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DEAFHEAVEN, MYRKUR

Köln, Gebäude 9

DEAFHEAVEN und MYRKUR sind beide ein Kuriosum für sich. Selten, wenn nicht gar nie zuvor, hat Nischenmusik dieser Art ein Publikum in derartiger Menge und Diversität angezogen, wie anno 2016 der archaische Folk-Metal MYRKURs und die kalifornischen Post-Black-Metal-Exportschlager DEAFHEAVEN. Auf der gemeinsamen Europatour ist nicht nur das heutige Konzert im Kölner Gebäude 9 schon im Vorfeld ausverkauft.

Der Verdacht liegt nahe, dass MYRKURs Erfolgt dank Relapse-Records-Deal und dem „Mädchenbonus“ von Frontfrau Amalie Bruun auf geschickten PR-Strategien fußt. Musikalisch orientiert man sich am Sound der „Bergtatt“-Zeit Ulvers, was in Verbund mit dem traditionell-nordischen Gesang eine durchaus spannende Mischung erzeugt. Das Publikum ist neugierig und drückt sich von Anfang an zahlreich vor der Bühne herum, um keinen Moment zu verpassen. Von Black-Metallern, über auffällige Hipster bis zu komplett neutral gekleideten Personen ist alles bunt gemischt. Instrumental gibt es an MYRKURs Auftritt nichts auszusetzen, die Live-Musiker an Gitarre, Bass und Drums erledigen ihren Job zuverlässig und ohne Patzer. Ein bisschen schwieriger ist es mit Amalie Bruun selbst. Während die cleanen Vocals (z.B. in 'Onde børn') wirklich toll sind, wirkt ihre etwas verhuschte Modelperformance latent übertrieben und die rar gesäten Screams kommen kraftlos daher. Umso seltsamer, dass sie für eben jene Parts ihr Gitarrenspiel willkürlich zu unterbrechen scheint. Nach exakt 30 Minuten und einem schnellen „Thank you!“ geht es in die Pause.

Wenig später füllt sich der Saal bis in die letzte Reihe und es ist kaum an ein Vor oder Zurück zu denken, als DEAFHEAVEN mit 'Brought To The Water' ins Set einsteigen, welches in regulärer Reihenfolge das aktuelle Album „New Bermuda“ enthält. Frontmann George Clarke schreit, schwitzt und gestikuliert von der ersten Sekunde an, während die Band bei gutem Sound gelassen die Songs runterzockt. Die Ansagen beschränken sich auf Dank und Ankündigung der Songtitel. Auch wenn man dem Gesang Einseitigkeit vorwerfen kann und nicht jeder Part tiefgehend mitreißt, zeigen sich DEAFHEAVEN von routinierter, doch leidenschaftlicher Seite. Schnelles Geblaste trifft auf epische Dur-Harmonien, die wenig später den Schwenk in melancholische Post-Rock-Sphären meistern. Songwriter/Gitarrist Kerry McCoy soliert mit Bottleneck im herrlich wegdriftenden 'Come Back', das einem anfangs aggressiv ins Gesicht springt. Das Publikum fiebert mit, applaudiert und jubelt in den von kurzen Ambient-Samples überbrückten Pausen. Als Abschluss des intensiven – doch im Vergleich zum Eintrittspreis von rund 23 Euro kurzen – Headliner-Sets folgt mit 'Dream House' vom in der Indie-Presse viel rezitierten „Sunbather“-Album noch die Sahnehaube. Interessant bis seltsam, wie die Szenen sich aktuell entwickeln. DEAFHEAVEN betouren auch 2016 die halbe Welt zwischen Europa, Japan, Australien und den USA.

 

SETLIST DEAFHEAVEN

Brought To The Water
Luna
Baby Blue
Come Back
Gifts For The Earth
--
Dream House

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