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LIMP BIZKIT, OZZY OSBOURNE, GUNS N' ROSES

Graspop Metal Meeting 2012

GRASPOP METAL MEETING 2012

Am letzten Juniwochenende öffnet das Graspop Metal Meeting im beschaulichen belgischen Örtchen Dessel bereits zum 17. Mal seine Pforten und lockt mit einem gewohnt hochkarätigen und gut gemischten Billing. Wir kämpfen uns durch Regen, Wind und Sonnenschein, um euch von den Highlights des Wochenendes zu berichten.

Freitag

Der Wetterbericht lässt für das Wochenende böses erahnen: Die Temperaturen sollen sich tagsüber zwar in annehmbaren Rahmen bewegen, nachts soll es aber im Gegenzug bitterkalt werden. Zudem sind Schauer und Gewitter angesagt. Na dann Prost Mahlzeit. Zumindest am ersten Festivaltag tritt die zu erwartende Wetter-Apokalypse aber noch nicht ein, stattdessen gibt es Sonnenschein und gut aufgelegte Bands.

SACRED REICH zerlegen bereits am frühen Nachmittag das Marquee 1, eine der beiden riesigen Zeltbühnen. Frontmann Phil Rind entpuppt sich wie gewohnt als gut gelaunter Wonneproppen, der das Publikum mit seinen sympathischen Ansagen auf Trab hält. Das Zelt ist trotz der relativ frühen Stunde gut gefüllt und feiert Hits wie ‘Who’s To Blame‘, ‘The American Way‘ und ‘Surf Nicaragua‘ ordentlich ab.

Ebenfalls über Publikumsmangel nicht beklagen kann sich SLASH, der zusammen mit seiner aktuellen Soloband im Anschluss die Hauptbühne rockt. Grade von ihrer aktuellen Tour im Vorprogramm von Mötley Crüe zurückgekehrt, geben sich die Herren deutlich souveräner und aufeinander eingespielter als bei ihrem letzten Graspop-Gig vor zwei Jahren. In Sachen Setlist wird gewohnte Kost geboten: Ein paar Gunners-Songs hier, ein Velvet-Revolver-Stück da, kombiniert mit einem großen Anteil an Solo-Material. Myles Kennedy singt brillant und bringt sowohl die Eigenkompositionen als auch sämtliche Coverstücke hervorragend rüber.

Blickt man sich am späten Nachmittag vor der Hauptbühne um, könnte man fast meinen, dass der Tagesheadliner vorverlegt wurde. Dem ist jedoch mitnichten so, Grund für den wahnsinnigen Menschenauflauf sind SABATON, die eine ihrer ersten Shows in der neuen Besetzung spielen, und dementsprechend Interesse generieren. Auffällig ist von Beginn an, dass vor allem die Anzahl an Pyro-Effekten im Vergleich zu den letzten Open-Air-Auftritten der Schweden deutlich zugenommen hat. Die neuen Bandmitglieder machen einen ordentlichen Job an ihren Instrumenten, posen manierlich vor sich hin, und fügen sich gut ins Gesamtbild ein. Der größte Blickfang ist jedoch nach wie vor Frontmann Joakim Brodén, der wir ein Derwisch über die Bühne flitzt.

Den Tagesheadliner machen heute Abend OZZY & FRIENDS, die für die ursprünglich angekündigten Black Sabbath, welche wegen Tony Iommis Krebsleiden nahezu alle Sommer-Shows absagen mussten, einspringen. Ozzy Osbourne hat sich für seine Show mit allerlei Metal-Prominenz verstärkt, unter anderem geben sich Slash, Zakk Wylde und Geezer Butler die Ehre. Der Madman himself scheint in guter Verfassung zu sein, hüpft fröhlich klatschend und grinsend vor sich hin, fordert das Publikum zum Mitsingen auf (legendär: Ozzys inzwischen reichlich tattrig wirkende „I can’t hear you!“-Rufe) und bietet gute anderthalb Stunden beste Unterhaltung mit einer ordentlichen Portion an Hits aus dem Ozzy-/Sabbath-Fundus.

 

Samstag

Auch heute meinen es die Wettergötter gut mit den Angereisten: Bis auf einige wenige Regenschauer in der Nacht bleibt es größtenteils trocken und angenehm warm. POWERWOLF und ALESTORM dudeln schon am frühen Mittag vor einem respektablen und begeisterungsfähigen Publikum vor sich hin, das erste große Highlight des Tages sind jedoch THIN LIZZY, die einmal mehr beweisen, dass sie noch längst nicht zum alten Eisen gehören. Schade nur, dass sich für die Show der Iren nicht wirklich viel Publikum vor der Mainstage eingefunden hat, verdient hätten sie es allemal.

Ganz anders sieht die Sache wenige Stunden später bei MEGADETH auf: Dave Mustaine und seine Band haben eine amtliche Meute an Fans versammelt und hauen einen Klassiker nach dem anderen raus. Zum wirklich sympathischen Zeitgenossen wird Dave zwar nie werden, zumindest geht er während des Gigs aber sehr souverän mit einem Störenfried um, der den Mainman mit penetranten Stinkefinger-Attacken nerven will, und verkündet dem Burschen lächelnd, dass ihn seine Nerverei ob der allgemeinen Stimmung herzlich wenig interessiert. Recht so!

