Review

Reviews 8.5
Hard Rock Industrial

OOMPH!

Ritual

Label: Napalm/Universal
Dauer: 44:00
Ausgabe: RH 381

(PLUS-MINUS)

Nach dem enttäuschenden, konstruiert wirkenden Vorgänger sind OOMPH! anno 2019 wieder voll auf Kurs und haben mit „Ritual“ eines ihrer härtesten Alben erschaffen. Das EBM-Metal-Trio hat diesmal auf externe Songwriter verzichtet und sich wieder auf seine alte Arbeitsweise besonnen (siehe Interview). Dadurch kommt die Essenz der Band inklusiver ihrer Neunziger-Jahre-Vibes wieder stärker zum Vorschein. Mit dem heavy Opener ´Tausend Mann und ein Befehl´ sowie dem Stampfer ´Achtung! Achtung!´, der mit einem ausgesprochen epischen Refrain aufwartet, gelingt ein Einstieg nach Maß. Manche mögen der Band vorwerfen, dass Songs wie die erste Single ´Kein Liebeslied´ oder ´Lass die Beute frei´ stark nach Rammstein klingen, aber musikhistorisch wurden diese von OOMPH! beeinflusst und nicht umgekehrt. Die getragene Hymne ´Europa´ (mit Chris Harms von Lord Of The Lost) ist ein Hit par excellence, und auch Details wie das wunderschöne Gitarrensolo von ´Phoenix aus der Asche´ begeistern. Dazu gibt es polarisierende Texte über Politik, Krieg und Missbrauch, die gerne mit religiösen Anspielungen arbeiten und in ´TRRR FCKN HTLR´ gipfeln. Dieses NDH-„Ritual“ mache ich gerne mit!

Marcus Schleutermann

8,5

Ihre Daseinsberechtigung erhielten OOMPH! lange Zeit dadurch, dass sie der Neuen Deutschen Härte den Weg ebneten, doch durch ihre zwischenzeitliche Anbiederung an den Mainstream haben die Wolfsburger nicht nur an Glaubwürdigkeit eingebüßt, sondern auch qualitativ drastisch abgebaut. Marcus hat Recht, wenn er die wiedergefundene Härte im Zusammenhang mit „Ritual“ bemerkt, doch das macht das Album nicht wesentlich besser als die letzten beiden der Gruppe - im Gegenteil, denn jetzt klingt sie umso mehr wie ein schlechter Abklatsch von Rammstein, als deren Inspiration sie oft (und vermutlich irrtümlicherweise) dargestellt wurde. Was bleibt also unterm Strich? Ein paar muskulöse Riffs und verkrampft „kritische“ Floskeln im für die Masse verträglichen Gewand. Da der Zug für diesen Sound sowieso abgefahren ist, dürfte es demnächst zudem eher „Klappe zu, Affe tot“ als ´Augen auf!´ heißen.

Andreas Schiffmann

4

Autor:
Marcus Schleutermann
Andreas Schiffmann
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