Online-MegazineFestivals & Live Reviews

SANITYS DAWN

CELLE ROCK CITY 2007

Das Celle-Rock-City-Festival wurde im letzten Jahr noch als eintägige Veranstaltung durchgezogen, nun hat man das Ganze aufgrund des positiven Feedbacks auf zwei Tage ausgeweitet und konnte auch erste Bands gewinnen, die nicht aus Celle und Umgebung stammen. Leider ist nichts aus der geplanten Campingmöglichkeit geworden, aber das störte die rund 400 Besucher nicht sonderlich: Hier wurde gerockt!

FREITAG

 

Den Anfang machen am Freitag NOSEBLEED, die mit einem ordentlichen Death/Thrash-Gewitter loslegen. Es sind zwar noch nicht viele Banger anwesend, aber einige Fans sorgen schon für die ersten kleinen Moshpits. Gelungener Einstieg!

 

LUNARSPHERE bieten eine viel versprechende Mischung aus alten In-Flames- und Dark-Tranquillity-Elementen. Das Publikum geht ziemlich steil, allerdings geht im Bereich der Gitarrenarbeit den sichtlich jungen Musikern einiges an Synchronität flöten. Schade, denn ansonsten stimmt bei dem Gig soweit eigentlich alles.

 

Danach entern SPALTER die Bühne und - nun ja - sie spalten auch das Publikum. Dem einen erscheint der Metal mit deutschen Texten etwas zu stumpf, der Grindcore-Fraktion genügt es zum Durchdrehen. Schade, dass man aufgrund der extremen Hardcore-Shoutings, die sich Gitarrist, Bassist und Keyboarder teilen, von den Texten nicht viel versteht.

 

A CHINESE RESTAURANT wollen irgendwie so gar nicht ins Billing passen, weshalb sie mit ihrem Emo-Metal auch nicht wirklich viele Hunde hinter dem Ofen hervor locken können. Es entsteht durch die Aufstellung Bassist links, Gitarrist rechts auch ein ziemliches Loch auf der Bühne, welches das Trio nicht adäquat füllen kann.

 

DRONE rufen anschließend zur großen Mosh-Sause auf. Der Gig entwickelt sich zum absoluten Heimspiel. Es schafft an diesem Wochenende kaum eine andere Band, die Halle so voll zu bekommen und die Meute derart in Bewegung zu bringen. Von der obligatorischen Wall Of Death ('Stampmark') über Unmengen von Stagedivern (immer) bis hin zu einem coolen Circelpit ('Welcome To The Pit') ist mal wieder alles dabei. Leider matscht der Sound etwas, doch dafür entschädigt man mit einem neuen Crossover-Song - im Stile des Judgement-Night-Samplers -, der mit einem wirklich flinken MC dargeboten wird. Geile Scheiße!

 

Diese Stimmung können DARK AGE, auch aufgrund der doch wesentlich Party-untauglicheren Mucke, nicht halten. Einige der Besucher hat es aufgrund der Verzögerungen im Betriebsablauf auch schon nach Hause gezogen, weshalb DARK AGE nur noch mit einer halb vollen Halle Vorlieb nehmen müssen. Aber die Jungs ziehen ihr Ding respektabel durch - und musikalisch und auch songlich ist das Gebotene echt top!

 

Mit SUFFERAGE gibt es dann zu später Stunde noch eine gewaltige Portion "Hallo, wach!". Die Hamburger Band um Shouterin Jasmin überzeugt mit einer fetten Death-Metal-Packung, bei der vor allem das ultrapräzise Blast-Beat-Geballer einen ganz eigenen Unterhaltungswert besitzt. Und auch so richtig tiefe Growls aus einer Frauenkehle bekommt man in dieser Qualität nicht alle Tage geboten. Umso tragischer, dass die gute Jasmin beschlossen hat, am 21. Juli im Hamburger Ballroom ihren letzten Gig mit den Jungens zu absolvieren. Be there!

 

NAYLED bieten dann zu früher Stunde eine wirklich erfrischende Dosis aus Thrash und Metalcore, ohne dass dabei der Sänger in hyper-emotionale Gesänge noch in zu derbes Geshoute verfällt. Auch das Songmaterial weiß zu überzeugen, und die Band sprintet über die Bühne, als hätte sie einen Koffeinschock erlitten. Sehr feine Sache, der leider nur noch einige wenige Besucher bewohnen.

 

SAMSTAG

 

GAUNTLET drücken dem Publikum erstmal fetten Death Metal ins - noch etwas verkaterte - Gesicht. Dabei wissen vor allem die coolen Moshparts und das Stageacting zu gefallen - Grunzer Carl weiß auf jeden Fall, wie man beim Death Metal zu posen hat - ich sag nur Corpsegrinder. Die cleane Passage bei 'Sin Of Humanity' sollte aber entweder nochmal geübt oder gestrichen werden.

