Vorwort

Vorwort 29.08.2018

Der ganz normale Wahnsinn

Man kann sich natürlich auch dagegen entscheiden, aber für die meisten anderen gilt: Technik dominiert zunehmend unser Leben. Und Musik war schon immer eine starke Triebfeder, wenn Ingenieure sich neue Anwendungen ausdachten. Von der Erfindung der Schallplatte bis zum mp3-File, der Künstler/Musiker/Urheber war schon immer das letzte Glied in der Kette - oder gar der Konsument als zahlender Kunde? Darüber ließe sich stundenlang diskutieren.

Nun steht Streaming vor der Tür. Vor zwei Jahren vom Plattensammler noch als kostenlose Ersatz-Berieselungsanlage für Szene-uninteressierte Radiohörer verschrien, steht diese Technologie an der Schwelle, das komplette Musikgeschäft umzukrempeln. Spätestens, wenn sich in den nigelnagelneuen Karossen der Automobilindustrie nur noch vorinstallierte Streaming-Software anstelle von CD-Laufwerken befindet, ist das flächendeckende Geschäft mit der Musik besiegelt. Ob das nun der Sargnagel oder der Heilsbringer der mehr als 20 Jahre darbenden Musikindustrie ist, wird sich noch zeigen. Eine Kultur, die alle Marktteilnehmer von den Rechteinhabern bis zum Untergrund-Krachmacher an den Gewinnen der Internet-Konzerne fair beteiligt, ist momentan nicht in Sicht. Eine (seltsame) Allianz aus Lobbyisten dieser Firmen und Internet-Aktivisten wusste neulich erst eine entsprechende Initiative in Brüssel zu verhindern. Das macht den Artikel zum eher nüchternen Wirtschaftsthema „Streaming“ so spannend. Unser Black-Metal-Philosoph Hacky hat schon mal mit seiner Band einen Zeh ins kalte Wasser der Streaming-Welt gehalten. Beim Vermittler Distrokid hat er 20 Euro investiert, um die Songs seiner Eigenproduktion auf allen Kanälen zu „launchen“. Bisherige Einnahme: 7,36 Euro - immerhin. Die meisten Streams wurden in Tijuana, Mexiko, gehört. Warum er ausgerechnet dort entdeckt wurde, weiß er allerdings nicht.
Nicht weniger aufregend ist die Frage, ob unser Chefredakteur Boris auf den kommenden Konzerten Prügel oder Lob für die Entscheidung einstecken wird, „Grunge“ im Jahre 2018 noch zum Hauptsubjekt einer Rock-Hard-Titelstory zu machen. Mutig ist das auf jeden Fall. Warum dieses Kunstwort in Metallerkreisen so verhasst ist, lässt sich nicht mehr abschließend klären (vielleicht stimmt das ja auch gar nicht), wobei sich unsere Titelhelden Alice In Chains ohnehin immer schadlos gehalten haben. Ein Rückblick auf die Hochzeit des Seattle-Sounds sei uns dennoch erlaubt, schließlich haben wir mit Jörg Staude einen ausgewiesenen Experten für dieses Thema in unseren Reihen, und auch der Trip des Rock Hard in den Nordwesten der USA 1991 - noch vor „Nevermind“ übrigens - gehört zu den Wegmarken unseres Magazins, für die man sich nicht schämen muss. Zur Illustration konnten wir das Original des legendären „Dirt“-Albums organisieren, das der Fotograf Rocky Schenck 1992 noch analog mit einem Modell im künstlich aufgeschütteten Sandhaufen eines Studios abgelichtet hat. Die Berge im Hintergrund, so war zu lesen, hat er selbst gemalt. Ein würdiges Cover nach 35 Jahren Rock Hard!
Was, wie, 35 Jahre? Doch, doch. Rock Hard Nummer eins erschien im September 1983. Doch zum Feiern kommen wir in diesen Tagen gar nicht. Die Überarbeitung unserer Webpage im zeitgemäßen Design lief monatelang parallel zum redaktionellen Geschehen und hat (Datenschutzverordnung sei Dank) die Rechner im Jahrhundertsommer noch mal so richtig heiß laufen lassen. Mehr darüber im nächsten Heft.

Genießt den Sommer!

Autor:
Holger Stratmann

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