Online-MegazineInterview

Das Auge hört mit – Teil 5

JOACHIM LUETKE - Das letzte Aufgebot

Seine morbiden Cover-Fantasien bezeichnet Joachim Luetke als "Dark Fiction Art". Seine Skulptur "Soundchaser", die die Cover diverser Rage-Alben ziert, ist einer der Höhepunkte im Rock'n'Popmuseum in Gronau. Bei uns bricht der Wahl-Wiener, dessen visuelle Ausgeburten der Hölle als echte Alternative zu Alien-Schöpfer H.R. Giger gelten, eine Lanze für seinen Berufstand.

»Hochwertige Verpackungen mit vielen Extras, die die Musik abrunden und ergänzen, sind der einzige echte Download-Schutz«, erklärt Luetke. »Und ich meine WIRKLICH hochwertige Verpackungen und keinen Jahrmarktsfirlefanz. Der CD-Absatz schrumpft, die Labels sind in Panik und wollen Geld sparen. Also gibt es billiges Artwork und kein cooles Merchandise. Warum also soll ich mir das Album kaufen? Da reicht der bezahlte Musik-Download. Download? Mal gucken, ob nicht schon jemand die Scheibe ins Netz gestellt hat. Und... da ist sie ja schon! Cheerio, Gratis-Mucke. Die wenigsten "Verantwortlichen" begreifen diesen Zusammenhang. In eurem Heft ist es ja ähnlich. Ihr handelt die Artworker auf einer knappen Seite ab. Angemessen wäre aber jeweils eine Doppelseite mit Bildbeispielen. Ihr solltet eure Interviews viel stärker mit dem jeweiligen Artwork illustrieren und Poster mit coolen Artworks beilegen. Das würde den Bands echt nützen. Ich z. B. baue für jede Band extra Magazin-Poster, habe aber noch nie eins veröffentlicht gesehen. Ohne ein starkes optisches Signal ist auch die beste Musik so gesichtslos wie eine Datei. Wir Artworker sind das letzte wirksame Aufgebot im Kampf gegen Gratis-MP3s!«

Auf die "schiefe Bahn" kam Luetke durch "Killer" von Alice Cooper.

»Ich bin ein Kind der 70er. Damals war es unerhört "verrucht", Alice zu hören. Wir trugen schon 1972 Jeans voller Nieten samt Patronengürtel und fanden uns ungeheuer cool. Alice öffnete für uns die Türen zu allen anderen Bands wie Black Sabbath und Led Zeppelin. Ich habe Queen damals auf ihrer "A Night At The Opera"-Tour gesehen, und die Welt war für mich danach einfach nicht mehr dieselbe.«

Momentan steht Luetke allerdings eher auf die härtere Abteilung.

»Ich war nie ein True-Metaller. Diese Mucke hat mich immer irgendwie gelangweilt. Das für mich einzig relevante Album aus dieser Ecke ist "Painkiller" von Judas Priest. Auf diesem Album stehen der ultimative Metal-Nackenbrecher und die ultimative Metal-Ballade. Black-Metal, Thrash, aber auch wüstes Industrial-Bebolze sind bei mir angesagt. Kurz - alles was brachiale Energie transportiert. Und das Ganze natürlich möglichst live. Diese Energie wirkt auf mich wie Treibstoff. Daran entzündet sich meine Vorstellungskraft.«

Joachims erster Auftrag war Destructions "Release From Agony".

»Schmier ist nur ein paar Häuser von mir entfernt aufgewachsen. Er ist eine satte Dekade jünger als ich und so kam er als "Milchzahn Of Evil"-Thrasher in meinen Fokus. Es war einfach geil zu sehen wie die Jungs - über und über mit Patronengurten behangen - beinhart ihr Ding durchzogen.«

Als Coverdesigner im klassischen Sinn sieht sich Lütke allerdings nicht.

»Ich biete Komplettlösungen. Cover, Booklet, Digipak, Backdrop, Anzeigen und Merch - alles aus einer Hand und aufeinander abgestimmt. Die Arbeit selbst ähnelt eher einer Multimedia- Produktion - vom Bau einer realen Skulptur über Malerei, Fotografie bis hin zur digitalen Endverarbeitung. Bisher verwende ich aber noch keine 3-D-Programme. Die fangen erst jetzt an, meinen Ansprüchen gerecht zu werden.«

Die Musik ist dabei die größte Inspirationsquelle.

«Musik zu hören, bringt in mir einen Mechanismus zum Schwingen, den ich als "Bildmaschine" bezeichnen möchte. Es bedarf vorab keiner komplexen Erklärungen oder Rücksprachen mit den Musikern. Das kommt im Lauf der Arbeit. Die Musik visualisiert sich irgendwie von selbst. Ich werde über weite Strecken zu einer Art Medium, lasse mich im Strom der Musik treiben und mache dabei einfach "Screenshots" von den Bildern, die sich mir aufdrängen. Das ist übrigens die Grundbedingung für eine Zusammenarbeit mit mir. Wenn ich in die jeweilige Musik nicht eintauchen kann, ist eine Zusammenarbeit sinnlos und ich muss selbige ablehnen. Was ich übrigens oft tue. Das Ergebnis wäre sonst nicht gut.«

Zwei Aufträge hat Joachim in besonders guter Erinnerung.

Ich halte Kreators "Enemy Of God" für meine bisher "reifste" Leistung. Besonders die Digipak-Version. Die Zusammenarbeit mit Mille war extrem cool und professionell. Bei Dimmu Borgirs "Death Cult Armgeddon" wollte ich unbedingt die ultimative Menge an menschlichen Knochen auftürmen. Das Ergebnis ist einfach gewaltig. Seit diesem Album entlocken mir ähnliche Versuche von anderen Bands nur noch ein müdes Lächeln. Nach "DCA" kann man sowas einfach nicht mehr machen. Und das ist cool.«

www.luetke.com

Arbeiten von Joachim Luetke

DESTRUCTION - Release from Agony

DESTRUCTION - Live without Sense

DESTRUCTION - All Hell Breaks Loose

HEADHUNTER - A Bizarre Gardening Accident

PYRACANDA - Two Sides of a Coin

PYRACANDA - Thorns

SCANNER - Hypertrace

RAGE - Perfect Man

RAGE - Unity

RAGE - Soundchaser

MEKONG DELTA - Principle of Doubt

MEKONG DELTA - Dances of Death

MEKONG DELTA - Kaleidoscope

RAVENOUS - Book of Covetous Souls

PROTECTOR - A Shedding of Skin

ANNIHILATOR - Carnival Diablos

GOD DETHRONED - Into the Lungs of Hell

DIMMU BORGIR - World Misanthropy

DIMMU BORGIR - Death Cult Armageddon

DIMMU BORGIR - Stormblast

PAIN - Nothing Remains the Same

THE KOVENANT - Seti

SIRENIA - An Elixier for Existence

KREATOR - Enemy of God

ARCH ENEMY Doomsday Machine

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