Review

Reviews 4.5

ATROCITY

Gemini

Ausgabe: RH 162

Dass ATROCITY musikalisch etwa so berechenbar sind wie eine Mischung aus dem Mittwochslotto und der Wettervorhersage fürs Ruhrgebiet, dürfte inzwischen jedem klar sein, der sich ein wenig besser mit dem aus dem Raum Ludwigsburg stammenden Quintett auskennt. Ursprünglich als Death Metal-Combo Ende der Achtziger gestartet, entwickelten sich ATROCITY im Laufe der Zeit immer mehr zur Gothic-Band mit Neue Deutsche Härte-Touch, die mit offensichtlich wachsender Begeisterung Pop-Klassiker covert oder mit Gothic-Freaks diverse Projekte ausheckt. "Gemini", das fünfte reguläre Album der Schwaben, ist stilistisch allerdings eindeutig an den '97er Vorgänger "Werk 80" angelehnt und setzt die Tradition Tanztempel-tauglicher und eingängig-poppiger Songs im Deutsch-englisch-Mix fort. Der Opener 'Taste Of Sin' und 'Das 11. Gebot' beißen sich mit harten Riffs direkt in den Gehirnwindungen des Hörers fest. Dies würde theoretisch auch 'Wilder Schmetterling' schaffen, wären da nicht diverse schwachsinnige Textzeilen ("Oh du mein Papillon, ich kauf uns einen Kokon"), die der Band eher den Weg in die nächste geschlossene Anstalt als in die Hall of Fame ebnen. Ihre Vorliebe für düster-erotische Texte unterstreichen ATROCITY mit 'Liebesspiel' und 'Sometimes... A Nightsong', zwei Nummern, die Achtziger-Keyboard-Klänge mit Dark Wave-Elementen verbinden, streckenweise aber nur die frivole Ausstrahlung einer Palette depressiver Topfpflanzen erreichen. Neben acht eigenen Songs befinden sich auf "Gemini" Coverversionen des Simon & Garfunkel-Evergreens 'Sound Of Silence' und des Klassikers 'Lili Marleen', die eindrucksvoll beweisen, dass sich Sänger Alex Krull gesangstechnisch inzwischen locker mit Kermit dem Frosch messen kann. Auch 'Zauberstab' verwandelte das Quintett mühelos vom Neue Deutsche Welle-Hit, der an frühkindliche Zauberkastenspiele erinnert, in einen spätpubertären Fummel-Song.

Autor:
Conny Schiffbauer
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