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WHITESNAKE, JOURNEY

Hi Rock Festival 2013

Hi Rock Chiemgau

Inzell, Max-Aicher-Arena

„In Chiemgau hingegen wird das Festival in einer geschlossenen Arena veranstaltet, was nicht weniger Atmosphäre verspricht. Die Temperatur wird indoor-typisch gleichmäßiger als unter freiem Himmel und Regen mit Sicherheit kein Störfaktor sein. Mit kontrolliertem Hallensound werden unsere Hits mit Sicherheit auch hier für gewaltig Gänsehaut sorgen.“ So steht es auf der Homepage des Festivals, doch dazu später mehr.

Samstag

Um 16 Uhr starten H.E.A.T. und beweisen sofort, dass die jungen Schweden schon weit mehr als ein Newcomer sind. Absolut professionell zeigt die Truppe wie man den Sleaze-Sound der Achtziger auch in der Gegenwart freisetzen kann, ohne dabei altbacken oder peinlich zu klingen. Im Mittelpunkt steht dabei Frontmann Erik Grönwall, der als Mischung aus Billy Idol, Tobias Sammet und Bill von Tokio Hotel eine beeindruckende Bühnenperformance hinlegt. Hut ab, besser hätte das Festival nicht starten können.

VOODOO CIRCLE haben mit 'Tears In The Rain' eine passende Nummer im Programm, denn außerhalb der Halle regnet es in Strömen und zunächst ist man froh, dass dies heute keine Open-Air-Veranstaltung ist. Allerdings wird die Truppe um Alex Beyrodt und mit Mat Sinner am Bass sowie David Readman am Gesang nicht ganz den Erwartungen gerecht. Während man mit seinen beiden Veröffentlichungen die Comeback-Alben von Whitesnake locker toppt, kann man heute aber nur bedingt überzeugen, was auch am miserablen Sound liegt. Ganz große Klasse allerdings der kleine Junge am Bühnenrand (Sohn vom Keyboarder?), der nonstop mitbangt, klatscht oder das Schlagzeugspiel imitiert. Jede Wette, von dem Junior wird man noch hören!

Für die BLACK STAR RIDERS ist es heute erst der zweite Auftritt nach der Umfirmierung. Neben zahlreichen neuen Nummern spielt man natürlich Thin-Lizzy-Klassiker wie 'Jailbreak', 'Massacre', 'Emerald', 'Waiting For An Alibi' und die umjubelte Schlussnummer 'The Boys Are Back In Town'. Bei den eigenen Nummer überzeugen vor allem 'Bound For Glory' und 'Kingdom Of The Lost', während es der Rest der Titel naturgemäß nicht ganz mit den Thin-Lizzy-Übernummern der Siebziger und Achtziger aufnehmen kann. Trotzdem Respekt vor dem Mut neue Songs zu schreiben und den bekannten Namen abzulegen. So oder so, das Erbe von Thin Lizzy ist bei den Herren Mendoza (niemand spielt den Bass mit mehr Sexappeal), Gorham (würdevoll gealtert), Johnson, Warwick und DeGrasso in besten Händen. Ride on!

EUROPE haben sich mit ihrem Comeback-Alben musikalisch enorm weiterentwickelt und seit den Achtzigern einen beeindruckenden Reifeprozess hingelegt. Bevor die unvermeidbaren Kommerznummern wie 'Superstitious', 'Carrie', 'Rock The Night' und abschließend 'The Final Countdown' kommen, hat man mit den Openern 'Riches To Rages', 'Not Suppossed To Sing The Blues' und 'Firebox' anspruchsvolleres Material im Programm. Auch lobenswert, dass man anlässlich des 30-jährigen Bandjubiläums eine Nummer vom erstklassigen Debüt bringt. Ungeklärt bleibt aber, wie Joey Tempest es schafft, nicht zu altern.

Nach den eher schwachen Auftritten mit Alice Cooper (2010) und beim Sonisphere in Basel (2011) durfte man auf WHITESNAKE besonders gespannt sein. So bestand während des The-Who-Intros die bange Frage, ob David Coverdale und seine neu besetzte Truppe das Ruder noch mal herumreißen können. Um es vorweg zu nehmen: Es gelingt! Eine wichtige Rolle nimmt dabei die Setlist ein, die mit 'Ready An' Willing', 'Don't Break My Heart Again', 'Gambler', 'Fool For Your Loving' und 'Here I Go Again'
einige Nummern aus der Zeit vor dem massiven kommerziellen Kurswechsel von 1987 enthält. Dass dabei überraschenderweise 'Gambler' im Programm auftaucht, hat in erster Linie damit zu tun, dass David diese Nummer seinen verstorbenen langjährigen Weggefährten Mel Galley, Cozy Powell und Jon Lord widmet. Ansonsten zeigt sich, dass den neuen Nummern seit dem Comeback einfach die Klasse fehlt, um neben dem älteren Material zu bestehen. Gleiches gilt leider auch für die Besetzung. Klar, dass Reb Beach und Doug Aldrich hervorragende Gitarristen sind, angemessene Songwriter sind sie aber eher nicht. Zudem schaffen es die Herren Ruedy und Devin an den Keyboards, bzw. Bass nicht, aus dem mächtigen Schatten ihrer Vorgänger zu treten. Gut, dass wenigstens an den Drums mit Tommy Aldridge eine Persönlichkeit zurückgekehrt ist. Phänomenal sind seine Frisur, sein Engagement, sein Drumsolo (teilweise mit bloßen Händen) und sein Trommelwirbel bei der Schlussnummer 'Still Of The Night'. Ohne seinen Punch, wäre der heutige Auftritt nur die Hälfte wert gewesen! Und Mastermind David Coverdale? Gut gelaunt führt er durch das Programm, hat Spaß an den Publikumsreaktionen und freut sich, dass die „weiße Schlange“ nach 35 Jahren noch Biss hat. Auch Vermutungen, wie bei der Tour 2010, dass er einen Playback-Set hinlegt, sind heute unbegründet.

