Online-MegazineInterview

SCORPIONS

Flugzeug, Fahrrad, Rennwagen

Die SCORPIONS räumen zum Ende ihrer Karriere noch mal lehrbuchmäßig ab. Wir unterhielten uns mit Gitarrist Rudolf Schenker über Flugzeuge, Motörhead und Rudolfs Bruder Michael.

Rudolf, es fällt auf, dass sich die Lebensphilosophie deines Bruders Michael Schenker von deiner unterscheidet. Zumindest verlaufen eure Lebenswege ziemlich unterschiedlich.

»Im Grunde genommen nicht. Er hat zum Beispiel genauso meditiert wie ich und eine ähnliche Philosophie verfolgt. Aber er ist damals unter die Hufe gekommen, in einen Chaotenhaufen (gemeint sind UFO - ah), den ich zwar liebe - Pete Way und so weiter -, der aber natürlich nichts mit dem Kram anfangen konnte. Michael ist allerdings nur dadurch in die Tiefen seines Gitarrenspiels gekommen. Er hat dann den Boden unter den Füßen verloren und sich als Ersatzmittel Alkohol und Drogen genommen - und das bis zum Exzess. Der Halt innerhalb einer Band ist ein ganz wichtiger Fakt, und Michael hatte diesen Halt nicht. Ich konnte mich auch nie nach hinten lehnen, aber Michael musste mit seinem Solospiel bei UFO und später bei seiner eigenen Band sogar immer vorne stehen. "Michael Schenker ist Gott!", hieß es doch in Amerika immer. Und das in einer Band, in der er wegen seiner Englischkenntnisse ausgelacht wurde.  Außerdem musste er durch viele Sachen durch, die mir erspart geblieben sind.«

Gut, Fehler kann man machen. Aber es gibt ja immer noch einen Weg zurück, wenn man aus diesen Erfahrungen seine Lehren zieht. 

»Vielleicht hatte ich das Glück, dass ich einen richtigen Beruf gelernt habe, durch den ich eine solide Plattform hatte, und mein Bruder hat seine Häuser meistens auf Sand gebaut. Er hatte nur die Musik. Als er zu UFO ging, war er 15. Und wenn man in diesem Alter in die höchsten Höhen gehoben wird, ist man natürlich deutlich anfälliger, als wenn man in einer Gruppe von Freunden verankert ist. Aus dieser Gruppe heraus kann man mit einer deutlich größeren Leichtigkeit agieren, als wenn man ständig alleine im Kreuzfeuer steht. Die Geschichten, die ich hier erzähle, funktionieren nur für einen selbst. Es geht in meinem Buch nur darum, dass ein Mensch seine eigene Persönlichkeit erkennen und diese nähren und hüten sollte. Geld alleine bringt einem nicht die Zufriedenheit und Sicherheit, die es bringen sollte. Dann bricht man irgendwann ein, weil man sein Leben nicht mit Geld ausfüllen kann. Wenn man Spaß hat, hat man auch Liebe, weil man als Person in sich ruht und etwas tut, das einen ausfüllt. Wie viele Ehen leiden unter solch einem Problem? Es kommt die Liebe, man heiratet, kriegt Kinder, der Mann geht zur Arbeit, die ihm vielleicht keinen Spaß macht, aber genügend Geld abwirft, und irgendwann gibt´s das große Problem, weil dem Mann der Job keinen Spaß bringt, obwohl beide das nicht wollen. Dann bekommt das Kind die Streitigkeiten permanent mit und diese Verhaltensweisen vorgelebt, und schon ist das ganze System wieder im Arsch. Da ist es doch viel besser, sich für etwas zu entscheiden, was einem Spaß macht, und sich in diesem Bereich durchzusetzen, anstatt die nächsten 30 oder 40 Jahre in einem Leben zu verbringen, bei dem man weiß, dass nichts mehr auf einen zukommt und man nur unzufrieden wird. Das ist die Kernaussage des Buches: Entscheide dich für das, was dir Spaß macht, dann kommt das Geld von selbst. Du hast dich zu verändern, damit sich die Welt verändert! Verlass dich nicht auf den Staat, schiebe die Verantwortung nicht anderen Leuten zu. Wie viele Leute sagen zum Beispiel, hier der Westerwelle, der letzte Arsch, und wenn der ein Arsch ist, kann ich ja auch ein Arsch sein. Das nützt aber nichts. Man muss sich selbst sagen: Scheißegal, was der Westerwelle macht, entscheidend ist, was ich mache. Wir suchen uns aber immer wieder ein Feindbild, auf dem wir rumschlagen, damit wir uns selbst entschuldigen können.«

