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BÖHSE ONKELZ

Live in Dortmund II

Ausgabe: RH 362

Matapaloz/Tonpool (114:31)
Fast auf den Tag genau 20 Jahre nach der Veröffentlichung von „Live in Dortmund“, das die BÖHSEN ONKELZ endgültig als ernstzunehmende Rockband etablierte, erscheint nun der zweite Teil des akustischen Liebesbeweises an die schönste Stadt des Ruhrgebiets. Vielleicht ist es ein Dank an die Stadt, die neben Frankfurt die erste war, die den Aufstieg des Vierers zum Arena-Act ermöglichte und deren Publikum sich auch auf der „Memento“-Tour genauso euphorisiert zeigte wie zu (gefühlt) grauen Vorzeiten, vielleicht ist es auch einfach eine typische Onkelz-Nummer, denn die Band hätte es sich deutlich einfacher machen können, als mit dem zweiten Livealbum aus Dortmund die reflexartig einsetzenden Vergleiche der beiden Tonträger heraufzubeschwören. Futter für die Nörgler wird frei Haus geliefert, doch es ist typisch für das Quartett, dass ihm diese Reaktionen, mit denen man ganz sicher gerechnet hat, einmal mehr am Allerwertesten vorbeigehen. Gut so, denn zum einen unterstreicht das die eigene Kompromisslosigkeit, und zum anderen präsentiert „Live in Dortmund II“ eine Band, die über die Jahre deutlich gereift ist und sich mittlerweile voll und ganz auf das eigentliche Kernthema, nämlich die Musik, beschränkt. Was den BÖHSEN ONKELZ ziemlich gut zu Gesicht steht, wie man nach Einfuhr der Doppel-CD festhalten kann. Diverse Klassiker wurden auf der letzten Tour (leicht) umarrangiert, sieben (!) Songs des aktuellen Studioalbums „Memento“ haben ihren Weg in die Setlist gefunden, funktionieren im Gesamtkontext (abgesehen vom seltsam sperrigen ´Irgendwas für nichts´, das mir einfach nicht reinlaufen will), und die Überschneidungen mit der Setlist von „Live in Dortmund“ sind nicht besonders groß. Dazu kommen eine druckvolle, zeitgemäße Produktion und die Erkentnis, dass die Frankfurter nicht nur als Menschen, sondern auch als Musiker gewachsen sind. Selbst wenn dieses Album aufgrund seines Titels und der Tatsache, dass Stephan Weidner ständig die Stadt Dortmund in seinen Ansagen erwähnt, in einem kleinen Nachbardorf, dessen Einwohner in Kürze ihr 60-jähriges Jubiläum als Schalenlose begehen, wohl auf den Index geraten wird, dürfte der Erfolg vorprogrammiert sein.

Autor:
Thomas Kupfer
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