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SUN OF THE SLEEPLESS, DORNENREICH, ARCTURUS, THE VISION BLEAK, SOROR DOLOROSA, HEXVESSEL, NHOR, LOTUS THIEF, SOLSTAFIR, GLERAKUR, DOOL, HYPNOPAZUZU, SPIRITUAL FRONT, NOETA

PROPHECY FEST 2017

Schon im Vorfeld des diesjährigen Prophecy Fests war zu lesen, dass es in Zukunft nicht mehr auf jährlicher Basis stattfinden wird. Als Grund wurden zurückgehende Zuschauerzahlen angeführt, was beim diesjährigen Billing wirklich verwunderlich ist.

 Neben so manchem Top-Act des Prophecy-Labels wurden allein mit Sólstafir und Hexvessel zwei zusätzliche Bands verpflichtet, für die das Ambiente der Balver Höhle wie geschaffen erscheint. Und so machen wir uns auf in das beschauliche Sauerlandstädtchen, um die einmalige Atmosphäre zu genießen.




Freitag



Im Falle der eröffnenden NHOR, deren Diskografie sowohl Black Metal als auch reduzierte Klaviermusik enthält, blieb bis zuletzt spannend, wie der Einstieg in das Festival klingen wird. Die Entscheidung fiel der stillen, unverstärkten Seite zu. Rückwärts gewandt zum Publikum sitzt der Musiker am Piano und spielt zum Teil improvisiert wirkende Weisen, deren Atmosphäre von einer Künstlerin im wahrsten Sinne des Wortes untermalt wird. Ihr parallel zur Musik entstehendes Bild kann auf der Leinwand beobachtet werden und strahlt eine simple, doch schöne Naturromantik aus, die gut zum Ambiente passt. Als „Opener“ für meinen Geschmack dennoch zu unaufgeregt. (ms)



Beim Auftritt von SOROR DOLOROSA macht sich als erstes der gestiegene Anteil an Patschuli-Duft in der Höhle bemerkbar. Die Gothic-Rocker können auf Anhieb mit ihrem tighten Sound begeistern und vor allem der Gesang lässt einen sofort in diese traurig-düstere Stimmung eintauchen, aus der man selbst nach dem Ende des Gigs nicht sofort erwacht. (sh)


Nach 18 Jahren Abwesenheit ist Schwadorfs (The Vision Bleak, Empyrium, Studio-E-Produzent) Soloprojekt SUN OF THE SLEEPLESS ein heiß erwartetes Highlight für viele Prophecy-Fest-Gäste. Mit neuem Album und professionellen Livemusikern im Rücken lässt der Zeremonienmeister nichts anbrennen. Die neuen, mit Choreinspielungen untermalten Tracks 'In The Realm Of The Bark' und 'Phoenix Rise' klingen breitwandig und voluminös. Noch mehr Begeisterung im Publikum ernten die Georg-Trakl-Vertonung 'Romanze zur Nacht' und der Klassiker 'Thou, Whose Face Hath Felt The Winter's Wind', zu welchem Eïs-Frontmann Alboin einen gelungenen Gastauftritt hinlegt. (ms)


Die nachfolgenden ARCTURUS polarisieren vor allem durch die durchgeknallte Performance von Sänger und Chefclown Vortex. Die Stimme lässt zwar keine Wünsche offen, jedoch bietet er eher eine Persiflage der eigenen Musik an, was den ein oder anderen schon nach dem dritten Song zum Verlassen der Höhle bewegt. Mich begeistern jedenfalls das großartige Zusammenspiel der Instrumentenfraktion und das absolut geniale Gitarrenspiel von Sechsaiter Knut, auch wenn es schwerfällt an den Zirkuseinlagen des Sängers vorbeizuschauen. Ein wenig Enttäuschung ist schon dabei, wenn eine Band, die so selten live zu sehen ist, dann durch so eine Show die Erwartungen nicht erfüllen kann.

