Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 24.06.2015

METALLICA , PARADISE LOST , ACCEPT , SAINT VITUS , WITHIN TEMPTATION , ORCHID , BABYMETAL , EXODUS , THE DEAD DAISIES , BRANT BJORK , KISS , ORANGE GOBLIN , TRUCKFIGHTERS , JUDAS PRIEST , MUSE , HATEBREED , FAITH NO MORE , TESTAMENT , THE DARKNESS - ROCK IM REVIER 2015

Gelsenkirchen, Veltins-Arena

Eine Woche nach unserem diesjährigen Familientreffen im Gelsenkirchener Amphitheater feiert in Schalke-City ein neues Festival seine Premiere: Das Rock im Revier hatte im Vorfeld mit erheblichen Problemen (unter anderem der Umbenennung von Grüne Hölle Rock und Verlegung vom Nürburgring in die Veltins-Arena) zu kämpfen. Dennoch Ende gut, alles gut? Wir machten uns vor Ort ein Bild von der Lage.

Nach den organisatorischen Mängeln bei der „Big 4“-Show in der Arena auf Schalke haben sich die Veranstalter des Rock im Revier bei der Gastro und den Toiletten besondere Mühe gegeben. Allerdings wird am Freitag bereits beim Betreten des Geländes deutlich, dass aufgrund des überschaubaren Zuschauerandrangs die Bespielung der „Big Stage“ in der Arena völlig ausgereicht hätte, anstatt auf der ausgelagerten „Bang Stage“ und „Boom Stage“ weitere Talente vor wenigen Zuschauern zu verheizen. Nach EXODUS und HATEBREED sorgen auf der Hauptbühne nachmittags die Bay-Area-Thrasher TESTAMENT vor einigen tausend Bangern für Furore, und das ausnahmsweise mit einem annehmbaren Sound, der besonders das mächtige ´Three Days in Darkness´ erstrahlen lässt.

Obwohl man WITHIN TEMPTATION eingängiges und gefälliges Songmaterial attestieren muss, irritiert bei dem Auftritt, mit welchem Selbstverständnis circa die Hälfte der Musik und Vocals von Band kommt. Das haben die jüngst auf Platz vier der deutschen Albumcharts eingestiegenen FAITH NO MORE nicht nötig. Allerdings klingt die Band heute aufgrund der viel zu lauten Bassgitarre und des allgemein zu matschigen Sounds sehr unrund. Dennoch bieten die Kalifornier um den hervorragend singenden Mike Patton mit 14 Songs eine kurzweilige und beeindruckende Werkschau.

Eine Dreiviertelstunde nach dem Abgang der Alternative-Metaller tritt METALLICA-Fronter James Hetfield vor dem mittlerweile stark gewachsenen Publikum (geschätzt 30.000 Fans) ans Mikro: „Sorry to start the show with some bad news.... GIMME FUEL, GIMME FIRE, GIMME THAT WHAT I DESIRE!“ Was ein Einstieg in einen zweieinhalbstündigen Set, in dessen Verlauf das agile Quartett lange nicht mehr gespielte Songperlen in den Vordergrund rückt (´Metal Militia´, The Unforgiven II´, ´The Frayed Ends Of Sanity´, ´Damage Inc.´) und beweist, dass man aller Unkenrufe zum Trotz immer noch zu den stärksten Live-Acts im Metalbereich zählt. (rb)

Nachdem am Samstag auf der Hauptbühne schon früh Höchstklassiges geboten wird (ORCHID als Opener um 14 Uhr) und PARADISE LOST bei vollem Tageslicht mal wieder etwas deplatziert wirken, dürfen BABYMETAL für eine ihrer ersten Deutschland-Shows auf die Bretter. Um es kurz zu machen: Die folgenden 25 Minuten gehören mit zum Skurrilsten, was ich auf einem Festival je erleben durfte (und ich kann mich noch sehr gut an die Show der Impotent Sea Snakes auf dem W:O:A 2001 erinnern). Zugegeben, die Choreografie der drei kleinen Tanzmäuse, die den Fotografen untersagen, Bilder aus dem Bühnengraben zu machen, weil ihnen „ja jemand unter die Rüschenröcke lugen könnte“ (kein Scheiß!), hat einen gewissen Unterhaltungswert, aber mit Metal hat das ungefähr so viel zu tun wie unser Jagd-und-Hund-Experte Thomas Kupfer mit veganer Ernährung.

