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SOMRAK, ONDSKAPT, THE ONE

Oberhausen, Helvete

Ondskapt

Die Zeit ist ein Arschloch, das wird heute Abend einmal mehr klar. Wegen eines Staus treffen die auftretenden Bands samt Equipment und Merchandise erst kurz nach dem offiziellen Einlass ein, was in der Folge eine saftige Verspätung von einer guten Stunde mit sich bringt. Also wird alles etwas überhastet aufgebaut, während die Fans ungeduldig auf den Einlass in den Kellerraum des Helvete warten.

Auch der preiswerte und vor allem NSBM-freie Merchstand bietet nur kurzzeitig Ablenkung, weshalb der Auftritt von SOMRAK an erster Stelle sehr wohlwollend aufgenommen wird. Die Ernüchterung folgt aber auf dem Fuße: Die Musik ist langweilig, die Performance unglaublich kacke und der Schlagzeugsound so nebenbei ziemlich mies. Nee, so macht das keinen Spaß!

Ondskapt Der Schlagzeugsound wird den Abend über nicht besser werden, denn der Techniker versucht, beide Bassdrums über ein Mikro abzunehmen, was aber spektakulär scheitert, weshalb nur die aus Publikumsperspektive rechte Bassdrum übertragen wird, was den Doublebasspassagen einen merkwürdigen Offbeat gibt, während den Blastbeats der nötige Wumms fehlt. Leidtragend sind hier vor allem THE ONE, die ansonsten mit einer großartigen, vom Wahnsinn getränkten Performance glänzen. Das Duo bringt mehr Druck in ihre Musik als so manche Fünferbesetzung und die Mischung aus rasenden Black-Metal-Parts und Ambient-Teilen funktioniert auch live ganz ausgezeichnet. Sänger I bewegt sich in seiner Bühnenperformance schon nicht mehr am Rande der Zurechnungsfähigkeit, sondern hat diese lange hinter sich gelassen. Der Schluss der Show erfolgt ohne Gruß, aber unter Hinterlassen von viel verbrannter Erde.

Danach nimmt das Unheil seinen Lauf: ONDSKAPT betreten die Bühne, und rein musikalisch ist erst mal alles in bester Ordnung. Drei Songs werden wuchtig, garstig, fies in die Meute geschossen, und bis auf den Drumsound stimmt alles. Dann kommt der abrupte Stop, das Bassdrumpedal hat es erwischt. Eine elendig lange Umbaupause folgt, und Publikum wie Musiker werden von Minute zu Minute genervter. Nach dem Wechsel auf die Doppelfußmaschine geht es endlich weiter, doch die Zeit drängt, denn um 0:00 Uhr ist definitiv Schicht im Schacht, weshalb nur drei weitere Songs gespielt werden können, bevor die Band die Bühne verlassen muss. Bei der entsprechenden Ansage der Technik reckt Bassist V.P. zwar noch den Mittelfinger in die Luft und drückt damit haargenau aus, was Band und Publikum denken, kann aber nicht verhindern, dass die Band kurz vor zwölf die Bühne verlassen muss.

Was bleibt festzuhalten? Sechs großartige Black-Metal-Songs, deren Atmosphäre auch die Zwangspause nicht killen konnte, und ein paar unglückliche Umstände, die den ersten Black-Metal-Höhepunkt des Jahres abgeschwächt haben. Schade. Hoffentlich beehren uns ONDSKAPT und auch THE ONE bald wieder.