GLERAKUR treten anschließend mit vier Gitarristen und einem Bassisten auf und erschaffen somit eine Klangatmosphäre, die ihresgleichen sucht. Die Post-Rock-Sounddesigner aus Island entführen die anwesenden Gäste dabei in Ambient-Atmosphären, die aufgrund ihrer repetitiven Riffs hypnotisch und beängstigend zugleich wirken. Wer traut sich heutzutage schon noch, ein Riff zehn Minuten lang zu entwickeln und es dabei immer besser werden zu lassen? Der Gastauftritt von Sólstafir-Sänger Addi beim Song 'Goddess Of The Ages' gefällt mir zum Ende nicht ganz so gut, wie erwartet. Alles zuvor war wirklich große Kunst!


SÓLSTAFIR selbst betreten dann als letzte Band an diesem Freitag die Bühne und können sich einer prall gefüllten Höhle erfreuen! Von Beginn an schaffen die ebenfalls aus Island stammenden Musiker die Anhängerschaft zu begeistern und mit einer derartigen Hit-Salve kommt keine Langeweile auf. Allein die Übersongs 'Ótta' und 'Fjara' sind dabei die Anreise zu diesem Festival wert. Dass Sänger Addi beim Song 'Necrologue', der ihm wohl sehr am Herzen liegt, die Zuschauer etwas rüde zur Ruhe auffordert ist ein kleiner Wermutstropfen, der sonst sehr friedlichen und freundschaftlichen Atmosphäre, die man am Ende des Tages kaum verlassen möchte. Was ein Festivalstart!
(sh)



Samstag

LOTUS THIEF aus San Francisco erweisen sich am Samstagvormittag als perfekte Glätter der Müdigkeitsfalten. Die Songs des Quintetts leben von starken Dynamiken, die Raum für leise Keys, Violine und die sphärischen Vocals beider Sängerinnen haben, aber ebenso plötzlich in Doublebass-Passagen mit virtuosen Gitarrensoli und Black-Metal-Screams münden können. Insgesamt ein wenig überfrachtet, aber definitiv interessant und von mehr Esprit, als der ein oder andere arg meditative Beitrag dieses Festivaltages.

Dazu gehört auch der Auftritt von THE MOON AND THE NIGHTSPIRIT. Die Ungarn Àgnes Tóth, Mihály Szabó und ihre Live-Musiker entwickeln mit Gesang, Violine, Flöte, Akustikgitarre und Percussions eine verträumte Folk/Mittelalter-Stimmung, sind mir zu diesem Zeitpunkt aber zu gleichförmig und fördern nicht unbedingt die soeben wiedererlangte Energie. Dennoch keine schlecht gemachte Musik und zahlreiche Gäste haben sichtbar ihre Freude daran.



SPIRITUAL FRONT haben von Beginn an eine typisch italienische Ausstrahlung und erweitern das Prophecy Fest mit ihrem „Armageddon Gigolo”-Special-Set um weitere, zuvor nicht dagewesene Nuancen aus Dark-Rock-Optik, traditionellen italienischen Folkharmonien und Morricone-Westernflair. Auf der Leinwand wird ihr Konzert durch das Sechzigerjahre-Filmdrama „Mamma Roma” begleitet, das wohl den wenigsten vorher ein Begriff gewesen sein wird. Im Zentrum des Bühnengeschehens steht Sänger/Gitarrist Simone Salvatori, der gesanglich in Topform ist und vom Publikum begeisterten Applaus bekommt.

Das schwedische Duo NOÊTA ist wieder etwas für geduldige Zeitgenossen und erinnert mit geheimnisvollen, zuweilen dezent brodelnden Songs an die früheren Prophecy-Fest-KünstlerInnen Darkher und Völur. Die Stimme von Sängerin Êlea besitzt ein beschwörendes, individuelles Timbre. Leider kann sie nicht über das einseitige, für einen langen Festivaltag zu monotone Set hinwegtrösten. Definitiv eher ein Fall für intime Abende mit Kaminfeuer und Sitzplätzen für die Hörer. (ms)

DORNENREICH bewegen sich mit ihrer Musik anschließend auf Messers Schneide. Die Akustik-Show wirkt manchmal eher wie vorgetragene Gedichte, die eine leichte musikalische Untermalung bekommen und so entwickeln sich schnell Längen, die einem etwas die Lust rauben noch länger zuzuschauen. Teile des Publikums sind anscheinend einer ähnlichen Meinung, da sich die Location zunehmend leert. Für Fans der Band sicherlich ein Muss, für alle anderen sehr schwere Kost.


