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LANTLÔS, FALLOCH, HALLIG

Oberhausen, Helvete

LANTLOS

War diese Tour im Interview vor ein paar Monaten noch in grober Planung, steht heute Abend schon der letzte Termin der Europa-Rundreise von LANTLÔS und ihren schottischen Kollegen FALLOCH auf dem Kalender. Durch die aktive Facebook-Präsenz beider Bands konnte man als Fan während der vergangenen zwei Wochen immer ein bisschen virtuell mitreisen und hoffen, dass die Jungs auch am Ende noch Bock auf Mucke haben.

Als lokaler Opener stehen zur Prime Time HALLIG auf der Bühne und passen dabei erst mal stilistisch nicht zu der Musik, wegen der die meisten Leute hier sind. Ab der ersten Minute herrscht ein zügiges Doublebass- und Blastbeat-Brett mit eingängigen, beschwingten Gitarrenrhythmen. Gesanglich beschränkt Frontmann Igor sich auf hohe, beißende Black-Metal-Screams, die gut zur Instrumentalfraktion passen. Insgesamt eine solide Vorstellung, die meinen subjektiven Geschmack trotzdem nicht wirklich trifft. Das Bühnenlicht ist mit grün-blauen Farben allerdings schön und passend zum maritim-isolierten Bandnamen inszeniert.

Über eine halbe Stunde zieht sich die Umbaupause hin, zu deren Ende ich mich langsam frage, warum die auf der Bühne umherwuselnden Typen alle Bandshirts des Headliners tragen müssen. Fünf Minuten später stehen FALLOCH in oben beschriebener Montur im Scheinwerferlicht und machen musikalisch eine weitaus vielseitigere Figur als in modischer Hinsicht. Seitdem sich das Bandkarussell um Gründungsmitglied Scott McLean in der jüngeren Vergangenheit kräftig gedreht hat, lebt der Gesamtsound zwar nach wie vor von seiner keltisch-melodischen Atmosphäre, hat durch den epischen, bisweilen latent Indie/Emo-lastigen Gesang von Tony Dunn jedoch jede schwarze Färbung verloren. Bis auf den Ohrwum 'Where We Believe' besteht die Setlist nur aus dem Material der aktuellen Scheibe „This Island, Our Funeral“, das ausladend, midtempolastig, aber auch schwer groovend daherkommt. New Wave Of Scottish Folk Post Metal, oder so. Zum Abschluss widmen FALLOCH den Kollegen von LANTLÔS das zwölfminütige 'Sanctuary', das mit schönen Bassmelodien und krachigem Finale mein Highlands-Highlight des Abends ist.

Markus Siegenhort und seine Mitstreiter stehen gegen 23 Uhr dann vor einem stilistisch breitgefächterten Publikum (Metalshirts aller Art, Indie-Hipster, private Freunde der Band). Neugierig darauf, wie LANTLÔS anno 2014 mit ihrer musikalischen Entwicklung live umgehen, sind wir alle. Blau-rotes Licht, ein Rauschen statt Intro, dann kracht die Drei-Gitarren-Wand mit dem sperrigen Opener 'Intrauterin' herein. Zähe Riffs, kernige Screams und ein gefühlvoller, postrockig-bluesiger Mittelteil stecken den musikalischen Rahmen ab und bringen die Leute vor der Bühne zum Abgehen. Weiter geht’s mit dem kurzen 'Bloody Lips And Paper Skin', bevor der ausführliche Exkurs zum aktuellen Album „Melting Sun“ beginnt. Gitarren und Bass grooven fett, Schlagzeuger Felix scheint seine Crash-Becken innig zu lieben und Markus geht in den Songs sichtbar auf, auch wenn der Gesang heute nicht ganz an die Album-Performance heranreicht. Fans des Debütalbums kommen heute nicht auf ihre Kosten und werden es – so mein Eindruck – auch in Zukunft nicht mehr. Mit 'Bliss' geht es kurz vor Schluss nochmal zur „Agape“-Scheibe von 2011 zurück. Gitarrist Cedric geht während des Songs ans Keyboard und zusammen mit Bass und Schlagzeug entsteht ein trippiges Jazz-Feeling, das am Ende in einer vom böllernden Eingangsriff angeschobenen Blast-Eruption endet. Letzten Endes schafft 'Coma' eine Reminiszenz an die frühe Bandphase, die langsam aber sicher als gefühlter Fremdkörper zurückgelassen wird. Passend dazu werden die lautstarken Zugabe-Forderungen mit der Wiederholung von 'Melting Sun I' quittiert, da „nicht mehr Songs einstudiert wurden“. Ob sie nicht konnten oder nicht wollten, bleibt der Band überlassen. Ich hatte einen schönen Abend.


Setlist Lantlôs

Intrauterin
Bloody Lips And Paper Skin
Melting Sun I – Azure Chimes
Melting Sun II – Cherry Quartz
Melting Sun III – Aquamarine Towers
Melting Sun IV – Jade Fields
Bliss
Coma

Melting Sun I – Azure Chimes