Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 27.01.2016

HAMMERFALL , ARMORED SAINT , BEYOND THE BLACK , GLORYFUL , SODOM , ALESTORM , ASPHYX , AT THE GATES , DR. LIVING DEAD! , ACCEPT , PRIMORDIAL , DESERTED FEAR - RUHRPOTT METAL MEETING 2015


Oberhausen, Turbinenhalle

Neue Sommerfestivals jeder Größe und Couleur gibt´s jedes Jahr wie Sand am Meer, neue Winterfestivals eher selten. Mit dem RUHRPOTT METAL MEETING, das im Dezember zum ersten Mal stattfand, wollen die Veranstalter eine feste Größe im Pott etablieren. Wir machten uns vor Ort ein Bild von der Lage.

Das Ruhrpott Metal Meeting ist als Zwei-Tages-Indoor-Happening konzipiert. Ganz Hartgesottene können sich jedoch bereits auf der Warm-up-Show am Donnerstagabend die erste Dröhnung geben. Die Rock-Hard-Delegation ist am späten Freitagnachmittag pünktlich zur Umbaupause vor Deserted Fear am Start. Bevor es ans Eingemachte geht, schauen wir uns jedoch ein wenig in der Location um: Die Bands spielen allesamt in der großen Turbinenhalle 1, das Foyer beherbergt neben den Autogramm- und Merchständen auch die Bonkasse. Bonkasse? Richtig, an den Getränkeständen geht mit Bargeld nüscht. Kennt man schon, muss man nicht mögen, ändern kann man´s ohnehin nicht. In einer weiteren Halle ist ein großer Chillout-Bereich mitsamt Fressbüdchen und kleinem Metal-Markt aufgebaut. Die Preise für Bier und Verpflegung sind festivaltypisch nicht ganz günstig, gehen aber in Ordnung. Das interessanteste „nichtmusikalische“ Rahmenprogramm findet sich etwas versteckt im heute für jedermann frei zugänglichen Backstage-Bereich der Turbinenhalle 2: Hier stellt der bekannte Cover-Zeichner und Tattoo-Artist Axel Hermann einige seiner Werke aus. Sehr sehenswert – so sehr sogar, dass ihm am späten Samstagabend zwei der Exponate gestohlen werden. Liebe Leute, wer auch immer das war: So was geht echt überhaupt nicht! Axel freut sich per Facebook (www.facebook.com/the-art-of-axel-hermann-226860420813751) über sachdienliche Hinweise zum Verbleib seiner Bilder.

Freitag

DESERTED FEAR haben im vergangenen Frühjahr auf unserem hauseigenen Festival unter Beweis gestellt, dass sie völlig zu Recht zu den derzeit besten jungen Todesblei-Kapellen aus hiesigen Gefilden gezählt werden. Auch heute lassen die Jungs absolut nix anbrennen, rumpeln sich souverän durch ihren Set, kassieren jede Menge Applaus und gehen als Gewinner von der Bühne.
Während ASPHYX feixt im Anschluss ein Besucher neben mir: „Irgendwie fand ich die besser, als sie noch im Tourbus saßen.“ Meine Mucke ist´s auch nicht, aber das ist natürlich trotzdem ausgemachter Blödsinn: Sänger Martin Van Drunen und seine Truppe sind alte Hasen, bestens aufeinander eingespielt und zerlegen die Turbinenhalle nach allen Regeln der Kunst.
Die absoluten Außenseiter sind heute ALESTORM, die in musikalischer Hinsicht nach wie vor auf feucht-fröhlichen Piraten-Metal setzen, optisch aber eher wie ´ne Kreuzung aus Abba und ´ner HipHop-Combo daherkommen. Sehr strange – aber dem Publikum, das zu diesem Zeitpunkt in weiten Zügen schon bestens angetüdelt ist, scheint´s zu gefallen.
Über den Tagessieg in Sachen Fanreaktionen können sich SODOM freuen: Tom & Co. lassen keinen Stein auf dem anderen, feuern Kracher auf Kracher in die Menge, haben zudem Heimvorteil und sind sowieso geil wie immer. Vorbildlich!
Etwas schwächer fallen die Reaktionen bei AT THE GATES aus – wohl auch, weil ein Großteil der Besucher inzwischen seit den frühen Morgenstunden auf den Beinen sein dürfte. Freitag ist halt kein perfekter Tag für ein Festival, da können sich die wie immer sehr tighten Schweden noch so sehr abmühen. Für ein bisschen Applaus reicht´s freilich dennoch. (jp)