THE VISION BLEAK ist für viele ein vorgezogener Headliner und für das Prophecy Fest wurden extra die SHADOW PHILHARMONICS mit auf die Bühne geholt. Die somit durch klassische Instrumente unterstützte Band bindet die zusätzlichen Musiker gekonnt mit ein und an dieser Stelle sollte auch der am gesamten Wochenende überragende Sound erwähnt werden. Selbst diese Anzahl an Instrumenten scheint für die Tontechniker kein Problem darzustellen! Mir hat Schwadorfs Auftritt mit Sun Of The Sleepless etwas besser gefallen, weil manchmal weniger doch etwas mehr ist, aber das ist sicherlich Geschmackssache, denn die Gesangsleistung ist auch hier wirklich ausgezeichnet!

HEXVESSEL begeben sich anschließend auf die Bühne und machen von Anfang an alles richtig. Die Ohrwurm-Songs ihrer aktuellen Kracher-Scheibe „When We Are Death“ bilden die Highlights der Show und als ob das noch nicht genug wäre, packt Hauptkomponist Mat noch die Akustikgitarre aus und spielt alleine den Grave-Pleasures-Song 'New Hip Moon'. Spätestens jetzt fällt einem hier alles aus dem Gesicht. Was ein Auftritt, was für sympathische Musiker, was für tolle Songs!


DOOL mischen den Laden dann so richtig auf: Fronterin Elle Bandita ist sofort auf Höchsttemperatur und hat eine dunkle Ausstrahlung, die so manche Black-Metal-Band selbst mit Blut und Kerzen nicht hinbekommt. Der angekündigte Auftritt von ex-The-Devil's-Blood-Sängerin Farida findet leider nicht statt, aber die zwei Backgroundsängerinnen, die extra für diesen Auftritt hinzugezogen wurden, passen perfekt ins Klangbild. Ich bleibe bei der schon einmal von mir postulierten Aussage: Dool sind eine der besten Live-Bands, die momentan auf diesem Planeten zu sehen sind. Großartig!

HYPNOPAZŪZU bieten als letzte Band des Festivals dann eine gewisse Schwere in der Musik, die um diese Uhrzeit natürlich etwas anstrengend ist. Die abgedrehten Elektroparts sowie die eingängigen Vocals erfüllen aber dennoch die gesamte Höhle mit Staunen, so dass man bei jedem Song eine andere stilistische Änderung zu hören bekommt. Nach der Energie-Leistung von Dool ist dies nun ein eher gemütlicher Ausklang eines fantastischen Festivals. Wann auch immer das Prophecy Fest wieder stattfinden wird: wir werden da sein! (sh)


Abseits der Bühne gab es auch dieses Jahr wieder eine Kunstausstellung zu bewundern, welche Bilder des österreichischen Illustrators IRRWISCH zeigte. Genreübergreifend arbeitete er in jüngster Vergangenheit für Hexvessel, Anomalie, Lotus Thief und Fäulnis. Sein Zeichenstil ist erstaunlich variabel und reicht von morbiden Motiven bis zu psychedelischen, expressiven Farbausbrüchen. Darüber hinaus ging die opulente Gestaltung des Festival-Programmbuches auf sein Konto. Interessierte schauen auf http://www.irrwisch-artdesign.com/ vorbei. (ms)

Dem Prophecy Fest die vorerst letzte Ehre erwiesen: Meredith Schmiedeskamp und Stefan Hackländer



 

Pics: Stefan Hackländer

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