 

Danach folgt mit dem ersten Auftritt von SWAMP eines der Highlights des heutigen Tages. Fettester Stoner Rock mit einer ordentlichen Portion Rock'n'Roll trifft auf die Stimme von Muff-Sängerin Anja, die bei SWAMP eine ganz andere, rauere Facette ihrer Stimme vorstellen kann. Neben der sehr überzeugenden Musik, die einem mit Monsterbass auch so richtig schön im Bauch wummert, kommt die Band auch optisch total authentisch Stoner-mäßig rüber. Von den arschlangen Dreadlocks des Gitarristen bis zum Scott-Reeder-Look-alike am Bass geht hier einiges. Es wird dringend Zeit, dass diese Band ihr geniales Songmaterial auf Demo bannt!

 

NOXIOUS aus der Lüneburger Heide kommen mit coolem Alternative Metal um die Ecke, der live ziemlich knackig daher kommt. Lediglich die etwas zu langen und predigenden Ansagen zum Thema Kindesmissbrauch wirken etwas deplatziert und stimmungssenkend.

 

Anschließend kommen BLUEWATER FOG mit modernem Progressive Rock an, der zur rechten Zeit eine Entspannungspause vom doch etwas Death-Metal-lastigen Line-up bietet. Dazu präsentiert man auch eine ziemlich coole Lightshow, die die trippige Musik zwischen Tool und Porcupine Tree perfekt unterlegt. DRONE-Basser Martin zeigt hier übrigens, was er alles aus seinem Instrument raus holen kann. Der Sänger hat während des Gigs hoffentlich eins gemerkt: Mit Cap bangt es sich nicht nur schlecht, es sieht auch Scheiße aus!

 

Mit SANITY DAWN gibt es im Anschluss die heftigste Band des Festivals zu bestaunen. Die Jungs hauen einem mit vollem Körpereinsatz ihren Grindcore vor die Omme. Vor allem der Front-Weirdo sprintet auch gerne mal von der Bühne, um im Moshpit weiter zu krächzen. Das Ganze besitzt einen gewissen Unterhaltungswert, und auch musikalisch sind einige komplizierte Breaks zu verzeichnen, aber dem Ottonormalmetaller gehen die hyperventilierenden Vocals, die manchmal an abgeschlachtete Hühner erinnern, doch ein wenig auf den Sack.

 

Bei MUFF ist dann wieder Party pur angesagt. Die Qualität der Combo hat sich rumgesprochen und so kann die Band ihren Punkrock mit Pop-Einschlag in einen ziemlich vollen Zuschauerraum ballern. Die beiden Frontmiezen Anja und Sunny bezirzen dabei wieder die Männerwelt, haben diesmal aber einige Probleme mit ihren neuen In-ear-Monitoren. Aber ansonsten: Wieder eine ziemlich überzeugende Show. Watch out for the Debut "Horn Attack"!

 

Auch bei GORILLA MONSOON haben eigentlich Fans aller Genres irgendwie ihren Spaß. Der energiegeladene Stoner Rock wird auch ziemlich fett ins Publikum geschleudert. Der Össi-Slang von Fronter lässt einen dann aber ab und zu doch mal schmunzeln. Das einzige Manko der Band stellen die unvariablen Vocals dar, die auf Dauer doch arg monoton tönen. Etwas unverschämt ist, dass die Band ihre Spielzeit wissentlich ordentlich überschreitet. Sehr uncool!

 

Danach gehen OHRENFEINDT ziemlich laut und in voller AC/DC-Manier zu Werke. Leider wirken die auf Sex, Drugs & Rock'n'Roll-getrimmten Texte auf deutsch teilweise völlig albern, und auch das durchgängige Sonnenbrille-Tragen von Frontröhre Chris wirkt deplatziert. Aber irgendwo macht der Rock'n'Roll zum Bier doch Spaß.

 

Bei MOURNING CARESS machen sich die Verzögerungen dann so richtig bemerkbar: Es sind nur noch wenige Leute anwesend, die aber durch Fronter Gerrit direkt passend motiviert werden, näher an die Bühne zu kommen. Nach dieser Aufforderung können die Jungs mit ihrem emotionsgeladenen Metal doch noch einiges reißen.

 

Die noch folgenden THE OCEAN und CHAINWRECK muss ich mir aufgrund des frühen Abfahrtstermin am folgenden Tage leider kneifen. Aber auch ohne die beiden letzten Bands gesehen zu haben, steht fest: Celle rockt!

 

Pics: Alexandra Berg