Review

Reviews 8.0

WUCAN

Reap The Storm

Label: MIG/Indigo
Dauer: 73:56
Ausgabe: RH 365

PLUS-MINUS

Säe den Wind, ernte den Sturm - den Titel eines Debüts („Sow The Wind“ von 2015) mit dem Titel des zweiten Albums („Reap The Storm“, siehe oben) einfach so selbstverständlich fortzuschreiben, wirkt schon ein wenig spätpubertär nassforsch, umschreibt die Entwicklung dieser Band dann aber doch ganz gut. Denn während der Erstling der Wir-machen-so-ziemlich-alles-was-retro-klingt-Combo aus Chemnitz eher nur in der Schlaghosen-Szene aufhorchen ließ, gerät der Zweitling deutlich zwingender: das 21-minütige ´Aging Ten Years In Two Seconds´ (= Boris Kaiser bei der Morgentoilette) etwa ist ein multi-instrumentelles Kunsthandwerkskleinod, an dessen Prog-Pathos und geradezu menopausal monumentale Stimmungschwankungen man schon mal den einen oder anderen Tag Dauerhören verschwenden kann. Da verzeiht man selbst die (teilweise deutsche) Poesiealbumspoesie, das kraftvoll-klare, manchmal aber etwas seelenlose Organ von Sachsensirene Francis Tobolsky und auch die bandoffizielle Selbstverschubladung „Kräuterrock“, die eine Verschmelzung von Hardrock-Soul mit kopflastigem Krautrock-Erbe versinnbildlichen soll, aber eher nach Klampfenzottel mit Mundgeruch auf dem Mittelaltermarkt klingt. Für alle Menschen, die gerne in den siebziger Jahren geschlechtsreif geworden wären, statt in den siebziger Jahren geboren worden zu sein.
Thorsten Dörting
8

Du verzeihst der Band ganz schön viel, lieber Thorsten! Spätpubertär wirkt auf diesem Album nicht nur die Titelgebung. „Lieber schräg als schön“ ist leider nicht nur Motto, sondern Dogma auf „Reap The Storm“. Das Quartett aus Dresden (nicht Chemnitz) meint viel zu oft, dass seine Unangepasstheit automatisch mit Genialität einhergeht. „Je abgedrehter und unkonventioneller, desto besser!“ Natürlich darf man gern einige Szene-Konventionen hinterfragen. Aber dass die Band sich so offensichtlich gegen kompositorische Muster sträubt, zeugt entweder von einer absoluten Abwehrhaltung oder wenig Ahnung von der Kompositionslehre. Selbst die kürzeren Tracks kommen nicht richtig auf den Punkt, während die drei Longtracks künstlich aufgeblasen werden. ´Aging Ten Years In Two Seconds´ kann partiell tatsächlich was, verbleibt aber eine Aneinanderreihung von Parts und ergibt kein stimmiges Ganzes. Obendrauf kommt noch der streitbare Gesang: Francis hat eigentlich eine fabelhafte Stimme, die sie aber kaum richtig in Szene setzen will. Stattdessen rauscht sie überkandidelt und mit wenig Feeling für den jeweiligen Part durch die Oktaven, wodurch der Eindruck der von Thorsten beschriebenen Seelenlosigkeit entsteht.
Ronny Bittner
5

Autor:
Thorsten Dörting
Ronny Bittner
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