ReviewAlbum

Band
PARAGON 
Kategorie
Album 
Heft
RH #306 
Titel
Force Of Destruction 
Erscheinungsjahr
2012 
Note
8.5 

Napalm/Universal (51:41)
Okay, ich werfe gleich fünf Euro ins Phrasenschwein, aber die fast vierjährige Pause seit ihrem durchwachsenen letzten Album „Screenslaves“ hat PARAGON wirklich gut getan. Dabei mussten die True-Metaller von der Waterkant in der Zwischenzeit den Abgang von Bandgründer und Kneipenterroristen-Klampfer Martin Christian und Zweitgitarrist Günny Kruse verkraften, die durch das neue Axtduo Wolfgang Tewes/Jan Bertram allerdings mehr als gleichwertig ersetzt werden konnten. Aber auch die Rückkehr zu Producer Piet Sielck (Iron Savior), mit dem Frontsirene Buschi & Co. auf dem 2005er Album „Revenge“ letztmalig zusammengearbeitet haben, hat dem Quintett tüchtig Auftrieb gegeben. Piet ist für hymnischen, traditionellen Metal mit bombastischen Vocals und Chören und einer tüchtigen Portion Speed einfach der richtige Mann. Zwar lassen PARAGON auf ihrem zehnten Langeisen quasi kein Klischee aus, aber der Sache tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil: Mit schnellen Epen wie ´Iron Will´, ´Tornado´ und ´Secrecy´, der Halbballade ´Demon´s Lair´ oder dem Midtempo-Stampfer ´Gods Of Thunder´ zeigen die Hanseaten der Genre-Konkurrenz von Gamma Ray bis Grave Digger und Stormwarrior bis ebenjenen Iron Savior, wo Odin den Stahl schmiedet. Horns up!

3 Fragen an PARAGON-Bassist Jan Bünning:
Jan, warum ist eure neue Scheibe klar besser als die davor, obwohl euch mit Martin und Günny gleich beide Gitarristen von der Fahne gegangen sind? Und warum ist Bandgründer Martin überhaupt ausgestiegen?
»Martin hat PARAGON verlassen, weil er mit den Kneipenterroristen ja noch seine Coverband hat, mit der er nicht gerade wenig Kohle macht. Außerdem hat er Familie. Deshalb war es zeitlich für ihn nicht mehr drin. Sein Ausstieg war erst mal ein Schock für uns, und im ersten Moment dachte ich sogar: Das war´s jetzt. Allerdings war für Buschi, Chris und mich dann sehr schnell klar, dass wir noch Bock haben. Das neue Gitarren-Duo hat noch mal richtig das Feuer entfacht, und dass das neue Album nach den beiden letzten Platten eine Bombe werden muss, war auch klar. Wolle hat dann Riffs für ca. 25 Songs abgeliefert, von denen ich die zehn PARAGON-tauglichsten rausgepickt und arrangiert habe. Irgendwie ist „Force Of Destruction“ auch ein großes „Fuck you!“ an alle, die uns nach dem Austritt von Martin schon abgeschrieben hatten.«
Warum bist du 2007 bei PARAGON ausgestiegen, um zwei Jahre später wieder einzusteigen?
»Nachdem „Revenge“ für uns das Nonplusultra in Sachen Produktion war, wollten wir mit dem Nachfolger „Forgotten Prophecies“ mal was anderes ausprobieren. Leider hatten die beiden Jungs, die das Album damals „produzierten“, keine Ahnung. So kam es schnell zu Streitereien, was den Sound der Platte anbelangte. Im Endeffekt war der Rest der Band der Meinung, dass das Album okay ist, aber ich hasste den Sound und bin deshalb ausgestiegen. Gespräche, wieder einzusteigen, gab es schon im Sommer 2008 auf einer Party von mir. Martin hatte gemerkt, dass das Herzblut, das ich immer in die Band gesteckt hatte, fehlte. Als es dann konkret wurde, habe ich eigentlich nicht lange gezögert. Allerdings nur unter der Bedingung, wieder zu Piet zu gehen.«
Habt ihr „Force Of Destruction“ auf eigenes Risiko finanziert und aufgenommen und dann diversen Plattenfirmen angeboten, oder hat euch euer neues Label Napalm Records „blind“ unter Vertrag genommen?
»Wir hatten erst Demos gemacht und diese dann verschickt. Es stellte sich aber schnell raus, dass das so nichts wird. Deshalb haben wir Ende 2011 beschlossen, das Album gleich mit eigenem Geld aufzunehmen und danach einen Deal zu suchen. Im Endeffekt hatten wir dann Promos an ca. acht große Plattenfirmen verschickt, von denen vier das Album gerne rausgebracht hätten. Napalm waren aber ehrlich gesagt unser Wunschkandidat, weil es zur Zeit einfach eines der am schnellsten wachsenden Labels mit gutem Ruf ist. Der Vertriebsdeal mit Universal war die Krönung, zumal wir das bei Vertragsunterzeichnung noch nicht wussten.« (buf)


Uwe "Buffo" Schnädelbach 8.5

AMAZONEMPFEHLUNG