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KETZER, ELIMINATOR, CHAPEL OF DISEASE, OCCVLTA

Köln, Jugendpark

RHEIN IN BLOOD XXI

„Support The Underground“ könnte der Leitspruch der Kölner Veranstaltungsreihe „Rhein in Blood“ sein. Bereits zum 21. Mal lädt das Team in den Jugendpark und liefert mit dem ersten Event für dieses Jahr direkt ein Top-Billing ab: Ketzer, Chapel Of Disease, Occvlta und Eliminator dürfen den, zu recht, ausverkauften Laden in Schutt und Asche legen.

Mit der Songzeile „One, two, fuck you“ legen ELIMINATOR die Devise für den Abend fest und läuten mit zermalmendem Old-School-Thrash den Abend ein. Die nordrhein-westfälischen Jungs um Sänger und Gitarrist Pete Blitzkrieg (ex-Zarathustra) stehen, umhüllt von bedrohlichem Nebel und gekleidet in engen Jeans, Cowboy-Boots und Patronengurten, vor einem noch schüchternen, jedoch großen Publikum und brettern kompromisslos Nummern wie 'Warfare' und 'Raging Shrapnel Hell' durch. Die Vier haben Power, Dynamik und eine typische, thrashige Härte, die sich in heulenden Gitarren niederschlägt und mit fortschreitender Zeit auch die Leute erreicht. Doch selbst der beste Opener kann nicht auf das vorbereiten, was nun folgt.

OCCVLTA machen sich bereit und verwandeln den Saal in einen von Kerzenlicht durchfluteten magischen Ort. Ein mystisch-schauerliches Intro eröffnet die Zeremonie. Sänger Hord Moon baut sich auf, stampft auf den Boden und durchbricht mit dem ersten Schrei jene zauberhafte Atmosphäre. Unter treibendem Raw-Black-Metal verfällt der Berliner dem Wahnsinn, springt in die Menge, reißt Leute um, rüttelt ihre Köpfe oder brüllt ihnen einfach nur ins Gesicht. Er baut eine Aura um sich herum auf, die den Raum mit einem Gefühl von Unberechenbarkeit, Aggression und einer kaum fassbaren Energie füllt und sich absolut auf den Zuschauer überträgt. Kein Wunder also, dass auch das Publikum zu Hymnen wie 'Black Wind Desecration Horde' völlig ausrastet und kein Halten mehr kennt – bis zu einem bestimmten Augenblick, der so manchem kurz den Atem raubt. Hord stellt sich auf ein Podest, hängt sich an das Bühnengerüst und schreit, ohne Verstärkung durch ein Mikrofon, in die restlos stille Sphäre: „In euren Herzen ist keine Treue, in euren Herzen ist nur scheiß Dunkelheit!“. Pure Gänsehaut, auf die aber mit dem nächsten Song direkt wieder eine gehörige Portion Rotz und „Fuck Off!“ folgt. Der Mann an der Front wirft das Mikro um einen Stahlträger herum, legt sich das Kabel um den Hals, als würde er sich jeden Moment erhängen wollen, und dreht weiter durch, bis das Ritual mit der Zugabe 'Metal Chain' ein Ende findet, das Quartett die Instrumente zu Boden wirft und von der Bühne stürmt.

Diese Performance zu toppen, ist keine leichte Aufgabe, auch nicht für die Band, die eigentlich im Mittelpunkt des Abends steht: CHAPEL OF DISEASE. Die feiern nämlich den Release ihrer neuen Scheibe „The Mysterious Ways Of Repetitive Art“ und entern die Bühne auch direkt mit dem neuen Track 'The Dreaming Of The Flame'. Schnell wird klar: Von Show und großen Ansagen halten die Kölner nicht viel. Hier liegt der Fokus auf dem mächtig und dreckig dargebotenen Old-School-Death. Zwar kommen vor allem die alten Songs auf Platte irgendwie noch selbstbewusster, energiegeladener und rotziger rüber, was allerdings auch mit dem etwas laschen Sound einhergehen könnte. Dafür ist der künstlerische Anteil, vor allem bezogen auf den Facettenreichtum innerhalb der Lieder im Vergleich zu anderen Bands dieses Subgenres ziemlich hoch und erfrischend. Er verleiht der Konstellation um Sänger und Gitarrist Laurent etwas Eigenständiges und reißt das Publikum mit, welches die Köpfe wild um die Wette schüttelt. Mit dem Titeltrack des Debüts „Summoning Black Gods“ erreicht das Gebolze seinen Höhepunkt und neigt sich gleichzeitig auch dem Ende zu.

Für Müdigkeit oder eine Verschnaufpause lassen KETZER, die an diesem Abend das Zepter des Headliners tragen, jedoch absolut keinen Raum. Die fünf Black-Thrasher pfeffern der Meute direkt zu Anfang ihren Debüt-Hit 'Satan's Boundaries Unchained' um die Ohren und treffen damit auch direkt den Nerv des Publikums an diesem Abend. Irgendwie ist auf das Kollektiv um Fronter Infernal Destroyer einfach Verlass: Die Jungs haben immer Power, geben immer 100 Prozent und übertragen das auch auf die Zuschauer. Diese kennen bei bekannten Stücken wie 'The Fire To Conquer The World' und 'Warlust' auch ganz genau ihren Einsatz und grölen sich im Refrain bei Zeilen wie „FIRE! Warlust is unleashed, FIRE!“ die Seele aus dem Leib. Dazwischen schieben die Truppe außerdem die zwei nagelneuen, noch unveröffentlichten Nummern 'Starless' und 'Count To X', die allerdings eher an den aktuellen Langspieler „Endzeit Metropolis“ anschließen, als an das 2009-er Debüt. Diesen musikalisch unheimlich intensiven Abend beendet das Black-Thrash-Kommando mit dem etwas ruhigeren, melancholisch angehauchten 'He Who Stands Behind The Rows' und liefert damit den perfekten Ausklang ab. Wahnsinn!



Pics: www.facebook.com/evillivephotography, Mandy Malon

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