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REVIEW 8.0 18.03.2020

(Album, RH 395, 2020)

VOODOO SIX - Simulation Game

PLUS-MINUS VOODOO SIX treten seit Jahren auf der Stelle, obwohl sie von der Presse in ihrem Heimatland für jeden Release im wahrsten Sinne des Wortes mit Lob überschüttet werden und vor gar nicht allzu langer Zeit noch als DIE große Hardrock-Hoffnung Großbritanniens galten. Vielleicht liegt´s daran, dass die Band gar nicht allzu britisch, sondern eher amerikanisch (und zwar wie eine Mischung aus Black Label Society, Audioslave und Nickelback) tönt und demzufolge diesseits des Großen Teiches nicht hundertprozentig den Geschmack des Publikums trifft. Wie dem auch sei: Mit „Simulation Game“, Album Nummer fünf, setzt die Truppe auf bewährte Tugenden und dreht höchstens marginal an den Stellschrauben. Die zehn Songs grooven wie Hölle und dürften all jenen gut reinlaufen, die ein Faible für oben genannte Bands (und generell keine Berührungsängste mit modernem Radio-Rock) haben. Sehr gute Platte einer Band, die eigentlich viel größer sein sollte, als sie ist. Jens Peters 8 Die britische Presse, allen voran das Käseblättchen „Kerrang!“, jubelt so ziemlich jede einheimische Band zu Gottes Geschenk an die Musikwelt hoch, doch auch für VOODOO SIX gilt: Kirche im Dorf lassen. Wie Jens schon sagt, ist die Gruppe auf sogenannten Modern Rock oder Neogrunge aus Nordamerika abonniert - beides zumeist beschönigende Namen für Radio-Geplätscher mit verzerrten Gitarren. „Simulation Game“ ist nun zwar genauso wenig wie seine Vorgänger total beliebig, doch wer hier höher punktet, hat entweder die Originale noch nie bzw. nur flüchtig gehört oder kann nicht genug vom selben Alten kriegen. Unabhängig davon steht und fällt gerade dieser Stil mit potenziellen Hymnen oder wenigstens Chart-kompatiblen Balladen; „Simuation Game“ fehlt beides. Andreas Schiffmann 5,5

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REVIEW 8.0 18.03.2020

(Album, RH 395, 2020)

