Review

Reviews 8.0

MOONSPELL

1755

Ausgabe: RH 366

Napalm/Universal (47:42)
Es spricht für MOONSPELL, dass sie bereit sind, Risiken einzugehen. Ihr letztes Album „Extinct“ war eine muntere Ansammlung von bärenstarken Dark-Metal-Songs. „1755“ ist hingegen eine völlig andere Hausnummer, ein Konzeptalbum wagnerischen Ausmaßes mit Klassik-Chören, Streichern und Gästen. Diese Platte schreit förmlich nach einer Theater-Aufführung, thematisieren MOONSPELL doch ein vernichtendes Erdbeben in ihrer Heimatstadt Lissabon. Und das auch noch in Portugiesisch, was den Longplayer - im Gegensatz zum Vorgänger - zu keiner allzu leicht zu konsumierenden Angelegenheit macht. Allzu schwülstig sollte man sich „1755“ jedoch nicht vorstellen. Den knüppelharten Mix hat der Däne Tue Madsen besorgt, der nicht gerade für sein Feingefühl bekannt ist. Und Sänger Fernando keift überwiegend mit seiner Punk/Death-Metal-Stimme, was das Konzeptwerk auch nicht zugänglicher macht. Aber es wäre nicht MOONSPELL, wenn sich nicht doch ein paar zarte Melodien (wechselweise von Gitarre und Keyboard) wie frisches Grün in einer Trümmerlandschaft emporranken würden. Trotzdem ist „1755“ in erster Linie ein detailverliebtes Kunstwerk für den Kopfhörer, für Nerds, die die Auseinandersetzung mit den fantasievollen Kompositionen und den kniffligen Arrangements der Musiker schätzen. Das musikalische Niveau ist deshalb entsprechend hoch. Dass MOONSPELL für den Track ´In Tremor Dei´ einen lokal bekannten Fado-Sänger engagierten, passt perfekt ins Bild. Endlich mal eine Band, die sich nicht an den internationalen Markt anbiedert, sondern das tut, was ihr gerade in den Sinn kommt. Ein paar „Hits“ hätte man trotzdem verstecken können.

Autor:
Holger Stratmann
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