Wohl dem, der sich rechtzeitig in die etwas abseits gelegene kleine Halle flüchten kann, um den hervorragenden Gig der TRUCKFIGHTERS nicht zu verpassen. Apropos „kleine Halle“: Die „Bang Stage“ ist heute definitiv der Ort, an dem man sich aufhalten sollte, wenn man Bock auf vernünftige Mucke hat (und sich um THE HIVES, INCUBUS und LIMP BIZKIT drücken möchte), denn als Nächstes stehen dort BRANT BJORK, ORANGE GOBLIN und SAINT VITUS auf dem Plan, die jeweils vor einem Publikum in der Größenordnung von 50 bis 200 Nasen aufspielen müssen. Wirklich schade, denn die Bands sind durchweg gut aufgelegt, lassen sich die Laune nicht verderben und belohnen die wenigen Anwesenden mit ganz ausgezeichneten Shows.

Den Headliner auf der großen Bühne geben MUSE. Die Halle ist längst nicht so gut gefüllt wie am Vortag bei Metallica, die Stimmung aber dennoch gut, und die drei Herren legen einen erstklassigen Gig hin, der von Videoeinspielern und einer amtlichen Laser- und Lichtshow ansprechend in Szene gesetzt wird.

Der Festivalsonntag hat für meinen Geschmack mit Abstand das stärkste Programm zu bieten. Den Auftakt macht die Allstar-Truppe THE DEAD DAISIES, die sich etwa um eine halbe Stunde verspätet, dafür aber im Anschluss die bisher beste Show des Festivals auf die Bretter legt. Später am Nachmittag dürfen ACCEPT bei einem ihrer ersten Deutschland-Konzerte im runderneuerten Line-up beweisen, dass sie nichts von ihrer Power, Spielfreude und Begeisterungsfähigkeit verloren haben.

Eine echte Überraschung ist der Auftritt von THE DARKNESS, die kürzlich zwar ihre bis dato schwächste Platte vorgelegt haben, live aber rein gar nichts anbrennen lassen und trotz Dauerregen eine stattliche Menschenmenge an die Bühne fesseln. Justin Hawkins sieht inzwischen zwar wie eine (noch) abgehalftertere Version von Mötley Crües Tommy Lee aus, verfügt aber immer noch über ein wahnsinnig starkes Organ. Letzteres ist leider genau das, was JUDAS PRIEST-Frontsirene Rob Halford seit einer ganzen Weile abgeht, und auch wenn die Priester beim Publikum gut ankommen, ist ihr heutiger Auftritt der schwächste, dem ich bisher beiwohnen durfte (die Ripper-Owens-Gigs zur Jahrtausendwende eingeschlossen).

Auch KISS´ Paul Stanley war schon mal besser bei Stimme, aber beim großen Festivalfinale steht ohnehin mehr die Show im Vordergrund, und die stimmt natürlich. Es rummst, blitzt, kracht, pufft und pengt an allen Ecken und Enden, die Band spielt einen Hit nach dem anderen, ist erstaunlich agil, und zum Abschluss gibt´s ´nen ordentlichen Konfettiregen. So dürfen drei entspannte Festivaltage gerne zu Ende gehen. (jp)

Auf dem Rock im Revier hatten Spaß und jede Menge Platz: Ronny Bittner und Jens Peters. Die Fotos schoss Thorsten Seiffert.

Bands:
THE DARKNESS
PARADISE LOST
METALLICA
JUDAS PRIEST
BABYMETAL
WITHIN TEMPTATION
THE DEAD DAISIES
FAITH NO MORE
ORCHID
BRANT BJORK
KISS
ORANGE GOBLIN
MUSE
HATEBREED
TRUCKFIGHTERS
SAINT VITUS
ACCEPT
TESTAMENT
EXODUS
Autor:
Ronny Bittner
Jens Peters

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