Review

Reviews 8.0

BÖHSE ONKELZ

Dopamin

Ausgabe: RH 181

Das Wichtigste vorweg: „Dopamin“ wird polarisieren wie kaum ein ONKELZ-Album zuvor. Und diesmal dürften nicht - wie bei früheren Diskussionen - die Texte der Frankfurter im Mittelpunkt stehen, sondern die musikalische Ausrichtung des mittlerweile 15. Studioalbums der Bandgeschichte. Weidner und Co. hätten es sich leicht machen, zum x-ten Mal ihren ureigenen erfolgreichen Sound kopieren können - dass man stattdessen einen Schritt weitergeht und mit manchen Songs stilistisches Neuland betritt, verdient Respekt. Zumal die „typischen“ ONKELZ-Trademarks natürlich immer noch vorhanden sind, nur weitaus subtiler als auf den Vorgängerscheiben zum Einsatz kommen. Wie die erste Singleauskoppelung ´Keine Amnestie für MTV´bereits angedeutet hat, ist das Songmaterial diesmal um einiges melodischer ausgefallen, aber trotzdem redet die Band Klartext, kotzt sich über die politische Lage aus (´Macht für den, der sie nicht will´), prangert den Sextourismus in Städten der Dritten Welt an (´Wie kann das sein´), schreckt aber auch vor einem augenzwinkernden Text wie ´Die Firma´ nicht zurück.

Anno 2002 haben es die BÖHSEN ONKELZ nicht mehr nötig, sich in Pathos und Selbstmitleid zu suhlen, stattdessen kommt verstärkt eine gehörige Portion (Selbst)Ironie zum Vorschein, die ein für alle Male beweist, dass die Band über die letzten Jahre enorm gereift ist. Und wenn die Stimmungswelt im Lot ist, wirkt sich das natürlich auch auf das Songmaterial aus: Kevins melodischer Gesang ist auch darauf zurückzuführen, dass man den einen oder anderen musikalischen Schlenker wagt, ihm aber genügend Freiraum für schlüssige Melodien gelassen hat und nicht jedes Soundloch gnadenlos zuhämmert. Aus diesem Grund geht „Dopamin“ problemlos als bisher reifstes Album der ONKELZ-Discographie über die Ziellinie und versteht es zudem, neue Akzente zu setzen. Ein unbeschwert rockender Song wie ´Ich weiß, wo du wohnst´ oder die witzig-melancholische Nummer ´Nur wenn ich besoffen bin´ machen einfach gute Laune und sind der perfekte Sommer-Soundtrack.

Wer jetzt was von zu wenig Härte und zu wenig Aggression faselt, hat die Band nicht verstanden und kann sich bis an sein Lebensende am Backkatalog der ONKELZ berauschen.

Autor:
Thomas Kupfer
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