GUANO APES, DONOTS, BULLET FOR MY VALENTINE

Das Deichbrand-Festival hat eine erstaunlich rasante Entwicklung hinter sich. 2005 startete das Festival in beschaulicher Atmosphäre mit deutlich unter 1000 Besuchern. Obwohl man anfangs mit einigen Problemen kämpfen musste, konnte  sich das Festival in der ansonsten Konzertarmen Region Cuxhaven/Bremerhaven schnell etablieren.

Die 2009 vollzogene Verlagerung des Geländes auf den Seeflughafen Nordholz kommt dem Festival dabei doppelt zu Gute: Man profitiert von der örtlichen Infrastruktur und einem größeren Einzugsgebiet. Dass man den Besucherrekord von 12.500 (2010) auf 18.000 Besucher (2011) steigern konnte und damit schon im Vorfeld „Ausverkauft!“ melden konnte, dürfte selbst die Veranstalter überrascht haben. Allerdings hat man in diesem Jahr beim Billing auch eher geklotzt als gekleckert: Als Headliner fungieren BULLET FOR MY VALENTINE, GUANO APES und DIE FANTASTISCHEN VIER. Auch der Rest des Programms ließ die Besucher das zeitweilig wirklich miese Wetter vergessen. Wir checkten die Livequalitäten der Rock-Hard-kompatiblen Acts.
Am Freitag laden THE BOSSHOSS zu ihrer gewohnt feierfreudigen Country-Rock-Cover-Melange. Die Band konnte schon auf dem letztjährigen Wacken Open Air begeistern. Und auch bei dem stürmischen und kalten Deichbrand-Wetter zaubert einem die Combo mit ihren Coverideen (eröffnet wird mit 'Anarchy In The UK'), der Spielfreude und den stilechten englischen Ansagen ein Lächeln ins Gesicht.
Die BROILERS schafften mit ihrem letzten Album nicht nur den Sprung in die Charts sondern auch ins Rock Hard. Und auch wenn der Sound der Band aufgrund des Ska-Anteils nicht jedem Fan der härteren Gangart zusagt, muss man der Band starke Livequalitäten attestieren. Was nur wirklich nervt, ist dieses betont coole, ausdrucklose Organ von Fronter Sammy, der auch bei den Ansagen diesen monotonen Tonfall beibehält.
Die DONOTS sind eigentlich immer ein Garant für spaßige, kurzweilige Shows. Heute fungiert die Band als Co-Headliner und enttäuscht massiv. Der ganze Gig wirkt zu verkopft, zu groß, ja zu wenig Punkrock. Das dies der erste Gig seit sechs Monaten ist, dürfte auch seinen Anteil an der etwas verkrampften Performance haben. Aber im Endeffekt sind es die neueren Songs, die die DONOTS von einer erwachseneren Seite zeigen: Was auf Platte und im Club gut funktionieren mag, überzeugt auf einer Festivalbühne nicht unbedingt. Besonders das Wave-lastige 'Changes' und 'Calling' verwirrt einige Leute, die die Band einige Jahre aus den Augen verloren hat. Zwar fängt die Combo sich im Laufe des Sets einigermaßen, aber das gesamte Publikum hat man erst bei dem Megahit 'Whatever Happened To The 80s' und dem Twisted-Sister-Cover 'We're Not Gonna Take It' auf seiner Seite.
BULLET FOR MY VALENTINE zeigen danach, wie man fachgerecht die Bühne zerlegt. Auf Platte wirkt die Musik der Band immer zu glatt und durchkalkuliert, live machen die vier Waliser aber stets ordentlich Feur unterm Hintern. Wer danach noch nicht genug von lauter Musik und schlechtem Wetter hat, lässt sich im Anschluss noch von CALLEJON ordentlich den Arsch versohlen.
Auch am Samstag lässt sich mit der Wettervorhersage kein Preis gewinnen. So verwundert es nicht, dass viele Festivalbesucher bei dem Sturm lieber daheim oder in ihren Zelten verweilen, als sich die Shows von EMIL BULLS oder BLACKMAIL im Nachmittagsprogramm zu geben. Richtig voll wird es auf dem Gelände erst zu JENNIFER ROSTOCK und IN EXTREMO. Letztere haben wieder ein mit Hits-gespicktes Programm am Start, müssen aber aufgrund des stürmischen Wetters auf sämtliche Pyroeinlagen verzichten. Aber auch so sorgen Michael Rhein und Co. dafür, dass das Publikum sich ein wenig aufwärmt. Mit dem Engagement von PENNYWISE beweist das Deichbrand nochmal Geschmack. Die Punkrocker mischen das Publikum nochmal ordentlich auf. Leider muss der Gig unterbrochen werden, da es in den ersten Reihen wohl etwas zu eng wird. Nach der Unterbrechung geht es aber fulimant weiter und bei der abschließenden 'Bro Hymn' geht nochmal das ganze Gelände steil.
Auf die GUANO APES darf man danach gespannt sein. Das Stagesetting mit den überdimensionierten A P E S-Buchstaben verspricht viel. Als die Band die Bühne entert, ist man tatsächlich von der Bühnenpräsenz von Fronterin Sandra Nasic fasziniert. Allerdings ist die Combo mit „Bel Air“ teilweise im völlig seichten, belanglosen Poprock angekommen und das schlägt sich auch in der Setlist nieder. Die alten Hits serviert die Band entweder nur häppchenweise oder lässt sie komplett außen vor. Somit hinterlässt der Auftritt einen mehr als faden Nachgeschmack.
Wer jetzt noch feiern will, stürmt ins Partyzelt. Es bleibt allerdings ein Rätsel, warum auf einem Rockfestival, als das sich das Deichbrand laut Untertitel ja immer noch versteht („Rockfestival am Meer“), ausschließlich irgendwelche Techno-DJs auflegen. So richtig Stimmung mag da bei den Rockfans nicht aufkommen.
Der Sonntag wird dann nochmal richtig nass, weshalb SKUNK ANANSIE, BAD RELIGION und DIE HAPPY leider ohne uns und viele Festivalsbesucher, die ebenfalls die vorzeitige Heimreise antreten, auskommen müssen.

Reviews

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