RH #250Classic Albums

MEILENSTEINE: Diese Gitarre hat nur noch Sekunden zu leben (Michael Rensen)

„This guitar has seconds to live“, prangt in unschuldigen Lettern auf T-Shirts, deren restliche Frontfläche einen ganz in Weiß gekleideten, offenbar leicht erregten Musiker zeigt, der in eher einer als mehreren Sekunden seine Gitarre auf einem Bühnenboden ihrer finalen Bestimmung zuführen wird.

Das Motiv erfreut sich in den letzten Jahren wachsender Beliebtheit, selbst erwiesenermaßen handzahme Zeitgenossen wie Edguys Tobi Sammet lassen sich gerne in dem Hinrichtungs-Shirt ablichten (siehe Avantasia-Interview im letzten Rock Hard). Nach Jahren überstrenger Political Correctness ist es wieder hip, sich zu sinnfreier Gewalt gegen nie straffällig gewordene Musikinstrumente zu bekennen.

Besagtes Leibchen-Motiv stammt von einem Poster, mit dem die britischen Ur-Rüpel The Who 1979 den Soundtrack zu ihrem Live-Film „The Kids Are Alright“ bewarben. Who-Gitarrist Pete Townshend war der erste Griffbrettzauberer von Weltformat, der sein Arbeitsgerät nach ordnungsgemäßem Gebrauch nicht wieder zurück in den Koffer legte, sondern es in einem kathartischen Akt der Selbstreinigung zerdepperte. Nachdem der große amerikanische Aggro-Entertainer Jerry Lee Lewis bereits in den 50er Jahren so manches Klavier in Brand gesteckt oder zerschlagen hatte, übertrug Townshend die kontrollierte Zerstörung ein Jahrzehnt später auf das Phallussymbol der jungen Rock-Szene. Seine erste Axt zerschredderte er im Herbst 1964 in der Railway Tavern in London, als ihm beim obligatorischen Hochreißen der Gitarre...

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