Online-MegazineInterview

RAVAGE

Traditionalisten am Werk

Bekanntlich gibt es im Punkrock Bands, die sich in Sound und Stil streng an die Vorbilder aus den späten 70ern halten (man spricht dann gerne von 77er Punk). Genauso scheint es im Bereich des Heavy Metal-Bands zu geben, an denen moderne Trends wie Thrash, Death oder gar Nu-Metal spurlos vorüber gehen. Eine solche Band sind RAVAGE aus Boston.

Sie spielen ihren Stiefel à la Iron Maiden, Saxon und Judas Priest so runter, als hätte es die 90er Jahre nie gegeben. Dass es auf dem Full-length Debüt "Spectral Rider" (noch) nicht immer hundertprozentig rund läuft und auch die Produktion ein wenig zu wünschen übrig lässt, soll dabei mal komplett zweitrangig sein. Hier sind schließlich Idealisten am Werk! Kurz gesagt: Wäre diese Scheibe vor zwanzig Jahren erschienen, könnte sie auch heute noch ein kultiger Underground-Klassiker sein. Aber auch 2005 verfehlt sie ihre Wirkung absolut nicht! Wir baten den auskunftsfreudigen Sänger Alec Firicano zum Gespräch.

RAVAGE gibt es schon seit Mitte der 90er. Warum hat es so lange gedauert, bis "Spectral Rider" erschien?

»Nun ja, da gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Hauptsächlich hat es so lange gedauert, weil wir erstmal ein Line-up zusammenbringen mussten, das gut genug ist, die Songs so zu spielen, wie sie klingen sollen. Wir haben zunächst als eine sehr rohe Band angefangen - man könnte fast sagen als Punk-Metal-Band – als ich noch ein Teenager war. Allerdings wollten wir schon damals immer klingen wie Iron Maiden: Roh, aber trotzdem raffiniert. Und es hat eben eine Weile gedauert, bis wir 'raffiniert' wurden! Abgesehen davon, hatten wir bis dato auch ganz einfach nicht die Kohle, eine Platte aufzunehmen.«

Warum kommt die Scheibe auf dem deutschen Label Karthago Records raus?

»Auch wenn es in den Staaten viele Metal-Fans gibt, ist der Glaube an Metal-Bands in Europa doch noch ein wenig größer – speziell wenn es um eher traditionellen Metal geht. Außerdem ist Deutschland ja so was wie die Zentrale des True Metal. Ein paar unserer Lieblingsbands kommen schließlich von dort: Running Wild, Grave Digger, Helloween oder auch Blind Guardian. Deshalb mussten wir nicht lange überlegen, als uns Karthago einen Deal anbot.«

Das Cover von "Spectral Rider" kommt sehr traditionell aber auch – sorry! – sehr humoristisch rüber. Wer ist denn dafür verantwortlich?

»Das bin wohl ich! Es haben schon viele Leute ihren Unmut über das Artwork geäußert, obwohl ich es eigentlich gut finde. Gezeichnet wurde es von Vincente Feijoo, dem Gitarristen der spanischen Band Zarpa. Wir hatten schon ein paar Entwürfe abgelehnt, inklusive zweier Cover, die ich selber gemacht hatte. Dann schlug Karthago vor, den Entwurf von Vincente zu nehmen. Ich fand das gar nicht schlecht, stellt er doch eine Art Hommage an Judas Priest’s "Painkiller" und andere klassische Metal-Scheiben dar. Vielleicht sieht das Cover ja ein wenig zu unspezifisch aus. Wenn dem so ist, dann war es mein Fehler: Ich wollte nun mal einen Motorradfahrer haben. (Naja, es geht hier eigentlich nicht so sehr um den Entwurf an sich, sondern eher darum, WIE der Motorradfahrer gezeichnet ist! – sö)«

Um wen handelt es sich beim "Spectral Rider"?

»Gute Frage! Der "Spectral Rider" ist ein Symbol für den Geist der Rache. (Das lässt einen das Cover nicht unbedingt ernster nehmen! – sö) Der Song selbst ist meine Reaktion auf die Ereignisse von 9/11. Man könnte den "Spectral Rider" als jemanden sehen, der gegen die Ungerechtigkeiten der Welt und den Missbrauch von Macht ankämpft. In dem Song geht es um die Balance zwischen Freiheit und Gerechtigkeit, und die zentrale Botschaft ist: Lass dir deine Freiheit von niemandem wegnehmen, der lediglich versucht, dir Angst zu machen. Ganz gleich, ob es sich dabei um Terroristen oder die Regierung, die Medien, religiöse Führer oder die Öffentlichkeit im Allgemeinen handelt.«

Eure Musik ist ja sehr vom traditionellen 80er Heavy Metal geprägt. Gibt es bei euch eine spezielle Szene für eine solche Art Metal?