THE UNITY - Pride

„Pride“ haben THE UNITY ihr drittes Album getauft, und stolz kann der deutsch-italienische Zusammenschluss auf die Platte wirklich sein. Stand die Combo anfangs im Ruf eines Nebenprojekts der Gamma-Ray-Musiker Henjo Richter (g.) und Michael Ehré (dr.), haben sich THE UNITY längst als „echte“, richtig gute Band zwischen Power Metal und Hardrock bewiesen, was „Pride“ mit einfallsreichen und eigenständigen Songs wie ´Line And Sinker´ oder der waschechten Rock´n´Roll-Nummer ´Rusty Cadillac´ noch mal unterstreicht. Der Langspieler verbreitet Ohrwurm-Alarm und gute Laune, regt bei Tracks wie ´We Don´t Need Them Here´ und ´Hands Of Time´ aber auch zum Nachdenken über ernste gesellschaftliche Themen an und schleudert mit ´Scenery Of Hate´ einen hammerharten Wutbrocken raus. „Aller guten Dinge sind drei“ - dieses Sprichwort ist zwar ganz schön abgenudelt, könnte aber für „Pride“ zutreffender kaum sein. 3 Fragen an THE UNITY-Drummer Michael Ehré: Michael, euer neues Studioalbum trägt den Titel „Pride“. Ist dieser als Steigerung des Vorgängers „Rise“ zu verstehen? Worauf bezieht sich euer Stolz? »Natürlich sind wir immer bestrebt, das vorherige Album zu übertreffen. Der Albumtitel hat damit aber eher nichts zu tun. „Pride“ bezieht sich in unserem Fall viel mehr auf unsere Band, auf das, was wir bislang erreicht haben - und vor allem, in welch kurzer Zeit wir das erreicht haben. Wir haben viel Zeit und Energie in die Band gesteckt. Im Mai 2017 kam unser Debütalbum raus, im Herbst 2018 mit „Rise“ der Nachfolger, und jetzt im März 2020 erscheint unsere dritte CD. Zwischen den Produktionen sind wir getourt und haben unzählige Shows gespielt. Das klingt nicht nur nach viel Arbeit, das war auch viel Arbeit. Ohne den unbedingten Willen aller Beteiligten ist so was schlichtweg nicht möglich. Darauf sind wir stolz. Darüber hinaus haben wir alle drei Alben im selben Line-up eingespielt, was auch nicht zwingend selbstverständlich ist heutzutage. Es gibt unzählige Projekte in den unterschiedlichsten Line-ups. Viele dieser Projekte sind einmalige Geschichten. Das trägt dazu bei, dass der Markt mehr als gesättigt ist und der Fan schnell die Übersicht verliert. Wir wollten nie als ein Projekt der beiden Gamma-Ray-Jungs gesehen oder gar abgestempelt werden. Unser Bestreben war immer, eine neue Band zu etablieren. Unser Bandname ist auch nicht zufällig gewählt, sondern tatsächlich Programm. Natürlich hat uns der Gamma-Ray-Faktor geholfen, aber ausruhen können wir uns darauf nicht, zumal sich die Musik der beiden Bands doch sehr unterscheidet. Das wiederum war auch eine bewusste Entscheidung, weil uns klar war, dass niemand Gamma Ray 2.0 braucht.« Nahezu die gesamte Band beteiligt sich am Songwriting, was tatsächlich eher ungewöhnlich ist. Wo siehst du die Vor- und Nachteile dieses Schreibprozesses? Geht es bei euch manchmal sehr chaotisch und diskussionsfreudig zu? »Das ist tatsächlich purer Luxus! THE UNITY bestehen aus sechs Mitgliedern, von denen fünf Songwriter sind. Selbstverständlich hat uns das geholfen, in so kurzer Zeit drei qualitativ gute Alben zu schreiben. Chaotisch geht das eher nicht zu - wir sind für Musiker relativ gut organisiert -, diskussionsfreudig sind wir hingegen ab und zu schon (lacht). Unsere Konstellation hat Vor- und Nachteile: Einer der Vorteile ist, dass wir keine 20 mehr sind und Egotrips schon lange hinter uns gelassen haben. Wir alle wissen ganz genau, was wir an THE UNITY haben. Selbstverständlich sind wir auch nicht immer einer Meinung, aber die Frage ist dann, wie man mit solchen Situationen umgeht. Ich wage zu behaupten, dass wir schon Situationen gemeistert haben, an denen andere Bands zerbrochen wären. Und das hat sicherlich auch etwas mit unserem Alter und unseren Erfahrungen, die wir in anderen Bands sammeln durften, zu tun. Eine Band mit Anfang/Mitte 50 aufzubauen, ist aufgrund unserer Erfahrung so gesehen von Vorteil. Gleichzeitig ist aber genau das auch unser großer Nachteil: Eine Band zu etablieren und groß zu machen, kann gut und gerne zehn bis 15 Jahre dauern. Uns ist klar: Diese Zeit haben wir nicht, weswegen wir dieses enorme Arbeitspensum an den Tag legen. Für alle in der Band ist dies wahrscheinlich die letzte Chance, eine eigene Band zu etablieren, also setzen wir alles daran, unseren Traum auch zu verwirklichen. Klingt jetzt vielleicht ein wenig hart, ist aber nüchtern betrachtet so.« Die Songs auf „Pride“ sind durchaus sozialkritisch: Ihr beschäftigt euch u.a. mit Umweltzerstörung und Populismus. Versteht ihr euch zu einem gewissen Grad als politische Band? »Wir sind keine Band, die über Drachen, Schwerter und Schlösser schreibt. Ich liebe das, aber es würde schlicht und ergreifend nicht in unseren Kontext passen. Deshalb passiert es schon ganz automatisch, dass man sich mit Themen befasst, die sich realitätsnahen Dingen widmen. Dazu zählen natürlich auch Umweltzerstörung und Populismus. Jeder, der mit auch nur einem offenen Auge durch die Welt geht, kommt daran ja auch gar nicht vorbei. Von der Relevanz, diese Punkte heutzutage zu thematisieren, ganz abgesehen! Es ist schon sehr widersprüchlich, wenn wir uns vor Augen führen, dass es der Menschheit einerseits noch nie so gut ging wie heute, wir andererseits aber ganz kurz vorm Abgrund stehen. Was für ein Wahnsinn! Das klingt jetzt tatsächlich wohl eher merkwürdig, aber obwohl wir diese Themen aufgreifen, sehen wir uns nicht als politische Band. Wir wollen niemandem unsere Meinung aufzwingen. Wir beschreiben Dinge, die uns beschäftigen, und dazu zählen nun mal auch die unschönen Seiten des Lebens. Wir als Band wollen unseren Fans vielmehr eine gute Zeit bescheren. Wenn wir bei unseren Shows in lauter glückliche Gesichter gucken, haben wir erreicht, was wir wollten. Das würde ich als unsere „Mission“ bezeichnen.« (am)