Samstag

Nachdem die mäßigen GLORYFUL als so was wie der Local Support fungieren durften, schicken sich AIR RAID an, das Publikum in der sich langsam füllenden Turbinenhalle aufzuwärmen. Der traditionelle Metal der Schweden ist mit Spielfreude souverän in Szene gesetzt, auch wenn der Sänger den Bogen hier und da in die etwas falsche Richtung überspannt. Aber kann man so nehmen!
Bevor der zwingende Teil des Programms startet, muss man dann allerdings erst noch BEYOND THE BLACK hinter sich bringen. Mit einfallslosen 08/15-Riffs in Endlosschleife, Konservenorchester, Träller-Elfe und einem gelegentlich grölenden, daneben ständig mit deplatzierten Publikumsanimationen nervenden Gitarristen ist das jedenfalls gar nicht mal so einfach. Meine Fresse!
Dann aber endlich der Doktor! Wenn klassische Anthrax und Suicidal Tendencies zu den Helden gehören, mit denen man aufgewachsen ist, machen DR. LIVING DEAD! als augenzwinkernde Huldigung an Derartiges zwangsläufig Mordslaune. Und wenn man den ja doch etwas höheren Altersdurchschnitt im Saal mal grob übern Daumen peilt, könnte das tatsächlich auf einige zutreffen. Das maskierte Quartett mit obligatorisch tief sitzenden Bandanas macht auf der Bühne eine halbe Stunde lang gut Action und landet mit dem Song ´Dr. Living Dead!´ – gelungenster ´Among The Living´-Rip-off aller Zeiten plus ´Angel Of Death´-Schrei – perfekt auf dem Punkt, auch wenn der Basser dabei so wild rumzappelt, dass nicht jeder Saitenanschlag oder Background-Shout wirklich sitzt. Der Blick auf die Uhr offenbart danach, dass die Schweden eigentlich sogar noch Zeit für ein, zwei weitere Nummern gehabt hätten, aber man scheint sich genug ausgetobt zu haben.
Von der Huldigung an die Anthrax alter Schule zum (Ex-)Sänger ihrer eigentlich besten Ära und dem Headliner der Herzen: ARMORED SAINT legen mit dem Titeltrack ihres aktuellen Knülleralbums „Win Hands Down“ los und geben von der ersten Sekunde an alles. Die Bandhymne ´March Of The Saint´ folgt direkt als Zweites und ´Long Before I Die´ noch vor der ersten Ansage nahtlos hinterher. Der Auftritt bleibt im weiteren Verlauf reich an Hits (´Exercise In Debauchery´!, ´Left Hook From Right Field´!, ´Reign Of Fire´!), und gerade auch Sangesgott John Bush schenkt sich dabei gar nichts. Man sieht ihn während des Gigs sowohl vom obersten, wackligen Boxenturm aus singen als auch im Fotograben einen Fan umarmen, der das Mikro vor die Nase bekommt. Eine derart agile Darbietung von jemandem über 50 verlangt Respekt ab, und so hätte es der Gute eigentlich nicht mal nötig, mit dem Kalauer punkten zu wollen, am Bier-Standort Deutschland ´Raising Fear´ als ´Raising Beer´ anzusagen. Und auch wenn ´Madhouse´ als Schlussnummer irgendwie etwas unspannend anmutet, ist der Marsch des Heiligen an diesem Abend erneut ein siegreicher. Hammergut!