»In unserer Szene sind wir die einzige traditionelle Metal Band. Die amerikanische Metal-Landschaft ist sehr zersplittert: Es gibt viel extremen Metal, Hardcore, Metalcore und Nu-Metal. Die Menschen scheinen fast Angst vor Melodien, Gitarren-Soli und Fantasy-Themen zu haben. Dabei waren genau das von Anfang an die Sachen, die Metal für mich ausmachten. Wir werden unseren Stil jedenfalls nicht ändern, nur weil irgendjemand sagt: "Spielt doch mal Melodic Deathmetal" oder "Addiert ein paar Hardcore-Einflüsse".«

Wie wichtig sind dir die Texte?

»Sehr wichtig. Ich bin immer schon ein Fan der Lyrics von Iron Maiden oder Judas Priest und ihrer Metaphorik gewesen. Als ich aufwuchs, habe ich jedes Wort auswendig gelernt. Ein Metal-Song sollte dich an einen speziellen Ort deiner Vorstellungskraft oder in eine bestimmte Zeit deines Lebens transportieren. (Gar nicht so einfach! – sö) Starke Bilder sind unerlässlich, um einen solchen Effekt zu erzielen. Manche meiner Texte sind aber auch einfach nur blöd. Ich finde, Texte sollten immer einen gewissen Mix bereithalten: Professionelles Wrestling UND Shakespeare! Immer dramatisch, manchmal clever, manchmal grausam.«

In Europa ist eure Heimat Boston eher für Hardcore bekannt. Wie kommt ihr mit der Szene klar? Findet ihr Anerkennung für das, was ihr macht?

»Wir haben schon mit allen möglichen Bands zusammen gespielt - zum Beispiel auch mit Ska- und Punk-Bands. Eigentlich haben wir uns nie so sehr darum gekümmert, was die Leute zu unserer Musik sagen. Aber wenn die Leute gute, hart rockende Mucke mögen, dann können wir sie schon unterhalten!«

Ich schätze mal, ihr könnt von der Band nicht unbedingt leben. Womit verdient ihr eure Brötchen?

»Jeder in der Band hat einen regulären Job. Ich habe schon diverse Büro-Jobs gemacht, was ziemlich un-Metal ist, und auch schon als Autor gearbeitet. Mein Bruder Eli (g.), arbeitet in einem Supermarkt, Nick (g.) in einem Video-Game-Laden, George (dr.) auf dem Bau und Howie (b.) im Einzelhandel.«

Mal abgesehen von eurer eigenen Mucke – wo liegen eure musikalischen Vorlieben?

»Ich höre eigentlich alle Arten von Metal. Hauptsächlich aber traditionelle Sachen und Power Metal. Ich mag allerdings auch 70er Jahre Rock und klassische Rock Bands wie Deep Purple und Boston. Bei RAVAGE ist generell ein ziemlich breites Spektrum an musikalischen Vorlieben vertreten. Howie zum Beispiel hört auch viel Jazz und extreme Metal-Sachen.«

Stell dir doch mal vor, du könntest ein beliebiges Line-up für eine Tour zusammenstellen, bei der RAVAGE als Support-Act mit von der Partie sind. Wer wäre da als Headliner dabei?

»Das Größte wäre natürlich für Iron Maiden, Judas Priest, Dio, Black Sabbath oder Manowar zu eröffnen. Wenn nicht die, dann wären auch Gamma Ray, Grave Digger, Blind Guardian und Primal Fear super. Das sind aber schon zu viele Bands – wir bräuchten da wohl ein komplettes Festival!«

Aha, ihr würdet also gerne in Wacken spielen! Wird es denn noch mal zehn Jahre dauern, bis die nächste Scheibe rauskommt? Ich hoffe doch mal, nicht!

»Ich auch. Ende des Jahres werden wir hoffentlich noch eine EP mit allerlei Songs aus den letzten zehn Jahren aufnehmen. Und dann müssen wir mal sehen, wie sich die aktuelle Platte verkauft. Genug Material haben wir jedenfalls, um ein weiteres Album zu machen. Wir müssen nur auch genug Zeit und Geld zusammenbringen, um das auch angehen zu können. Wenn alles glatt geht, machen wir bis Ende des nächsten Jahres eine weitere Platte.«

Wo kann man "Spectral Rider" erwerben?

»Auf unserer eigenen Homepage, direkt bei Karthago Records und natürlich in einigen ausgewählten Mailordern!«

Auf eurer Homepage gibt es einen Link zu unserer Seite. Prima!

»Wir hatten 2003 bei euch schon ein Feature mit unserem "Curse Of Heaven"-Demo. Also dachten wir, wir honorieren den Gefallen mit einem Link!«

Dann tun wir euch den Gefallen auch!

www.ravagetheearth.com

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