ ein neues Album vorlegen – trotz oder gerade wegen einiger Besetzungswechsel. Gitarrist und Hauptsongwriter Scott Leach verrät ergänzend zum Interview in Rock Hard Vol. 337, wieso die Hardrocker Nägel mit Köpfen machten.

»Wir wollten einfach relativ schnell nachlegen, um so den Fluss zu erhalten, und damit wir für die anstehende Festival-Saison die CD schon parat haben«, bringt der Sechssaiter ein einleuchtendes Argument vor. »Wir haben uns auch selbst ein bisschen Druck gemacht, aber das ist dann aufgegangen (lacht).«

Ging durch die neuen Bandmitglieder und deren Einbringen auch ein neuer Kreativitätsschub durch die Band?

»Ja, auf alle Fälle. Allen voran Steven, der neuer Sänger. Es war eine gute Energie da, die die Jungs und auch mich angetrieben hat, schneller vorwärts zu machen. Ich habe den größten Teil der Songs geschrieben, aber nichtsdestotrotz war ich froh, dass alle mitgezogen haben.«

Komischerweise werdet ihr in den Medien immer wieder als Power-Metal-Band bezeichnet.

»Ja, ich weiß ehrlich gesagt auch nicht so recht, warum. Vielleicht hat das etwas mit den Bildern von der letzten CD zu tun. Von den Fotos könnte man darauf schließen, dass unsere Musik so klingt. Aber auch da haben wir bewusst einfach mal was anderes machen wollen. Man muss ja nicht immer genau so aussehen wie Guns N' Roses, um Hardrock zu machen. Vielleicht verkauft es sich aber auch besser. Ich sehe unsere Musik auch eher als Hardrock. Schon mit ein paar Metal-Einflüssen und Elementen, aber nicht gerade Power Metal, nein wirklich nicht.«

Als Bonustracks sind auf „LifeRider“ die beiden Ronnie-James-Dio-Tributes 'Sacred Heart' und 'Sign Of The Southern Cross' vertreten, die sich auch auf dem Tribute-Sampler „A Light In The Black“ zu finden sind. Wieso habt ihr euch dazu entschieden, ausgerechnet diese beiden Songs zu covern? Gibt es dazu eine Geschichte?

»Ja und nein. Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, welche Tracks wir machen könnten, wollten aber nicht unbedingt die Tracks covern, die alle nehmen würden – sprich 'Holy Diver' und so weiter, denn die wurden ja schon tausendmal gemacht. Außerdem wollten wir Songs nehmen, die uns die Möglichkeit geben, auch irgendwo ein bisschen von unserem eigenen Stil reinzubringen. Etwa mehrstimmige Chorgesänge, wie wir sie gern machen, oder auch modernere Elemente. Man kann es ja nicht besser machen, man kann es nur anders machen. Natürlich haben wir auch beim Gesang darauf geachtet, dass die Nummern in einer Range sind, die unserem Sänger gut liegt. Wir wurden von Massacre Records angefragt und haben die Tracks schon vor über einem Jahr aufgenommen – witzigerweise erscheinen sie auf dem Tribute-Album nun gleichzeitig mit „LifeRider“.«

Ist euer neuer Song 'Gods Of Rock' auch eine Art Hommage an große Rockmusiker wie Ronnie James Dio? Hattet ihr überhaupt bestimmte „Rockgötter“ im Hinterkopf?

»Es ist definitiv eine Hommage, aber es ist eher allgemein gehalten. Eigentlich habe ich beim Schreiben des Tracks an meine Jugend gedacht und alle möglichen Bands, mit denen ich aufgewachsen bin. Die Musik hat mir Kraft gegeben, und das ist eigentlich auch das Thema des Textes. Was die Musik in einem auslöst, gerade im Teenageralter, ist sehr wichtig. Da zieht man so viel raus aus der Musik.«

Euer Sänger Steven wohnt als einziges Bandmitglied in Deutschland – genauer gesagt in Wuppertal. Praktisch, dass ihr euer Album in Solingen bei Stefan Kaufmann im ROXX Studio aufgenommen habt, das von Stevens Heimatstadt nur einen Katzensprung entfernt ist.

»Absolut! Das war eigentlich ein Zufall, hat sich aber sehr gut ergeben. Während der Aufnahmen konnten wir auch bei Steven wohnen. Für uns war es ein großer Vorteil, dass wir in seiner Gegend waren. Und für ihn auch, denn er musste nicht extra Urlaub nehmen, sondern konnte abends immer heimfahren.«

Apropos Heim: Viele Leute verbinden mit eurer Heimat, der Schweiz zuallererst Klischees wie Berge, Schokolade und Käse. Was war das merkwürdigste Vorurteil, mit dem du bisher konfrontiert wurdest?

»Das Merkwürdigste ist, dass man immer wieder hört: 'Die Schweizer lassen ja keine Ausländer rein.' Dabei hat die Schweiz mit fast 25 Prozent den höchsten Ausländeranteil in ganz Europa. Dass dieses Bild vorherrscht, nach dem wir uns so abschotten, finde ich immer ein bisschen lustig. Obwohl es vielleicht teilweise ein bisschen stimmt, aber wir sind da viel offener als man denkt.«



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