TWISTED SISTER machen im Anschluss einmal mehr ihrem Ruf als erstklassige Liveband alle Ehre und zeigen dem Publikum, wie eine ordentliche Rockshow auszusehen hat. Frontmann Dee Snider glänzt mit Sangesleistung, Publikumsinteraktion und spaßigen Ansagen, Basser Mark „The Animal“ Mendoza macht seinem Namen alle Ehre und haut wie ein Tier in die Seiten, und Jahrhundert-Hits wie ‘We’re Not Gonna Take It‘ und ‘I Wanna Rock‘ geben ihr übriges, um die SISTER-Show zu einem der Festivalhighlights zu machen. Einziger Wermutstropfen: Der Auftritt ist mit 70 Minuten viel zu kurz, um den Qualitäten der Schwestern wirklich gerecht zu werden.

Gleiches trifft im übrigen auch für die Show der Düster-Metaller DIMMU BORGIR zu, die das proppevolle Marquee 1 mit viel Schminke, Gruselflair und Theatralik in eine Mischung aus Geisterbahn und Live-Horrorbühne verwandeln und damit beim Publikum so sehr punkten wie kaum eine andere Band auf den Zeltbühnen an diesem Wochenende. All diejenigen, die aus Platzmangel nicht mehr ins Zelt passen – und das fasst geschätzte 6.000 bis 8.000 Leute – können die Show der Norweger auf einer der Videoleinwände vor dem Eingang verfolgen.

Auch LIMP BIZKIT machen ihre Sache gut und liefern eine ordentliche Show mit vielen Hits, sind aber gefühlt der am wenigsten gut besuchte Headliner-Act der letzten paar Graspop Metal Meetings.

 

Sonntag

Da ist er also endlich, der lang angekündigte Regen. Pünktlich zum Showbeginn von SEBASTIAN BACH regnet es gegen Mittag wie aus Kübeln, was nicht nur dem spärlichen Publikum, sondern offenkundig auch dem ehemaligen Skid-Row-Fronter Bach derbe zu schaffen macht. Goldlöckchen gibt sich ungewohnt unagil, beäugt misstrauisch den wolkenverhangenen Himmel und scheint auch sonst ob der frühen Stunde wenig begeistert, wie er mehr als einmal verlauten lässt. Die Darbietung von ’18 And Life‘ bricht der blonde Hühne nach der ersten Strophe ab, weil er wegen seines gerade erst zu sich genommenen Frühstücks kräftig rülpsen muss (sic!), und überhaupt, so früh musste er ja noch nie auf die Bretter. Der heutige Auftritt von Bach und seiner Band mag zwar wenig professionell sein, als frühmorgendlicher Comedy-Act taugt sie aber allemal.

UGLY KID JOE zeigen anschließend im Zelt, dass es auch anders geht: Die Herren (und Dame) sind in bester Laune, können das durchnässte Publikum begeistern und erfreuen in ihrer kurzen Spielzeit mit einer guten handvoll Hits. Gleiches gilt für GOTTHARD, die im Anschluss die Zeltbühne rocken und ihren neuen Frontmann Nic Maeder erstmalig dem belgischen Publikum vorstellen. Nic singt zwar hervorragend, muss aber in Zukunft definitiv noch an seinem Auftreten arbeiten, wenn er die großen Fußstapfen seines verstorbenen Vorgängers gebührend ausfüllen möchte. Für eine erste Feuerprobe reicht es aber allemal, und bei ‘One Life, One Soul‘ fließen im Publikum sogar vereinzelte Tränchen.

Da es im Außenbereich immer mal wieder schauert, ist die große Zeltbühne heute durchgängig gut gefüllt – sehr zur Freude von ex-Savatage-Mainman JON OLIVA, der am späten Nachmittag mit seiner Soloband aufspielt und schon länger nicht vor einem so großen Publikum gestanden haben dürfte. Der Mountain King ist gut bei Stimme und noch besser bei Laune - und gibt den Anwesenden in Form der (fast) kompletten Darbietung des „Hall Of The Mountain King“-Albums eine Vollbedienung in Sachen Savatage. Göttlich!

Zur Headliner-Show von GUNS N‘ ROSES haben die Wettergötter schließlich ein Einsehen und sorgen für weitestgehend klaren Himmel. Genauso wie bei der Gunners-Show in Mönchengladbach in der Woche zuvor gibt sich Axl agil und gut bei Stimme, seine Begleitband musikalisch einwandfrei. Auch für’s Auge wird einiges geboten: Der Auftritt wird von reichlich Pyros, Videoeinspielungen und einer hervorragend inszenierten Lichtshow begleitet. Die größte Überraschung ist jedoch die Tatsache, dass GUNS N‘ ROSES sowohl etwa 20 Minuten zu früh auf den Brettern stehen, als auch nach hinten raus um einige Minuten überziehen, und somit fast eine halbe Stunde länger spielen, als eigentlich angekündigt. Davon mal ab: Natürlich wäre es schön, die Gunners mal in Original-„Appetite For Destruction“-Besetzung live zu sehen – aber auch im aktuellen Line-up mit DJ Ashba, Bumblefoot und Tommy Stinson stecken die Herren aus Los Angeles noch so ziemlich alles in die Tasche, was in diesem Genre momentan live unterwegs ist.

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