Review

Reviews 9.5
Rotzrock

BÖHSE ONKELZ

Böhse Onkelz

Label: Matapaloz/Tonpool
Dauer: 55:15
Erscheinungsdatum: 28.02.2020
Ausgabe: RH 395

Die BÖHSEN ONKELZ sind erwachsen geworden. Ein bisschen zumindest, wie das nach dem von Ben Becker gesprochenen Prolog einsetzende, augenzwinkernde ´Kuchen und Bier´ beweist. Nach einer nun 40-jährigen Bandkarriere kann man sich schon mal ´nen ironischen Blick in den Rückspiegel erlauben und mit einem Vers wie „Es war vor langer Zeit, damals waren wir noch Kinder, die Zeit der großen Kämpfe, großes Maul und nichts dahinter“ in die grauen Anfangstage zurückblicken. Aber natürlich, und auch das ist man von den Frankfurtern gewohnt, ist das selbstbetitelte, inzwischen 18. Studioalbum keine durchgängig selbstironische Werkschau, sondern widmet sich ebenfalls aktuellen (Fehl-)Entwicklungen. Alkoholismus (´Saufen ist wie Weinen´), Umweltzerstörung (´Rennt!´), Ausgegrenztheit (´Der Hund den keiner will´) oder der generelle Zustand der Gesellschaft (´Du hasst mich! Ich mag das!´) werden textlich mit der notwendigen Ernsthaftigkeit bedacht, dabei aber in leichtfüßige Rock´n´Roll-Songs verpackt. „Böhse Onkelz“ hat Drive und Swing, und Kevin Russell hatte absolut Recht, als er in der Titelstory der letzten Ausgabe behauptete, dass dieses Album „onkeliger“ ausfällt als sein Vorgänger „Memento“. Selten hat eine Platte der Frankfurter so stimmig geklungen, große Melodien von Stadion-Rock-Format werden mit dem notwendigen Dreck und Härte kombiniert. Wenn „Böhse Onkelz“ ein Blick in die musikalische Zukunft ist, dann bitte gerne mehr davon. Auf die nächsten 40 Jahre!

Autor:
Thomas Kupfer
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