Dennoch ist es schade, dass die Setlist im Vergleich zum neuen Livealbum „Made in Britain“ stark abgespeckt wurde und Nummern wie 'Ain't No Love In The Heart of The City', 'Slide It In' oder etwas aus seiner Deep-Purple-History ausgeblendet werden.

Während Whitesnake auf den Plakaten und Festivalshirts als Headliner angekündigt sind, treten JOURNEY aus „produktionstechnischen Gründen“ als letzte Band des Tages auf. Wie sich zeigt, ist das eine perfekte Entscheidung. Gleich zu Beginn gibt es mit 'Seperate Ways' und 'Any Way You Want It' zwei der Überhits der Kalifornier, ohne dass danach das Niveau merklich fällt. Im Gegenteil: Die Veteranen hauen einen unsterblichen Klassiker nach dem anderen ins begeisterte Publikum. Ein Riesenkompliment geht dabei an Frontmann Arnel Pineda, der einen unglaublichen Job liefert, indem er einerseits die Nummern brillant singt ('Faithfully' wird allerdings von Drummer Deen Castronovo nicht minder gelungen übernommen) und zeitgleich nassgeschwitzt nonstop Bühnenaction bietet. Weltklasse! So demonstrieren die Herren um Mastermind Neal Schon einmal mehr, dass man Powerrock nicht besser spielen kann und Balladen kaum emotionaler wie 'Lights' (in der Bay Area dürfte heute bestimmt besseres Wetter herrschen) oder 'Faithfully' sein können. Letztlich sind die Veteranen und ihr asiatischer Jungspund mit ihrer Perfektion und superben Setlist ein mehr als würdiger Headliner.

So haben alle Anwesenden den Wunsch, dass die Band auch künftig wieder auf europäischen Bühnen seine Visitenkarte abgibt.

 

Sonntag

Als man um 16 Uhr nur einen Tourbus vor der Halle sieht, ahnt man schon Böses. Während es draußen wie gewohnt seit vier Tagen weiter regnet, erwartet einen in der Halle zunächst eine unangekündigte lokale Coverband, die mit Nummern von U2, den Beatles, Pink Floyd, CCR und den Rolling Stones das Warten überbrückt. Als dann um 17 Uhr (!) vom Veranstalter die Mitteilung vorgelesen wird, dass das Festival abgebrochen werden muss, macht sich Enttäuschung und auch Verständnis breit. Also nix mehr mit FM, RICK SPINGFIELD, SURVIVOR und TOTO, stattdessen spontaner Abmarsch.
Deshalb noch einige Anmerkungen zur Organisation und Kommunikation rund um das Festival. Zunächst hat man ein tolles Line-up auf die Beine gestellt und mit der Max-Aicher-Halle, der Heimat der deutschen Eisläufer, eine gigantische Hallenwahl getroffen, die auf den ersten Blick auch bei Unwetter ein tolles Festival ermöglichen sollte.

Beeinträchtigt wird die Wahl der Location allerdings durch den Mangel an Toiletten (es gibt ja nach Geschlecht nur je einen Toilettenraum!) und die sibirischen Temperaturen in der Arena. Das Leute in der Daunenjacke herumrennen, Wollmützen, Schals und Handschuhe tragen müssen, wäre vermeidbar gewesen. Warum wird die Lüftung nicht auf „warm“ gedreht oder wenigstens Glühwein ausgeschenkt?

Ebenso unprofessionell ist die Kommunikation rund um das Festival. Für das Wetter können die Veranstalter am wenigsten und wahrscheinlich hat es seit der Zeit der Arche Noah noch nie so ergiebig in Europa geregnet (und das am kalendarischen Sommeranfang). Aber warum sagt man es erst um
17 Uhr ab, wenn schon am Vorabend absehbar war, dass die Bands mit der Anreise vom Schwester-Festival an der Loreley Schwierigkeiten haben werden und auch eine sichere Abreise der Anwesenden nicht gewährleistet werden kann? Warum wird auf der Festivalhomepage nicht zeitnah die Running Order und die Wettersituation kommuniziert? So bleibt nach dem erstklassigen ersten Festivaltag ein fader Beigeschmack. Mal sehen, ob das Festival nächsten Sommer eine Fortsetzung finden wird.

Der Einleitungssatz von der Festivalhomepage hat zumindest für 2013 einen unerwarteten Realitätsbezug gewonnen.

 

SETLIST WHITESNAKE

Give Me All Your Love
Ready An' Willing
Can You Hear The Wind Blow
Don't Break My Heart Again
Is This Love
Gambler
Love Will Set You Free
Guitar Duel Aldrich/Beach
Steal Your Heart Away
Forevermore
Best Years
Bad Boys
Fool For Your Loving
Here I Go Again
Still Of The Night

 

SETLIST JOURNEY

Seperate Ways (Worlds Apart)
Any Way You Want It
Chain Reaction
Only The Young
Stone In Love
Keep On Running
Edge Of The Blade
Lights
Open Arms
Escape
Dead Or Alive
Wheel In The Sky
Faithfully
Be Good To Yourself
Don't Stop Believin'

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