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REVIEW 8.0 18.03.2020

(Album, RH 395, 2020)

THEN COMES SILENCE - Machine

Ein paar wenige metallischere Grenzgänger wie Tribulation oder Idle Hands sprechen mittlerweile ein gewaltiges Wörtchen in der Szene, insgesamt bleiben Post-Punk und Gothrock, vor ein paar Jahren als neuester alter Trend ausgerufen, aber Underground-Phänomene, selbst die als Heilsbringer gestarteten Beastmilk alias Grave Pleasures verharren ja immer noch unter ihresgleichen, so richtig vorwärts geht´s nicht. Die Schweden THEN COMES SILENCE durften ihr letztes Album „Blood“, ihr viertes seit 2012, 2017 sogar über den Quasi-Major Nuclear Blast veröffentlichen, genützt hat´s indes nichts (oder zumindest nicht viel). Im Gegenteil ließ ihre Indie-Rückbesinnung „Machine“ nun ungewöhnlich lange auf sich warten, entpuppt sich dafür aber immerhin als erneut hörenswertes Album, auf dem zwar sicher nicht alles Genre-Gold ist, das leidlich glänzt (die B-Seite fällt ab), das mit dem The-Cure-lastigen Opener ´We Lose The Night´, dem lethargisch-lasziven ´I Gave You Everything´ oder dem Hit der Platte, ´Devil´, allerdings diverse Duftmarken hinterlässt, die nicht nur in ihrem Bereich, sondern auch im Kontext aller Veröffentlichungen des Monats deutlich Eindruck schinden. Ziemlich fies tönt dagegen ´Apocalypse Flare´, eine Nummer mit exzessiven Ohrwurm-Anwandlungen, die Gott sei´s geklagt so deutlich jenseits der Cheese-Grenze platziert wurde, dass die eigene Qualitätskontrolle Mühe hat, sie schlussendlich durchzuwinken. Schließlich ist das hier keine Musik, bei der man die Contenance verliert. Es ist Musik, bei der man traurig auf seine Schuhe starrt.

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REVIEW 7.0 18.03.2020

(Album, RH 395, 2020)

TENSIDE - Glamour & Gloom

Es klingt vielleicht fatalistisch, aber TENSIDE klingen besser, je hoffnungsloser und finsterer ihr Thema ist. Sie eröffnen ihr siebtes Album mit lichten, öffnenden Gitarrenklängen, zu denen sich ein Actionheld heroisch in die Tiefe stürzen könnte, um kurz darauf wieder mit aufgespanntem Fledermaus-Fluganzug im Bild zu erscheinen. Sie beenden es mit dräuenden, dicht gepackten, sogar den Noiserock streifenden Tönen, die einen seelischen Sturz in die Tiefe zum Thema haben, aus dem es kein Zurück mehr gegeben hat: ´All Black Everything´ basiert auf dem Tagebuch eines Selbstmörders. Dazwischen erlebt man alle möglichen Schattierungen des modernen Metal. Enorm groovebetont und kornesk wie in ´As Above So Below´, bei dem man jeden Augenblick Jonathan Davis als Gast ins Studio stürmen sieht. Schwer und breitbeinig ausufernd wie in ´The Devil Within´, wo jeder Taktschlag von Johannes Jörg einen Pfeiler in den Boden schlägt, auf dass Michael Klingenberg dazwischen raue Gitarrenwände hochzieht, die Daniel Kuhlemanns kratzige Klage pechschwarz anmalen kann. Mit einem Groove-Brüll-Monster wie ´Only The Brave´ könnten Hooligans gute HD-Aufnahmen ihrer letzten Keilerei auf der grünen Wiese unterlegen, würden Hooligans professionelle PR-Videos anfertigen. Stellenweise reißt das mit, oft aber lässt es einen merkwürdig kalt wie ein Actionthriller, der bestens gemacht ist, ein echtes inneres Drängen aber vermissen lässt.

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