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RHAPSODY

Köln, Essigfabrik

Rhapsody

In Zeiten von sinkenden CD-Verkäufen gibt es immer wieder Beschwerden darüber, dass die Konzerte teurer und Vorbands nur des Geldes wegen mitgeschickt werden. Das es auch anders geht, beweist der heutige Abend: In Köln gibt es vier erstklassige Power-Metal-Bands für 23 Euro zu sehen.

VexillumBereits um 18:30 Uhr werden die Frischlinge des Abends, VEXILLUM, auf die Bretter geschickt. Die komplett in Kilts gekleideten Italiener spielen lupenreinen Power Metal mit Edguy-Schlagseite und Folkeinflüssen. Diese Mischung klingt rund und macht viel Spaß, auch wenn der Sound noch nicht optimal ist. Schade nur, dass sich lediglich eine handvoll früher Vögel den kurzweiligen Auftritt der Jungspunde ansehen.

Etwas voller wird es bei der zweiten Band des Abends: Die Sauerländer ORDEN OGAN entern die Bühne und präsentieren sich getreu dem Thema ihres neuen Albums "To the End" in Endzeit-Optik. Den Anfang macht der Opener von ''Vale'', 'To New Shores Of Sadness', bevor es nach dem Bandhit 'We Are Pirates' neues Material zu hören gibt. Das macht live orentlich Spaß, und mit dem Bonustrack 'Masks' hat sich eine echte Überraschung in die Setlist eingeschlichen. Licht und Sound sind passend, und das Publikum dankt diesen gelungenen Auftritt mit großem Applaus. Am Ende bleibt nur die Frage, die auch Kollege Peters in seinem Review zur neuen Scheibe stellte: Wann wird dieser Band endlich die Aufmerksamkeit zu Teil, die sie verdient?

Freedom CallVon Endzeit-Thematik zu purer Fröhlichkeit: das Happy-Metal-Kommando FREEDOM CALL tritt vor mittlerweile ca. halbvoller Halle zum Workshop "Gruppensingen für Anfänger" an. Beim besten Sound des Abends geben die Nürnberger einen Hit nach dem anderen zum Besten. Fronter Chris Bay versprüht sowohl durch seinen Ausdruck als auch durch seine Ansagen (mit Hang zu Albernheiten) pure gute Laune und animiert immer wieder zum Mitsingen und -klatschen. Rein musikalisch gibt's neben Evergreens wie 'Freedom Call' und 'Warriors' mit 'Power & Glory' (inklusive dem Beschluss, aus dem heutigen Montag einfach einen Samstag zu machen) und 'Rockstars' neue Songs mit absolutem Mitsingfaktor. Hasser der Band werden ihnen wohl immer übertriebenen Kitsch vorwerfen, doch den Anwesenden Fans gefällt's, und nur das zählt.

Nach dem Freedom-Call-Gig verlassen einige Fans die Essigfabrik, und auch ich war vor dem LUCA TURILLI'S RHAPSODY-Auftritt durchaus skeptisch. Wie sehr nach Konserve klingt das Konzert nach dem Ausfall von Gitarrist Dominique Leurquin? Was habe ich mir unter "Cinematic World Tour" vorzustellen? Fragen über Fragen, die in den 90 Minuten des Konzerts geklärt werden sollten.

RhapsodySchon das Intro gibt einen kleinen Vorgeschmack auf die Bedeutung von "Cinematic" im Tour-Titel. Das Intro wird von einem Videoeinspieler begleitet, in dem alle Beteiligten der Show namentlich genannt werden. Währenddessen finden sich alle Musiker auf der Bühne ein, und mit 'Riding the Wings of Eternity' startet die Truppe um Gitarrenhexer Turilli in ihr Set, welches sich als bunte Mischung alter RHAPSODY (Of Fire)-Perlen, Luca Turilli-Solo-Songs und Stücken von der aktuellen Langrille ''Ascending to Infinity'' entpuppt. Die Reaktionen des Publikums sind eher verhalten, nur alte Rhapsody-Schinken wie 'The Village Of Dwarfes' und 'Dawn of Victory' werden erwartungsgemäß abgefeiert. Zwischendurch gibt es mit 'Forest Of The Unicorns' und 'Warriors Pride' eine kurze Unplugged-Einlage und sowohl Drummer Alex Landenburg als auch Bassist Patrice Guers bekommen die Möglichkeit, über ein Playback zu solieren. Und genau da liegt ein Problem, dass RHAPSODY heute Abend hat: Vieles klingt künstlich, zu perfekt für ein Live-Konzert. Das Fehlen einer zweiten Gitarre macht sich deutlich bemerkbar, und manchmal muss ich kurz an den ZDF-Fernsehgarten denken, wenn Turilli wieder ein (zugegebenermaßen großartiges) Solo über eine Rhythmusgitarreneinspielung zocken muss. Hinzu kommt noch, dass die Videoeinspielungen und die Tänze der mitreisenden Bühnenkünstlerin zwischen den Stücke den Konzertfluss erheblich stören. Es will einfach keine Metalkonzertstimmung aufkommen.

Um kurz vor halb zwölf ist das Konzert dann auch vorbei, und mit gemischten Gefühlen fahre ich nach Hause. Auf der einen Seite habe ich vier hochambitionierte, technisch versierte Bands gesehen, die viel Spaß an dem haben, was sie machen - und für läppische 23 Euro ein großartiges Konzert gegeben haben. Auf der anderen Seite fehlten mir beim Headliner (und auch nur da) trotz oben genannter Pro-Argumente die Aha-Momente und das Live-Feeling, um mich wirklich vom Hocker zu hauen. Insgesamt trotz allem ein tolles, empfehlenswertes Package.

 

SETLIST RHAPSODY

Riding the Wings of Eternity
Clash of the Titans
Tormento E Passione
Demonheart
The Village Of Dwarves
Excalibur
Drum Solo
Forest Of The Unicorns
Warrior's Pride
The Ancient Forest Of Elves
Bass Solo
Of Michael The Archangel And Lucifer's Fall
Son Of Pain
Dawn Of Victory
---------
Dark Fate Of Atlantis
Emerald Sword
Warriors Of Ice

 

Pics: Maximilian Blom

AbfahrplanDie nächsten Konzerte

RAMMSTEIN + DEEP PURPLE + SCORPIONS + EVANESCENCE + IN FLAMES + FIVE FINGER DEATH PUNCH + ROB ZOMBIE + EMPEROR + ALTER BRIDGE + EUROPE + u.v.m.16.06.2017
bis
18.06.2017
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