Die Stimmung, die PRIMORDIAL verbreiten, mag eine etwas andere sein, aber die Iren halten das von Armored Saint vorgelegte Top-Niveau locker. Das liegt, wie man heute wiederholt feststellen kann, vor allem auch an Frontmann Alan Averill, der eine imposante Rampensau ist, mit seinem Corpsepaint aber auch die Erscheinung eines geisterhaften Predigers hat. Wenn er sich nicht gerade Wasser übers Kapüzchen gießt, gestikuliert und posiert er mit Nachdruck, bringt das epische Songmaterial wie die wieder mal ziemlich großartige Eröffnungsnummer ´Where Greater Men Have Fallen´ gesanglich mit Leidenschaft rüber und stachelt zwischendurch auch mal ungeniert das Publikum an. Die Band in seinem Rücken ist superb, egal ob die Musik mit Druck nach vorne treibt oder auch schon mal ein bis zwei Gänge ins Atmosphärische zurückschaltet. Tolle Show! (sd)
Nach den tiefgründig-düsteren Primordial geht es weiter mit leichterer Unterhaltung. HAMMERFALL betreten die Bühne und legen vor heroischer Fantasy-Kulisse einen mehr als soliden 75-Minuten-Auftritt hin. Vom Opener ´Hector´s Hymn´ an singt das Publikum lautstark mit, lässt im Takt der Musik begeisterte „Hey! Hey! Hey!“-Rufe vom Stapel und reckt Fäuste in die Luft. Dazu springt die Saiten-Fraktion über Treppen auf zwei Ego-Podeste neben den Drums und post synchron, während CO2-Fontänen in die Luft schießen. „Das ist Gitarren-Kamasutra“, kichert Asphyx/Desaster-Schlagzeuger Husky hinter mir, als Gitarrist Oscar Dronjak theatralisch vor seinen Bandkollegen auf den Knien rumrutscht und sich dabei sportlich verbiegt. Die Göteborger spielen vor mindestens so vielen Leuten wie Accept und zocken einen durchgehend kurzweiligen, starken Set.
ACCEPT verbiegen sich nicht ganz so sportlich, liefern aber dennoch einen nicht minder energiegeladenen Auftritt ab. Links und rechts des Schlagzeugs türmen sich Verstärkerwände, vor denen Wolf Hoffmann & Co. über die Bühne wirbeln, während eine starke Lichtshow dem Konzert einen würdigen Headliner-Anstrich verpasst. Zwischen Songs wie ´Stampede´, ´Stalingrad´, ´Dying Breed´ und ´Princess Of The Dawn´ begrüßt Frontmann Mark Tornillo das Publikum mit einem freundlichen „Guten Tag, Oberhasen!“ (sic!) und meint damit auch die Promille-Opfer, die mit Schlagseite durch den hinteren Hallenbereich wanken. Offensichtlich schmeckt der Alk in der Turbinenhalle besonders gut. Gegen Ende des Gigs hat man den Eindruck, dass irgendein letzter Zug oder Bus gefahren sein muss, denn es wird deutlich leerer. Dabei drehen Accept gerade auf der Zielgeraden mit ´Metal Heart´, ´Teutonic Terror´, ´Son Of A Bitch´ und dem Klassiker ´Balls To The Wall´ noch mal richtig auf und beenden das erste Ruhrpott Metal Meeting mit einem coolen Finale. (cs)

Auf dem RMM schüttelten Jens Peters (jp), Simon Dümpelmann (sd) und Conny Schiffbauer (cs) ihr Haupthaar. Durch den Fotograben boxte sich Thorsten Seiffert.

Pic: Thorsen Seiffert

Bands:
GLORYFUL
ASPHYX
DR. LIVING DEAD!
ARMORED SAINT
SODOM
DESERTED FEAR
ALESTORM
ACCEPT
HAMMERFALL
BEYOND THE BLACK
PRIMORDIAL
AT THE GATES
Autor:
Simon Dümpelmann
Conny Schiffbauer
Jens Peters

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.