Review

Reviews 10.0

THE GATHERING

How To Measure A Planet?

Ausgabe: RH 139

Zunächst der Stolperstein: Solltet ihr zu den größten Traditionalisten unter der Sonne gehören, überspringt dieses Review, schüttelt verächtlich den Kopf und erklärt mich für verrückt. "How To Measure A Planet?" ist nicht "Mandylion, Pt. III", sondern eine völlig neue Form des künstlerischen Ausdrucks in der GATHERING-Geschichte. Zugegeben: Hier rockt nicht mehr viel. Dafür schaffen es die HolländerInnen, Gefühle offenzulegen, die mit ihren bisherigen Outputs lediglich angedeutet wurden. Das Album wirkt weniger durch seine Songs, sondern eher durch den roten Faden, der es schafft, immer wiederkehrende Töne zu verbinden, die eine Gesamtheit erzeugen, der man sich nicht entziehen kann. Das hat viel mit modernen Sounds zu tun: Allen voran Portishead oder Massive Attack standen bei einigen Tracks Pate ('Marooned'). Natürlich ist die Instrumentierung herkömmlicher und weniger elektronisch, dennoch verfolgen THE GATHERING dasselbe Ziel: Nur das Gefühl zählt. Und das Schöne ist, daß jeder Hörer seine eigenen Interpretationen finden kann und keine Lösungen vorgesetzt bekommt, die er gefälligst zu schlucken hat. Musikalisch dürfen als weitere Anhaltspunkte übrigens Pink Floyd oder das letzte Marillion-Album herhalten, das in etwa denselben Geist versprüht. In 'Red Is A Slow Colour' singt Anneke "The picture on the wall is chaotic/I don't want to look at it/But when I do I cannot speak/Because of the confusion/In my head". Und dies fühlen andere Leute, wenn sie Musik - nämlich diese hier - hören. In meinen Augen eine der wichtigsten Platten der 90er.

Autor:
Boris Kaiser
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