In der Regel kommt man so bei Leuten an, wie man sich selbst wahrnimmt. Viele wissen das, können aber dennoch nicht einfach so umschalten. Was gibst du diesen Leuten mit auf den Weg?

»Die meisten Menschen leben nicht bewusst. Die denken jetzt schon an morgen oder denken an gestern und wissen nach zwei Sekunden nicht mal mehr, ob sie die Türe zugeschlossen haben oder nicht. Die meisten haben Angst vor der Zukunft, dabei ist das doch scheißegal, weil es sowieso so kommt, wie es kommt. Nur: Der Nachteil dabei ist, dass die Angst einen Teil der Lebensenergie wegnimmt. Man muss darauf vertrauen, was auf einen zukommt.«

Das kannst du?

»Das habe ich durch die Meditation gelernt. Vorher war ich auch so ein Typ, der immer dachte: "Scheiße, wenn ich keine Frau kriege, sind die alle weg. Was mache ich dann?" Davon gibt´s ja viele. Dann geht´s los mit Haarausfall: "Scheiße, wenn ich jetzt ´ne Glatze habe, will mich keine Frau mehr!" Durch die Meditation habe ich sehr schnell gemerkt, wie die eigene Persönlichkeit gestärkt wird und bewusstes Handeln und Denken aufkommen. Dadurch entwickelt man ein Gespür für die Dinge und Menschen, die einem liegen, und eine natürlichere Art.«

Also würdest du sagen, dass Meditation ein guter Einstieg ist?

»Wenn man das erwähnt, schlagen viele erst mal die Hände überm Kopf zusammen, weil ihnen das zu esoterisch ist. Dann meinen sie, das hätte irgendwas mit ´ner Sekte zu tun. Religionen neigen im Allgemeinen dazu, Angst zu verbreiten. Das Fegefeuer wurde ja erst vor vier Jahren abgeschafft. Wie kann das denn sein? Angeln kann aber auch ein gutes Beispiel sein. Oder Musik machen. Viele Politiker, die Musik machen können, sind bessere Politiker als solche, die es nicht können, weil man durch das Singen eine ganz andere Beziehung zu sich selbst bekommt. Meditieren ist der schnellste Weg, sozusagen das Flugzeug, Musik machen vielleicht das Fahrrad und Angeln der Rennwagen. 1974, als Michael zu UFO gegangen ist, habe ich schon viel meditiert und damit meine Kraft auf meine Ziele konzentriert. Damals bin ich unheimlich oft dafür ausgelacht worden, und ich habe dann einfach aufgehört, darüber zu reden. Dann kamen die großen Erfolge, bis dann im Jahre 2000 wieder eine neue Runde in meinem Leben eingeläutet wurde und ich erneut gemerkt habe, dass mir das unheimlich hilft. Dann habe ich mir gedacht, dass es jetzt noch mal Zeit ist, darüber zu reden, dass es eben keine Spinnerei ist.«

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 Das komplette SCORPIONS-Interview mit Rudolf Schenker sowie ein Gespräch mit Sänger Klaus Meine findet ihr im aktuellen ROCK HARD, das im Zeitschriftenhandel erhältlich ist. Weitere Infos zur aktuellen Ausgabe gibt´s hier.

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